Quellen

© Uniarchiv Münster, Bestand 3, Nr. 578. Akademischer Richter an Staatsanwalt (Teil 1)
10 Mai 79
A.
Ludwig Schunck.
An
den Herrn Staatsanwalt Gravert
Hochwohlgeboren
hier.Indem ich die wider den Akademiker
Ludwrig Franz Schunk aus Oehlinghausen
bei Hüsten Kreis Arnsberg ge¬
flogenen Verhandlungen übersende, wonach derSelbe
a wegen nächtlicher Ruhestörmig durch Reißen
an der Schelle des Hauses auf dem Platze bei
der Georgs Kommende, worin der Kreisgerichts
rath Bucholz wohnt,
b. wegen Beschädigung fremden Eigenthums
durch Zerschlagen einer Fensterscheibe an der
Thurn des der Wittwe Sandfort gehörigen
Hauses auf der Aegidii Straße,
C. wegen versuchter Bestechung zweier
Nachtwächter
angeklagt ist, bemerke ich ganz ergebenst.
daß ich mich als akademischer Richter nicht
für
© Universitätsarchiv Münster, Bestand 3, Nr. 578. Akademischer Richter an Staatsanwalt (Teil 2)
für Competent erachte über die
beiden Punkte sub. 6 u c zu er¬
kennen. Zur Begründung dieser Ansicht
beziehe ich mich auf die §§303 u 333 des
Strafgesetzbuchs für das Deutche Reich¬
Münster d 10ten Mai 1879.
Der akademische Richter
© Universitätsarchiv Münster, Bestand 3, Nr. 578. Aussage Nachtwächter
Linke Spalte:
Abschriftlich an den academi-
schen Richter Herrn Geh. Justiz-
Rath Tüshaus, Ritter pp.
Hochwohlgeboren, hier,
zur gefälligen weiteren Ver¬
anlassung ergebenst zu über¬
senden unter Beifügung der
seither nicht zurückgehalten Uhr.
Münster, den 29 April 1879
Der Polizei-Inspector.Es war bereits der Aka-
demiker Egon Schunik
aus Wattenscheid wegen
Auslöschens von Laternen
in Untersuchung und ist durch
Erkenntniß vom 27 April 1877
zu einem Tage Karzer ver¬
urtheilt. Das ist nicht der jetzt
angeklagte Schunck, dieser
heißt mit Vornamen Ludwig
Franz Schunck und ist aus
Öhlinghausen her.
conferatur Verzeichniß der Akade
miker für Wintersemester 1878
bis 1879.Rechte Spalte:
Münster, den 27 April 1879.
pr. 2 Mai 1879.
Der Academiker Ludwig, Franz
Schunck, wohnhaft Bispinghof Nr 1
wurde in der Nacht vom 27 zum 28 en
um 1 1/2 Uhr von den Nachtwächtern
Lange und Mödinger auf der Georgs
Commende inhaftirt und zum Poli¬
zei-Amt gebracht, weil er beim
Kreis-Gerichtsrath Buchholtz an
dessen Hausschelle sehr stark geläu-
tet hat.
Bei der Verhaftung sind dem p. Schunck
mehrere Kieselsteine aus der Tasche
gefallen und ist anzunehmen, daß
er damit, wie solches in letzter Zeit
häufig vorgekommen, entweder
Fensterscheiben oder Straßenlater¬
nen zertrümmern wollte.
Auch hat er den Nachtwächtern, um
ichn Frei zu lassen, 20 Mark ange¬
boten.
Auf dem Amte deponirte derselbe
eine Zylinder-Uhr, welche anbei
folgt, und wurde er alsdann mit
dem Bescheide entlassen, morgen
früh also am 28d. Mtr. um 1012
Uhr beim Herrn Polzei-Commissar
Kolkmann, Zimmer Nro. 17 zu
erscheinen, wo als dann über seine
Uhr weiter verfügt würde.
Es wird noch bemerkt, Past auf der
genannten Straße, die p. Schunck
passirt, bei der Wittwe LanofortNächste Seite (nicht abgebildet):
eine Scheibe in der Hausthür
zertrümmert war.
Nachtwächter
gez. Lange und Mödinger.