Sachunterricht

Entwicklung der Planungskompetenz von Sachunterrichtsstudierenden durch reflektierte Praxiserfahrungen im Lehr-Lern-Labor

Im Umgang mit Heterogenität in der Schulklasse ist eine Anpassung des Unterrichts an die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler unumgänglich. Die Heterogenität einer Schülergruppe kann sich z.B. in Bezug auf ihre Präkonzepte zeigen, die die Grundlage des Lernens bilden. Präkonzepte sind häufig wissenschaftlich nicht adäquat und müssen durch geeignete Lernsituationen in Richtung wissenschaftlich adäquaterer Konzepte weiterentwickelt werden (Schönknecht & Maier, 2012). Um bei der Unterrichtsplanung eine optimale Passung zwischen dem Lernstand der Schülerinnen und Schüler und dem Sachinhalt vorzunehmen, sodass die Lerngelegenheit durch möglichst alle Schülerinnen und Schüler genutzt werden kann, benötigt die Lehrkraft adaptive Planungskompetenz (Beck et al., 2008). Diese stellt eine wichtige Komponente der professionellen Kompetenz einer Lehrkraft dar (Beck et al., 2008; Voss et al., 2015). Für den Erwerb von Planungskompetenz ist die praktische Durchführung einer Planung und die anschließende theoriebasierte Reflexion des durchgeführten Unterrichts ein wesentlicher Schritt (Kiper & Mischke, 2009).

Daher wurde im Projekt eine Lehrveranstaltung für Sachunterrichtsstudierende im Masterstudiengang mit der Absicht konzipiert, eben diesen Anforderungen zu entsprechen. Im Rahmen eines Seminars mit vier Semesterwochenstunden werden zunächst theoretische Grundlagen zum Umgang mit Präkonzepten erarbeitet. Im Anschluss planen die Studierenden auf der Basis von Diagnosedaten konkreter Schülerinnen und Schüler in Dreiergruppen eine Unterrichtsstunde zum Thema Statik. Dabei steht die Berücksichtigung verschiedener Präkonzepte im Fokus. Die Planung erproben die Studierenden zweimal im Lehr-Lern-Labor mit jeweils einer Halbklasse von Schülerinnen und Schülern. Nach einer videobasierten, theoriegeleiteten Reflexion mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen bzw. einer Lehrperson über das Gelingen des Unterrichts erfolgt nach jeder Erprobung eine Optimierung der Planung.

Im angeschlossenen Promotionsprojekt wird evaluiert, ob sich die Einbeziehung eines Lehr-Lern-Labors in diese Seminarveranstaltung als eine wirksame Form der Praxiserfahrung bewährt. Dazu erfolgt ein Vergleich mit einer Kontrollgruppe, in der die Studierenden ihre Unterrichtsplanungen nicht im Lehr-Lern-Labor erproben, sondern stattdessen mündlich präsentieren und von ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen bzw. einer Lehrperson ein Feedback erhalten. In einem Prä-Post-Test-Design werden die Planungskompetenz der Studierenden, ihre Selbstwirksamkeitserwartung hinsichtlich der Berücksichtigung heterogener Schülervorstellungen bei der Planung, Durchführung und Reflexion von Sachunterricht sowie diverse Kontrollvariablen erfasst. Die Erhebung der Planungskompetenz erfolgt über ein Instrument mit offenen Aufgaben, das mit Hilfe eines Kategoriensystems ausgewertet wird. Die Selbstwirksamkeitserwartung sowie die Kontrollvariablen werden über Fragebögen erfasst.

Literatur

Beck, E., Baer, M., Guldimann, T., Bischoff, S., Brühwiler, C., Müller, P. et al. (Hrsg.) (2008). Adaptive Lehrkompetenz. Analyse und Struktur, Veränderbarkeit und Wirkung handlungssteuernden Lehrerwissens. Münster, München, Berlin: Waxmann

Kiper, H. & Mischke, W. (2009). Unterrichtsplanung. Beltz.

Schönknecht, G. & Maier, P. (2012). Diagnose und Förderung im Sachunterricht. Handreichungen des Programms SINUS an Grundschulen. IPN, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel.

Voss, T., Kunina-Habenicht, O., Hoehne, V. & Kunter, M. (2015). Stichwort Pädagogisches Wissen von Lehrkräften. Empirische Zugänge und Befunde. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 18(2), 187-223.