Kommunikation – Forschungen über Medien und Manipulationen

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Wie verständigen sich Gesellschaften mit- und untereinander? Der Austausch von Informationen bildet seit jeher die Grundlage des menschlichen Miteinanders. Die Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ präsentiert hier Forschungsergebnisse in Bildervideos, Storys und Sharepics aus den kleinen Fächern der Geisteswissenschaften im Themenfeld Kommunikation. Die Beiträge reichen von griechischen Orakeln und rätselhaften Knotenschriften der Inkas über niederländische Weltliteratur und jüdische Handschriften bis zur Entwicklung vom Buchdruck bis zum E-Book heute.

  • Von der ersten Schrift bis zu Fake News – Mehr zum Themenfeld Kommunikation

    Kommunikation – Medien und Manipulationen

    Der Austausch von Informationen bildet seit jeher die Grundlage des menschlichen Miteinanders. Neben die mündliche Kommunikation trat Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. im Vorderen Orient die Schrift als neue Vermittlerin hinzu. Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert revolutionierte die Kommunikation ein weiteres Mal, da Informationen nun gleichzeitig einem weit größeren Publikum zugänglich wurden. Seit dem 20. Jahrhundert haben der Computer und das Smartphone den Austausch tiefgreifend verändert.

    Kommunikation beruht nicht nur auf dem Inhalt eines Textes. Der Kontext ist ebenso wichtig wie die Form und das Medium. Hinzukommen kann auch eine Symbolik, die durch ein komplexes System von Gesten, Zeichen und Signalen ausgedrückt wird. Das akademische Interesse an Kommunikation liegt auf dem Verstehen und Nachvollziehen der Verständigung in und zwischen Gesellschaften. Zum einen entstehen, oft in dramatischer Geschwindigkeit, neue Medien. Die explosionsartige Entwicklung erfasst alle Bereiche und Formen des Austausches. Zum anderen geht es darum, die Mechanismen der Kommunikation zu erkennen und ihren Einsatz in politischen und gesellschaftlichen Diskursen zu untersuchen. Bewusste Erzeugung von Parallel- und Scheindiskursen, die verkürzte und verfälschte Nachrichten bieten, sind zum Instrument politischer Herrschaft geworden (fake news).

    Aus den vielfältigen Aspekten, die damit verbunden sind, werden in der Ausstellung zwei Schwerpunkte herausgegriffen: zum einen die Mittel und Wege der Kommunikation, zum anderen die Adressaten und Botschaften.

    Damit eine Botschaft jemanden erreicht, muss sie verständlich sein. Texte müssen übersetzt werden oder in einer Sprache vorliegen, die alle verstehen: heute ist es vor allem Englisch. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit allgemein verständlichen Bildern zu arbeiten, die auch ohne Worte die gewünschten Informationen transportieren. Nicht nur mit den Lebenden kann man sich auf vielfältige Weisen austauschen, sondern auch mit Jenseitigen und Überirdischen. So wendet man sich seit der Antike an Götter und fragt um Rat. Zahllose Votive und Bittzettel in Wallfahrtsorten belegen die noch heute beliebte Praxis.

    Beitrag aus dem Katalog zur Ausstellung "Kleine Fächer - Große Potenziale"

Von der Handschrift zum E-Book

Aus Gold mach Schwarz-Weiß – jüdische Medien im Wandel: Die Qualität und Ästhetik von Büchern hat sich über Jahrhunderte stark verändert, weil ihre Produktion immer wieder rationalisiert wurde. Der Wandel geht mit den Aufkommen von E-Books weiter, wie die Jüdischen Studien zeigen.

Mit den Göttern kommunizieren

Entscheiden fällt schwer: Menschen der Antike fragten das Orakel, um Antwort von den Göttern auf Fragen wie über Krieg oder Frieden zu bekommen. Dafür wurden die Fragen auf kleine Bleitäfelchen geschrieben, wie das Fach Alte Geschichte zeigt.

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Ungelöste Knoten

Die Inka kommunizierten mit Knotenschnüren, so genannten Khipus, die sie für die Kommunikation in Wirtschaft und Verwaltung nutzten. Eines der wenigen erhaltenen Exemplare zeigt die Außereuropäische Geschichte. Nach der spanischen Eroberung des Inkareiches wurden viele Khipu zerstört und das Wissen um ihre Lesbarkeit ging weitgehend verloren. Anhand der weltweit noch erhaltenen etwa 800 Knotenschnüre arbeitet die Forschung daran, die Texte, die mit Knoten geschrieben sind, zu entschlüsseln.

© Universitäts- und Landesbibliothek Münster

Literatur von Weltrang

Die literarischen und sprachlichen Verbindungen zwischen Deutschland und den Niederlanden sind vielfältig, wie das Fach Niederlandistik zeigt. Das Tierepos von Reineke Fuchs aus dem 14. Jh. in der Dyckschen Handschrift etwa gilt als wichtiger Beitrag der Niederlande zur Weltliteratur und hat schon Goethe inspiriert.

© Lianna Hecht, Archäologisches Museum WWU

„Business-Sprache“ der Antike

So wie Menschen heute im Ausland häufig zu Englisch als Verkehrssprache greifen, nutzte man in der Antike die Sprache Aramäisch. Die Altorientalistik zeigt, warum die Sprache so gut geeignet war, um sich zwischen den assyrischen, babylonischen und persischen Großreichen zu verständigen.