Aktivitäten im Teilprojekt "Lehr-Lern-Labore"

Zweite Förderphase

In der zweiten Förderphase soll das bestehende Teilprojekt zur Förderung professioneller Kompetenzen (Scharfenberg & Bogner, 2016; Steffensky & Parchmann, 2007) um den Schwerpunkt des digitalen Lernens inhaltlich vertieft und es soll ein neues Lehr-Lern-Labor in dem bislang nicht aus der Münsteraner QLB geförderten Fach Musik eingerichtet werden.

Entwicklung von Lehr-Lern-Labor-Seminaren mit dem Schwerpunkt digitale Medien

Über die gesamte Laufzeit der zweiten Förderphase werden Einzelprojekte geplant, die digitale Medien zur Individualisierung des Lernens für die inhaltliche Weiterentwicklung des Umgangs mit Heterogenität in bestehenden Lehr-Lern-Laboren integrieren. Speziell wird in den Lehr-Lern-Laboren der Einsatz digitaler Medien durch die Lernenden erprobt und es werden Praxiserfahrungen von Lehramtsstudierenden mit digitalen Medien im Lehr-Lern-Labor reflektiert, auch unter Einsatz von Videos, die – als zum Teil bereits verwendeter methodischer Aspekt – nun systematisch in Kooperation mit dem Teilprojekt Videobasierte Lehrmodule entwickelt und in den Lehr-Lern-Laboren insbesondere zur theoriegeleiteten Reflexion der Praxiserfahrungen eingesetzt werden.

Kooperation und Dissemination der Ergebnisse

Inhaltlich, aber auch forschungsseitig, wird die Arbeit im TP durch eine neue Juniorprofessur zu Lehr-Lern-Laboren in der Lehramtsausbildung unterstützt, die ab 2019 durch LABG-Mittel am Zentrum für Didaktik der Biologie verstetigt wird.
Die entwickelten Lehrmodule der ersten und zweiten Förderphase sollen für eine fächerübergreifende Dissemination aufbereitet und in ein Lehr-Lern-Labor Netzwerk eingebracht werden.

Erste Förderphase

Ziel des Teilprojekts Lehr-Lern-Labore, Lernwerkstätten und Learning-Center in der ersten Förderphase war die Entwicklung neuer bzw. die Optimierung bestehender Praxisformate in Hinblick auf die Förderung der notwendigen Kompetenzen für einen potentialorientierten Umgang mit Heterogenität von Schülerinnen und Schülern. In einem ersten Schritt wurden dabei die bestehenden Praxisformate analysiert und Erkenntnisse für die (Um-)Gestaltung der Formate gesammelt.

Analyse der bestehenden Praxisformate

In allen beteiligten Fächern wurden bereits vor Projektbeginn Lehrformate mit Praxisbezug angeboten. In einer ersten Analyse hat sich das Konzept des Lehr-Lern-Labors als besonders aussichtsreich für die Lehrerbildung herausgestellt, sodass für den weiteren Projektverlauf eine Fokussierung auf derartige Formate beschlossen wurde. Gemeinsam ist diesen Formaten der direkte Kontakt der Studierenden mit Lernenden in komplexitätsreduzierten Lernsituationen. Dies hat sich für die weitere Planung ebenso wie eine möglichst hohe Authentizität der Lehrsituation und die theoriebasierte Reflexion der Praxisphasen als wesentlicher Kernpunkt für die Konzeption von Lehr-Lern-Laboren herausgestellt (vgl. Haupt et al., 2013; Krofta und Nordmeier, 2014; Dohrmann und Nordmeier, 2015).

Rahmenkonzept für Lehr-Lern-Labor-Seminare
Abbildung 1: Rahmenkonzept für Lehr-Lern-Labor-Seminare
© DwD

Entwicklung eines Rahmenkonzepts für Lehr-Lern-Labor-Seminare

Als Resultat der Analyse wurde ein dreiphasiger Aufbau der Lehrformate in Vorbereitungs-, Praxis- und Reflexionsphase für alle Lehrformate festgelegt (siehe Abbildung 1): In der Vorbereitungsphase erarbeiten die Studierenden die thematisch relevanten Theorien und planen Lernarrangements für die Praxisphase. Sie werden dabei durch Feedback ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie der Lehrenden unterstützt. In der Praxisphase erproben die Studierenden die eigenen Lernarrangements in authentischen, komplexitätsreduzierten Situationen. Dabei wird die Reduktion der Komplexität durch Anpassung organisatorischer Bedingungen (z. B. Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die betreut werden), der auszuführenden Aspekte des Lehrerhandelns (z. B. Fokus auf die Diagnose) und der angebotenen Unterstützung (z. B. Zuhilfenahme von vorgestalteten Beobachtungsbögen in der Praxisphase) erreicht. In der Reflexionsphase schließlich reflektieren die Studierenden die Lernarrangements und ihr Lehrerhandeln unter Rückbezug auf die in der Vorbereitungsphase erarbeitete Theorie.

Entwicklung eines Planungs- und Reflexionsmodells zur Komplexitätsreduktion in Lehr-Lern-Laboren

Im Laufe der Projektarbeit stellte sich heraus, dass Komplexitätsreduktion eine häufig genannte Eigenschaft von Lehr-Lern-Laboren ist (Dohrmann & Nordmeier, 2015), die allerdings meist verkürzt als Verringerung der Anforderungen interpretiert wird. Auf der Grundlage der im Projekt gemachten Erfahrungen wurde klar, dass nicht die Reduktion der Anforderungen wesentlich für den Charakter von Lehr-Lern-Labore ist, sondern vielmehr die gestellten Anforderungen und die gebotenen Unterstützungsmaßnahmen sich im Gleichgewicht befinden, sodass die Komplexität der Lernsituation dem aktuellen Leistungsniveau der Studierenden angepasst wird.
Für die Planung oder Reflexion von Lehr-Lern-Laboren in der Lehrerbildung wurde daher ein Modell entwickelt, das die unterschiedlichen Dimensionen der Anforderungen und Unterstützungsmaßnahmen abbildet (Marohn, Greefrath, Hammann, Hemmer, Kürten & Windt, 2020).

Optimierung der Formate und Konzepte neuer Lehrformate

Basierend auf dem oben beschriebenen Rahmenkonzept bieten die acht Fächer des Teilprojektes Lehr-Lern-Labor Seminare in an den jeweiligen Fachkontext angepasster Form an. Einige Fächer (Erziehungswissenschaft, Physik, Sachunterricht, Chemie) haben ihre bestehenden Lehrformate beibehalten und optimiert, während andere Fächer (Mathematik, Biologie, Geographie) auf Basis der Analyseergebnisse neue Lehrformate entwickelt haben. In einigen Fächern (Physik, Sachunterricht, Biologie) werden die Praxis- und Reflexionsphase mehrfach durchgeführt, um den Erfahrungszuwachs der Studierenden zu erhöhen.
Bei allen Lehr-Lern-Laboren steht im Sinne der Projektziele stets der potentialorientierte Umgang mit Heterogenität im Fokus. Als Teil der Komplexitätsreduktion befassen sich die einzelnen Fächer mit unterschiedlichen Dimensionen der Heterogenität, die für den jeweiligen Fachkontext bedeutsam sind (siehe Abbildung 2).

Heterogenitätsdimensionen
Abbildung 2: Heterogenitätsdimensionen im Fokus der beteiligten Fächer
© DwD

Alle Lehrformate werden begleitend mit gemeinsamen und fachspezifischen Methoden evaluiert und auf Basis der Evaluationen optimiert.

Austausch der gewonnenen Erkenntnisse

Innerhalb des Teilprojekts finden regelmäßige Treffen auf den unterschiedlichen Ebenen sowie in themenspezifisch zusammengesetzten Teilgruppen statt, die sich unter anderem mit dem Austausch gewonnener Erkenntnisse, sowie der Weiterentwicklung der Lehrformate befassen. Das Teilprojekt kooperiert darüber hinaus mit verschiedenen internen und externen Partnern zum konzeptionellen Austausch, der gemeinsamen Instrumentenentwicklung sowie der gemeinsamen Gestaltung der Seminare.
Die im Projekt entwickelten Konzepte sowie Ergebnisse der begleitenden Evaluation werden auf verschiedenen fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt und diskutiert (z. B. Kürten, Greefrath & Hammann, 2018; Rath & Marohn, 2017; Rochholz, Fricke & Windt, 2017).

Literatur

Haupt, O. J., Domjahn, J., Martin, U., Skiebe-Corrette, P., Vorst, S., Zehren, W. & Hempelmann, R. (2013). Schülerlabor – Begriffsschärfung und Kategorisierung. MNU, 66(6), 324-330.

Krofta, H. & Nordmeier, V. (2014). Bewirken Praxisseminare im Lehr-Lern-Labor Änderungen der Lehrerselbst-wirksamkeitserwartung bei Studierenden? Didaktik der Physik-Beiträge zur DPG-Frühjahrstagung.

Kürten, R., Greefrath, G. & Hammann, M. (2018). Reflektierte Praxis in Lehr-Lern-Laboren: Selbstwirksamkeitserwartung und Einstellungen in authentischen Settings fördern. Präsentiert auf dem Programm-Workshop „Praxisorientierung im Lehramtsstudium ‐ Innovationen und Befunde der Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, Freie Universität Berlin, 12.-13.04.2018.

Kürten, R., Greefrath G. & Hammann, M. (Hrsg.). (2020). Komplexitätsreduktion in Lehr-Lern-Laboren. Innovative Lehrformate in der Lehrerbildung zum Umgang mit Heterogenität und Inklusion Münster: Waxmann.

Dohrmann, R. & Nordmeier, V. (2015). Schülerlabore als Lehr-Lern-Labore (LLL): Ein Projekt zur forschungsorientierten Verknüpfung von Theorie und Praxis in der MINT-Lehrerbildung. Didaktik der Physik-Beiträge zur DPGFrühjahrstagung.

Rath, Y. & Marohn, A. (2017). Lehr-Lern-Labor C(LE)2VER Umgang mit Schülervorstellungen – Professionalisierung von Chemielehramtsstudierenden durch eigenen und fremde Videovignetten im Lehr-Lern-Labor. Vortrag auf der GFD-KOFADIS Tagung, Fachdidaktische Forschung zur Lehrerbildung, Pädagogische Hochschule Freiburg i. Br., 27.-29.09.2017.

Rochholz, A., Fricke, K. & Windt, A. (2017). Reflektierte Unterrichtserprobungen im Lehr-Lern-Labor zur Entwick-lung der Planungskompetenz im Sachunterricht. Posterpräsentation auf der 26. Jahrestagung der Sektion Schulpädagogik, Kommission Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe, Landau, 27.- 29.09.2017.

Scharfenberg, F.-J. & Bogner, F. X. (2016). A new role-change approach in pre-service teacher education for developing pedagogical content knowledge in the context of a student outreach lab. Research in Science Education, 46, 743-766.

Steffensky, M. & Parchmann, I. (2007). The project CHEMOL: Science education for children - Teacher education for students! Chemistry Education Research and Practice, 8(2), 120-129.