Erklärung des Rätselfotos des Monats Januar 2025

Wir möchten wissen, warum die Eisnadeln nur in eine Richtung wachsen.
Antwort: Der Gedanke liegt nahe, dass bei der einseitigen Ausrichtung der Eisnadeln der Wind im Spiel sein könnte. Vermutlich würde man dabei davon ausgehen, dass die Kristalle in die windabgewandte Richtung wachsen. Doch es ist genau umgekehrt: Der Wind schafft das "Baumaterial" in Form von unterkühlten Wassertröpfchen heran, und diese kristallisieren sobald sie auf das Hindernis auftreffen. Denn um zu kristallisieren benötigen sie einen Keim, der zunächst unterschiedlichen Ursprungs sein kann. Sobald sich jedoch ein Eiskristall gebildet hat, geht es nur noch darum, an diesen anzudocken und ihn zu vergrößern. Interessanterweise wächst der so entstehende Eiskristall nicht monolithisch dem Wind entgegen, sondern in Form stacheliger Auswüchse. Denn weil beim Andocken und damit verbundenen Kristallisieren der unterkühlten Wassertröpfchen Kristallisationswärme abgegeben werden muss, würde ein kompakter Anbau der Kristalle sofort wieder schmelzen. Daher stellt sich ein eher dendritischer Aufbau der Kristalle mit größtmöglichen Kontakt zur Umgebung ein.
H. J. Schlichting