Chemie

Professionalisierung durch die Arbeit im Lehr-Lern-Labor und den Einsatz von Videovignetten

Ziel dieses Projektes ist die Konzeption eines Seminars, welches sich an der Heterogenitätsdimension Schülervorstellungen ausrichtet. Dieses soll Chemielehramtsstudierende durch Videovignetten (kurze Unterrichtsszenen in videografierter Form) sowie die eigene Arbeit mit Schülern im Lehr-Lern-Labor für den Umgang mit Schülervorstellungen professionalisieren.
Die Grundlage des Seminars bildet das in einem Vorgängerseminar entwickelte „Modell zu Wissenselementen und Fähigkeiten von Lehrkräften im Bereich Schülervorstellungen“ (Marohn & Rohrbach, 2013). Orientiert an den Inhaltsfeldern des Modells sollen die Studierenden fachdidaktisches Wissen und fachdidaktische Fähigkeiten im Kontext Schülervorstellungen sukzessiv aufbauen. Die Erhebung des fachdidaktischen Wissens sowie der Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden erfolgt durch einen vignettengestützten Prä-Post-Fragebogen.
Eine Besonderheit des Seminars ist die „doppelte“ Theorie-Praxis-Verknüpfung – Videos und Lehr-Lern-Labor – wodurch die Studierenden schon im forschungsbasierten Teil des Seminars an „echtem“ Unterricht arbeiten. Hinzu kommt die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen unterrichtlichen Praxis anhand der entstandenen Videos aus dem Lehr-Lern-Labor. Beide Aspekte zielen auf die Schulung der professionellen Wahrnehmung der Studierenden sowie die Veränderung ihrer Reflexions- und Handlungsfähigkeit ab. Diese Konstrukte werden ebenfalls im Prä-Post-Fragebogen erhoben und durch ein semesterbegleitendes Portfolio ergänzt. Die Weiterentwicklung und erneute Erprobung der Seminarkonzeption erfolgt in Anlehnung an den Design-Based Research-Ansatz (Barab & Squire, 2004).
Im Folgenden wird der Aufbau des Seminars kurz skizziert: Angefangen mit gängigen Beispielen für Schülervorstellungen lernen die Studierenden Ursachen und Diagnoseinstrumente kennen. Anschließend werden Ansätze für den Umgang mit Vorstellungen thematisiert und die erlernten Elemente, z. B. mit Hilfe von Videovignetten und virtuellen Lernumgebungen, angewendet und gefestigt. Das Kernelement des Seminars bildet die Einheit in unserem Lehr-Lern-Labor C(LE)2VER in der die Studierenden eigens konzipierte Unterrichtseinheiten mit Schüler*innen durchführen. Die Stunden werden videografiert und anschließend im Seminar reflektiert. Zum Abschluss der Reflexion präsentieren die Studierenden eigens ausgewählte, prägnante Situationen im Plenum und stellen diese zur Diskussion. Durch die intensive Auseinandersetzung mit ihren eigenen Videos kristallisierte sich bei den Studierenden ein weiterer Schwerpunkt heraus: Situationen, die als problematisch empfunden wurden. Anhand der entstandenen Videos sollen solche typische Stolpersteine für angehende Lehrkräfte im Kontext Schülervorstellungen identifiziert und als neuer Inhalt im Seminar integriert werden. Dies ermöglicht den Studierenden ein Handlungsrepertoire für mögliche Stolperstein-Situationen aufzubauen.

Literatur

Barab, S.S. & Squire. K.D. (2004). Design-Based Research: Putting Our Stake in the Ground. Journal of the Learning Sciences, 13(1), 1-14.

Marohn, A. & Rohrbach, F. (2016). Schülervorstellungen: Forschend verstehen und handeln lernen. In C. Maurer (Hrsg.), Authentizität und Lernen – das Fach in der Fachdidaktik. (Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik, Band 36, S. 334-336). Universität Regensburg.

Promotionsvorhaben

Yvonne Rath: „Stolpersteine im Lehrerhandeln – videobasierte Professionalisierung angehender Chemielehrkräfte im Lehr-Lern-Labor“ -laufend-

Betreuerin: Prof. Dr. Annette Marohn