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„Kleine Fächer – Große Potenziale“

Eine Website-Ausstellung zu den Kleinen Fächern der Geisteswissenschaften

Ein Film zu Ausstellung

Judaistik oder Islamwissenschaft, Sinologie oder Ägyptologie: Kleine Fächer aus den Geisteswissenschaften sind vielen unbekannt. Welche erstaunlichen Forschungsergebnisse aus aller Welt sie liefern, auch im Exzellenzcluster „Religion und Politik“, zeigt die  Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Sie war von Januar bis März 2020 im Archäologischen Museum der WWU zu sehen. Zur Dauerausstellung ist sie auf der Website www.religion-und-politik.de des Exzellenzclusters geworden: Bildervideos, Storys und Sharepics vermitteln vielfältige Forschungsergebnisse, die von der Antike bis heute und von China bis in die USA reichen.

Trailer und Testimonials mit Professorinnen und Professoren sowie Studierenden geben lebendig Einblick in das Leben und Arbeiten in Kleinen Fächern. In drei Themenfeldern – Migration, Nachhaltigkeit und Kommunikation – veranschaulicht die Ausstellung, wie viel historisch-kulturwissenschaftliches Wissen Kleine Fächer der Geisteswissenschaften zum Verständnis heutiger Gesellschaften und ihrer globalen Herausforderungen beizutragen haben. Unterstützer der Ausstellung sind die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) das Rektorat der WWU sowie die Fachbereiche 8 und 9 der WWU. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Religion und Politik“, an dem die Kleinen Fächer eine große Rolle spielen, mit dem Zentrum für Wissenschaftskommunikation.

  • Was sind kleine Fächer? - Interview zur Ausstellung

    Die Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser und der Archäologe und Museumsleiter Prof. Dr. Achim Lichtenberger
    © wwu

    Die Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser und der Archäologe und Museumsleiter Prof. Dr. Achim Lichtenberger berichten über das Ausstellungsprojekt „Kleine Fächer – Große Potentiale“.

    Was definiert ein „Kleines Fach“?

    Dies ist die Bezeichnung für Fächer, die an einer Hochschule mit höchstens drei Professuren, meist jedoch nur einer, vertreten sind.

    Was sind „Kleine Fächer“?

    Die WWU ist nicht nur eine der größten Universitäten Deutschlands, sondern auch eine der facettenreichsten. Insgesamt wird in über 40 „Kleinen Fächern“ – darunter über 20 geisteswissenschaftlichen, die hier im Fokus stehen, erfolgreich unterrichtet und geforscht. Zu nennen sind zum Beispiel Altertumswissenschaften wie die Archäologien, die sich mit Europa, Ägypten und dem Vorderen Orient beschäftigen, aber auch Jüdische Studien, Islamwissenschaften, Sinologie und Skandinavistik. Sie alle analysieren die Bedeutung der Gesellschaften und deren Verhalten in unterschiedlichsten Situationen in verschiedenen Regionen und Zeiten. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie international stark vernetzt sind und hochrangige Forschung betreiben.

    Warum sind „Kleinen Fächer“ wichtig für die Gegenwart?

    In der heutigen globalen Welt leben wir in Gesellschaften, die sich schnell und ständig wandeln. Diese Dynamik ist eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Bewaffnete Konflikte, Menschenrechtsverletzungen, Ungleichheit, Klimakrise, Umweltverschmutzung und Populismus sind nur einige der drängenden gesellschaftlichen Probleme, vor denen wir stehen. Und hier kommen die „Kleinen Fächer“ ins Spiel. Mit ihren wissenschaftlichen Ergebnissen bringen sie sich in gesellschaftliche Diskussionen ein und können historisch-kulturwissenschaftlich einerseits anhand von Vergleichen, andererseits anhand von Hintergrundwissen zum Verständnis der großen gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen und Lösungen anbieten. Sie dienen dem wissenschaftsbasierten Erkenntnisgewinn und können diesen auch in öffentliche Diskurse einbringen.

    Wie kam es zu der Ausstellung der „Kleinen Fächer“?

    Um die „Kleinen Fächer“ in den Vordergrund zu holen, entwarf die Deutschen Hochschulrektorenkonferenz in Bonn ein Förderprogramm, in dem sich die Universitäten um eine Unterstützung bewerben konnten. Gefragt waren innovative Konzepte, die diese Fächer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit stellen und junge Menschen für ihr Studium interessieren soll. Die „Kleinen Fächer“ der Geisteswissenschaften der WWU bewarben sich und erhielten einen Zuschlag – als einzige Universität in Nordrhein-Westfalen!

    Die Ausstellung ist nicht nur im Museum an der WWU Münster zu sehen?

    Ja, die Ausstellung „Kleine Fächer“ war nicht nur im Archäologischen Museum der WWU zu sehen, sondern gleich auch auf Twitter und Instagram – inzwischen ist sie zur digitalen Dauerausstellung geworden. Die Exponate über Forschung und Lehre der Kleinen Fächer sollten dort auffindbar sein, wo Schüler und Studierende viel unterwegs sind. Die Bildervideos, Storys und Sharepics vermitteln vielfältige Forschungsergebnisse, die von der Antike bis heute und von China bis in die USA reichen. Trailer und Testimonials mit Professorinnen und Professoren sowie Studierenden geben lebendig Einblick in das Leben und Arbeiten in Kleinen Fächern. In drei Themenfeldern – Migration, Nachhaltigkeit und Kommunikation – veranschaulicht die Ausstellung, wie viel historisch-kulturwissenschaftliches Wissen Kleine Fächer der Geisteswissenschaften zum Verständnis heutiger Gesellschaften und ihrer globalen Herausforderungen beizutragen haben. Unterstützer der Ausstellung sind die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) das Rektorat der WWU sowie die Fachbereiche 8 und 9 der WWU. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Religion und Politik“, an dem die Kleinen Fächer eine große Rolle spielen, mit dem Zentrum für Wissenschaftskommunikation.

    Was ist in der Ausstellung genau zu sehen?

    Wir mochten nicht Altbekanntes präsentieren, sondern den direkten Bezug der Lehre und Forschung zur gegenwärtigen Gesellschaft zeigen: Kleine Fächer am Puls der Zeit! Deswegen haben wir die drei genannten Themen gewählt, die zurzeit eine große gesellschaftliche Relevanz haben und uns alle betreffen:

    Migration – Jederzeit und überall: Wanderungen von einzelnen Personen oder Personengruppen in andere Regionen ist ein Phänomen, das seit Anbeginn der Menschheit zu beobachten ist und sich durch alle Jahrtausende zieht. Neben besseren Siedlungs- und Erwerbsmöglichkeiten wird Immigration durch klimatische Veränderungen, Naturkatastrophen oder politisch-gesellschaftliche Entwicklungen ausgelöst. Wir fragen anhand von Bespielen nach Wahrnehmungen und Veränderungen.

    Kommunikation – mit und ohne Worte: Der Austausch von mündlichen und schriftlichen Informationen bildet seit jeher die Grundlage des menschlichen Miteinander. Gerade im heutigen Computerzeitalter mit E-Mail und Smartphone verändert sich der Informationsaustausch tiefgreifend. Wir fragen nach Adressaten und Botschaften sowie nach Mitteln und Wege der Kommunikation.

    Nachhaltigkeit – Everyday for future: Der Grundsatz, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als künftig wieder bereitgestellt werden kann, also nachwachsen bzw. sich regenerieren kann, ist uralt. Mit dem entstehenden Bewusstsein für die Umwelt und der rasant wachsenden Weltbevölkerung ist bis heute aktuell. In der Ausstellung werden zwei Blickwinkeln gezeigt: Die Nachhaltigkeit aus Mangel (Wiederverwendung von Dingen), und die Nachhaltigkeit als bewusste Gestaltung von Zukunft (Ressourcenschonung bzw. Ressourcenaufbau).

  • © wwu

    Die Bedeutung der kleinen Fächer - Bericht zur Ausstellung

    Die Unizeitung wissen|leben hat kurz vor Beginn der Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potentiale“ über das Projekt berichtet (Ausgabe Nr. 8, 18. Dezember 2019).

    Kleine Menschen können bekanntlich große Schatten werfen. Ähnliches gilt für die sogenannten Kleinen Fächer, die in der Öffentlichkeit nur selten eine Hauptrolle spielen. „Dabei bringen gerade die geisteswissenschaftlichen Disziplinen historische und kulturgeschichtliche Tiefenschärfe in aktuelle Fragestellungen“, betont Achim Lichtenberger, Professor für klassische Archäologie und Direktor des Archäologischen Museums der WWU. Die Kenntnis alter Kulturen beispielsweise helfe dabei, die Gegenwart besser zu verstehen. Für die Weitergabe von jahrtausendealtem Wissen seien gerade Fachrichtungen wie Ägyptologie, Kulturanthropologie, Judaistik, Islamwissenschaft und Sinologie unverzichtbar. Gemäß der offiziellen Definition handelt es sich bei ihnen um Kleine Fächer, weil sie an nur wenigen Standorten von maximal drei Professorinnen und Professoren unterrichtet werden – was natürlich wenig über ihre Bedeutung aussagt.

    Eine Ausstellung im gerade wiedereröffneten Archäologischen Museum soll das ändern. Unter dem Titel „WeltWeit.Unverzichtbar“ werden sich knapp 20 Fächer der Universität Münster im Rahmen der „Kleine-Fächer-Wochen“ mit ihren Eigenheiten, Gemeinsamkeiten und Leistungen präsentieren. Möglich macht dies eine Förderung der Hochschulrektorenkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Höhe von 50.000 Euro. Sie soll helfen, Kleine Fächer gezielt ins Rampenlicht zu rücken, wobei deutschlandweit insgesamt 17 Projekte unterstützt werden.

    „Das Museum bietet uns eigene Möglichkeiten des Wissenstransfers, weil wir vieles anhand von Objekten und in Interaktion mit den Besuchern erklären können“, betont Achim Lichtenberger. Wie aber die Vielfalt der Kleinen Fächer gemeinsam abbilden? Drei Schwerpunkte sollen den großen Bogen spannen: Es wird um Migration, um Nachhaltigkeit und um Kommunikation gehen – mit teils überraschenden Exponaten.

    Was macht das Wurstebrot im Museum? „Wer in Münster lebt, muss das kennen“, sagt Dr. Helge Nieswandt, Kustos des Archäologischen Museums, über diese herzhafte Mischung aus Blut, Fleisch und Roggenschrot, die in Scheiben gebraten auf den Tisch kommt. Als westfälische Spezialität mit langer regionaler Tradition enthält das Wurstebrot auch eine unerwartet exotische Zutat, wie WWU-Kulturanthropologen gezeigt haben: Kumin oder Kreuzkümmel, heimisch im Mittelmeerraum und in Asien.

    In der Ausstellung verkörpert das Wurstebrot deshalb ein positives Beispiel einer speziellen Variante von Migration. Wie zeitlos und weltumspannend das Thema Nachhaltigkeit ist, soll unter anderem eine Recycling-App aus China und eine nachgebaute Müllstation zeigen, die Abfälle den jeweils passenden Tonnen zuordnet. Im Bereich der Kommunikation wiederum wird es etwa um „Fake News“ gehen, wenn antike Herrscher dank Abbildungen und Inschriften auf Münzen maßgeschneiderte Mythen in die Welt setzten.

    Identitätsbildung per Zahlungsmittel ist übrigens immer noch in Mode. So tragen Euro-Scheine Motive wie Brücken und Tore, auf dass die Völker Europas zueinander finden. „Wir wollen den Beweis antreten, welcher Wert, welche Vielfalt und welche gesellschaftliche Relevanz in den Kleinen Fächern stecken“, sagt Prof. Dr. Angelika Lohwasser vom Institut für Ägyptologie und Koptologie. Sie initiierte mit Achim Lichtenberger den Förderantrag.

    Die wichtigsten Zielgruppen der Ausstellung, die ab 10. Januar zu sehen sein wird, seien Schüler der Oberstufe sowie Abiturienten ohne konkrete Studienpläne, so Angelika Lohwasser. Dieses junge Publikum soll aber auch angesprochen werden, wo es ohnehin zu finden ist – in den sozialen Medien. Bildervideos, Fragespiele, Instagram-Storys sowie Trailer und Testimonials werden Exponate und Forschende in unterschiedlichen Formaten präsentieren.

    „Wir erweitern die analoge Ausstellung digital in unseren neuen Kanälen auf Twitter und Instagram “, berichtet Viola van Melis, Leiterin der Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, in dem die Kleinen Fächer eine große Rolle spielen. Die Kampagne liefere gleichzeitig den Auftakt für ein langfristiges Projekt: „Der Exzellenzcluster wird seinen langjährigen Forschungstransfer um solche Social-Media-Aktivitäten erweitern und noch mehr Menschen direkt erreichen“, fügt sie hinzu. „Schließlich haben die Geisteswissenschaften grundsätzlich und speziell in ihren Social-Media-Aktivitäten Nachholbedarf, wenn es um Wissenschaftskommunikation geht. Auch da wollen wir zeigen, dass es anders geht.“ (WWU - Susanne Wedlich)

Migration – Forschungen über Wanderungen in fremde Welten

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Was lösen Fremde in unserer Lebenswelt aus, was verändert sich? Und was passiert mit uns, wenn wir in der Fremde sind? Die Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ präsentiert hier Forschungsergebnisse aus den kleinen Fächern der Geisteswissenschaften im Themenfeld „Migration“. Die Beiträge reichen vom zurückgelassenen Gewandschmuck der Kelten, an dem sich Migrationsbewegungen nachvollziehen lassen, über ein Kreuz aus Papua-Neuguinea und seine Geschichte in der christlichen Mission bis zu „Migration food“ – den Döner und seinen Weg nach Deutschland oder das mediterrane Gewürz Kumin und seinen Weg in das westfälische Wurstebrot.

Kommunikation – Forschungen über Medien und Manipulationen

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Wie verständigen sich Gesellschaften mit- und untereinander? Der Austausch von Informationen bildet seit jeher die Grundlage des menschlichen Miteinanders. Die Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ präsentiert hier Forschungsergebnisse in Bildervideos, Storys und Sharepics aus den kleinen Fächern der Geisteswissenschaften im Themenfeld Kommunikation. Die Beiträge reichen von griechischen Orakeln und rätselhaften Knotenschriften der Inkas über niederländische Weltliteratur und jüdische Handschriften bis zur Entwicklung vom Buchdruck bis zum E-Book heute.

Nachhaltigkeit – Forschungen über Konsum und Krisen

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Der Grundsatz ist uralt: Es darf nicht mehr verbraucht werden, als künftig nachwachsen oder sich regenerieren kann. Schriftlich formuliert wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit zum ersten Mal im 18. Jahrhundert, im Zusammenhang mit der Aufforstung von Wäldern in Europa. Der Umgang mit der Umwelt ist eine der großen gegenwärtigen Herausforderungen. Die Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ stellt im Themenfeld Nachhaltigkeit Forschungen aus den kleinen Fächern der Geisteswissenschaften vor - vom Prinzip der Kreislaufwirtschaft in vormodernen Gesellschaften bis zu digitalen Methoden der Mülltrennung im heutigen China.

Kleine Fächer im Film – Forschende und Studierende berichten aus Forschung und Studium

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Judaistik oder Islamwissenschaft, Sinologie oder Ägyptologie: Kleine Fächer aus den Geisteswissenschaften sind vielen unbekannt. Hier berichten Professorinnen und Professoren ebenso wie Studierende im Film über ihre persönlichen Erfahrungen in Forschung und Lehre – von der Altorientalisitk und Alten Geschichte bis zur Religionswissenschaft und Islamischen Theologie. Die Trailer und Testimonials sind in Bibliotheken und Archiven, an Schreibtischen und auf Grabungsstätten entstanden. Sie sind Teil der Ausstellung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ der WWU.