Epochenbilder Vince Musi 359 142
© Vince Musi/The White House, wikipedia

Forschung

Der Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ besteht seit 2007 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und rund 14 Nationen beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Religion und Politik quer durch die Epochen und Kulturen. Es ist der bundesweit größte Forschungsverbund dieser Art und von den 43 Exzellenzclustern in Deutschland der einzige zum Thema Religion. Bund und Länder fördern das Vorhaben in der zweiten Förderphase der Exzellenzinitiative von 2012 bis 2018 mit 40,1 Millionen Euro.

Das Spektrum der rund 80 Forschungsprojekte reicht vom Altertum bis zur Gegenwart: von der antiken Götterwelt über Judentum, Christentum und Islam in Mittelalter und früher Neuzeit bis hin zur heutigen Situation in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Beteiligt sind folgende Fächer: Geschichts-, Rechts- und Politikwissenschaft, Religionssoziologie und Religionswissenschaft, katholische, evangelische, orthodoxe und islamische Theologie, Psychologie, klassische und moderne Philologie sowie Philosophie, Kunstgeschichte, Arabistik, Ethnologie, Altorientalistik, Archäologie, Ägyptologie, Judaistik, Byzantinistik, Musik- und Buchwissenschaft.

Die Mitglieder des Exzellenzclusters kooperieren über disziplinäre Fächergrenzen hinweg und befassen sich mit dem Thema in einer weiten historischen Perspektive. Sie betreiben Grundlagenforschung und wollen zugleich Reflexionswissen für die Bewältigung drängender Gegenwartsfragen in einer globalisierten Gesellschaft zur Verfügung stellen. Die Zuspitzung verschiedener politisch-religiöser Konfliktlagen auf der Welt hat die Aktualität des Themas „Religion und Politik“ weiterhin verschärft. Das Zentrum für Wissenschaftskommunikation fördert den Dialog der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Vertreterinnen und Vertretern aus Medien, Politik, Bildungseinrichtungen, Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie mit Bürgerinnen und Bürgern. Es vermittelt die Expertise der Forscherinnen und Forscher zu aktuellen Fragen an die Öffentlichkeit jenseits der Universitäten.

Teil des Forschungsverbundes ist eine Graduiertenschule für Doktorandinnen und Doktoranden. 2012 ist ein Kolleg für Habilitandinnen und Habilitanden hinzugekommen. Beide Einrichtungen bieten dem wissenschaftlichen Nachwuchs besonders günstige Bedingungen für eigenständige Forschung.

Der Exzellenzcluster ist in vier Forschungsfelder unterteilt: Normativität, Medialität, Integration und Gewalt. Als Querverbindungen sind 2012 vier Arbeitsplattformen zu übergreifenden Themen hinzugekommen: die Differenzierung von Religion und Politik, transkulturelle Verflechtungen, das Verhältnis von Religion, Politik und Geschlecht sowie Fragen der kulturellen Ambiguität. Die rund 80 Einzelprojekte tragen empirisches Wissen zu den Forschungsfeldern und Arbeitsplattformen bei.

Durch den Exzellenzcluster ist die Universität Münster zum einzigartigen Standort für  interdisziplinäre Religionsforschung geworden. Um das zu sichern, schafft die Hochschule nachhaltige Strukturen über die Exzellenzinitiative hinaus. Bereits in der ersten Förderphase von 2007 bis 2012 entstanden neben neuen Professuren drei Centren: das Centrum für Religion und Moderne (CRM), das Centrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung (CMF) und das Centrum für Geschichte und Kultur des östlichen Mittelmeerraums (GKM). Sie dienen der Einwerbung neuer Forschungsverbünde und als Forum für öffentliche Veranstaltungen, Publikationsreihen und Zeitschriftenredaktionen. Eine Gastprofessur zum Thema Religion und Politik, die „Hans-Blumenberg-Professur“ – benannt nach dem berühmten Münsteraner Philosophen – soll dazu beitragen, innovative Impulse aus der internationalen Forschung nach Münster zu bringen und die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit am Exzellenzcluster stärken.