Forschungsfelder

Der Exzellenzcluster erforscht das Verhältnis von Religion und Politik quer durch verschiedene Epochen und Kulturen. Die rund 80 Forschungsprojekte reichen vom Altertum bis zur Gegenwart. Um das komplexe Thema systematisch untersuchen zu können, ist der Cluster in vier Forschungsfelder unterteilt: Normativität, Medialität, Integration und Gewalt. Als Querverbindungen kommen vier Arbeitsplattformen zu übergreifenden Themen hinzu: die Differenzierung von Religion und Politik, transkulturelle Verflechtungen, das Verhältnis von Religion, Politik und Geschlecht und schließlich Fragen der kulturellen Ambiguität.

Forschungsfeld A Normativität

Im Forschungsfeld A untersuchen die Mitglieder des Exzellenzclusters in vergleichender Perspektive, wie sich die Normen von Gesellschaftsordnungen und Religionsgemeinschaften in verschiedenen Zeiten hinsichtlich ihres Geltungsanspruchs, ihrer Reichweite, ihrer Durchsetzbarkeit, ihrer Eindeutigkeit, ihrer medialen Form und ihrer religiösen oder säkularen Geltungsgrundlagen unterscheiden. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Genese und Struktur moderner Normativität und der Herausbildung, dem Wandel und der Auflösung von Prinzipien säkularer Staatlichkeit. In der zweiten Förderperiode des Exzellenzclusters von 2012 bis 2017 konzentriert sich die interdisziplinäre Arbeit in drei Koordinierten Projektgruppen auf diese Leitfragen: (1) Wann, warum und wie „verflüssigen“ oder „verfestigen“ sich normative Diskurse? (2) Wie verhält sich Normsetzung in verschiedenen Kulturen zur Implementation beziehungsweise Durchsetzung von Normen? (3) Welchen Einfluss haben Religionen auf wirtschaftliche Ordnungen und Handlungen?

Forschungsfeld B Medialität

Medialer Wandel ist ein wesentlicher Faktor bei der Veränderung des Verhältnisses zwischen Religion und Politik – zu erinnern ist nur an die wechselseitige Verstärkung von typographischer Medienrevolution und Reformation, aber auch an die Rolle der digitalen Medienrevolution für gegenwärtige politische und religiöse Bewegungen. Epochenübergreifend wird in Forschungsfeld B gefragt, in welchen Medien religiöses beziehungsweise politisches Handeln realisiert wird und inwiefern medialer Wandel das Verhältnis zwischen Religion und Politik beeinflusst. Zwei Koordinierte Projektgruppen konzentrieren sich auf diese Leitfragen: (1) Welche Rolle spielen Medien in Prozessen der Säkularisierung und der Sakralisierung; inwiefern verändern sie sich selbst in diesen Prozessen? (2) Wie werden die Grenzen zwischen religiösem und politischem Feld durch mediale Figurationen wie Texte, Bilder, Monumente etc. etabliert und aufrechterhalten, aber auch durchbrochen oder aufgelöst?

Forschungsfeld C Integration

Nicht religiöse und kulturelle Homogenität sind der historische Normalfall, sondern Koexistenz, Verflechtung, Konkurrenz und Konflikt verschiedener religiöser Sinnsysteme und Praxisformen. In der zweiten Förderphase des Exzellenzclusters von 2012 bis 2017 wird in Forschungsfeld C die Integration religiöser Vielfalt thematisiert. Drei Koordinierte Projektgruppen konzentrieren sich auf diese Leitfragen: (1) Wie gehen verschiedene Gesellschaften mit der Koexistenz verschiedener Religionen um? Inwiefern führen Konflikte um Multireligiosität zu Verfahren der Integration, die von substanziellem Konsens unabhängig machen? (2) Die inneren und äußeren Grenzen der „Weltreligionen“ erweisen sich bei näherem Hinsehen ebenfalls als flüssig; die jeweiligen Traditionen werden auf vielfältige Weise ausgetauscht. Daher wird nach den Bedingungen, Erscheinungsformen und Folgen des Traditionstransfers zwischen Judentum, Islam, Christentum, Hinduismus und Buddhismus gefragt. (3) Der dritte Schwerpunkt konzentriert sich auf das Christentum in der westlichen Moderne seit dem Umbruch der 1960er Jahre und fragt nach Wechselwirkungen zwischen den christlichen Sozialformen und ihrer politischen Umwelt.

Forschungsfeld D Gewalt

Im Zentrum des Forschungsfeldes D steht die Frage nach der Ambivalenz von Religionen in Bezug auf physische Gewalt, das heißt nach den Gewalt- und Friedenspotentialen verschiedener religiöser Sinnsysteme und nach den politischen und sozialen Bedingungen, unter denen diese Potentiale je unterschiedlich realisiert wurden. Im Blick vor allem auf antikes Judentum, Christentum und Islam wird gefragt, unter welchen Bedingungen religiöse Akteure gewalttätig werden beziehungsweise wann und warum Gewaltausübung sich mit religiöser Sprache und Symbolik umgibt. Die Schwerpunkte der zweiten Förderphase werden in zwei Koordinierten Projektgruppen behandelt. Es sind epochen- und kulturübergreifende Fragen (1) nach dem Rekurs auf heilige Texte bei der Legitimation und Delegitimation von Gewalt und (2) nach Bedingungen und Erscheinungsformen von Martyrium und Märtyrerkult.



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