Migration - Ausstellung "Kleine Fächer - große Potenziale"

  • Migration – Menschen und Ideen

    Betrachtet man die Geschichte in ihrer Gesamtheit, so gehört Migration zu den Charakteristika menschlicher Gesellschaften. Allerdings steht der Vorstellung von mobilen Bevölkerungsgruppen, wandernden Ideen und Technologien häufig das Konzept des festen Territoriums einer Gesellschaft gegenüber. Oft genug sind aber Stabilität und Leistungsfähigkeit stark von Einflüssen und Aufnahmen neuer Techniken, Ideen und Menschen von außen abhängig. Die Gründe für Migration sind vielfältig und die zurückgelegten Entfernungen unterschiedlich weit. Oft sind bessere Siedlungs- und Erwerbsmöglichkeiten die Anlässe, ausgelöst durch klimatische Veränderungen, Naturkatastrophen oder politisch-gesellschaftliche Entwicklungen. Migration ist dabei für die Emigrantinnen und Emigranten nicht ein Problem, sondern die Problemlösung. Die aufnehmenden Gesellschaften sehen das allerdings oft mit Skepsis, obwohl mit der Zuwanderung für sie oft erhebliche Innovationen verbunden sind.

    Gefragt wird in der Ausstellung nach Wahrnehmungen und Veränderungen auf beiden Seiten: Was lösen Fremde in unserer Lebenswelt aus, was verändert sich? Und was passiert mit uns, wenn wir in der Fremde sind?

    Wenn man migriert, nimmt man seine Sitten, Gebräuche und Vorstellungen mit in die neue Heimat. Besonders gut sichtbar ist das bei Nahrung. Das revolutionärste Nahrungsmittel, das aufgrund von Migration wanderte, war das Getreide. Im Neolithikum kam es mit den Menschen aus dem Orient nach Europa und löste auch hier die sogenannte „Neolithische Revolution“ aus: den Schritt vom Jäger und Sammler zum Bauern und Viehzüchter. Erst durch diese Sesshaftigkeit konnten sich unsere komplexen Gesellschaften bilden.

    Neben Not spielt auch Neugierde eine Rolle. So standen ferne Welten immer im Interesse der Menschen. Schon aus dem Altertum gibt es Reiseberichte, seit dem 16. Jahrhundert die gedruckte Reiseanleitung. Auch wir lesen heute noch, welche Gebräuche es in fremden Kulturen gibt. Lebt man länger in einem anderen Land, verschmelzen eigene Vorlieben und Vorstellungen mit den dort vorhandenen: Wir assimilieren uns.

    Beitrag aus dem Katalog zur Ausstellung "Kleine Fächer - Große Potenziale"