Sozio-emotionale Basiskompetenzen
Kinder benötigen und entwickeln ihre sozio-emotionalen Kompetenzen, wenn ihnen altersgemäße Anforderungen gestellt werden, z.B. zu warten, bis man an der Reihe ist, seine Frustration zu regulieren, wenn ein anderes Kind beim Regelspiel gewonnen hat, etc.
Auch im Kita-Alltag entstehen vielfältige Interaktionen, in denen Kinder ihre Handlungen und Emotionen zur Befriedigung ihrer Wünsche und Anliegen mit den sozialen und sachlichen Anforderungen abstimmen müssen, die Fachkräfte, Spielkameraden und die Regeln von Spielen und Aufgaben an sie stellen. Welche Kompetenzen Kinder durch die Meisterung solcher Anforderungen entwickeln, wird im Folgenden beschrieben (Seeger & Holodynski, 2022, Kap. 7):
Kooperationsbereitschaft gegenüber Erziehungsperson
Kinder lernen sehr viel in den alltäglichen Interaktionen mit wertschätzenden Bezugspersonen. Damit sie davon möglichst viel profitieren, sollten Kinder fähig werden, auf Anregungen und Anleitungen ihrer Erziehungspersonen bereitwillig einzugehen und kleinere Pflichtaufgaben zu erfüllen, auch wenn diese unattraktiv sind; wie z. B. das bereitwillige Beteiligen am Aufräumen der Spielsachen vor dem Mittagessen in der Kita.
Prosoziales Verhalten gegenüber Gleichaltrigen
Kinder interagieren auch in Gruppen von Gleichaltrigen. Für einen wechselseitig gedeihlichen Austausch sollten Kinder ein sozialverträgliches Verhalten erwerben. Dazu gehört, dass ein Kind sich fürsorglich, rücksichtsvoll und hilfsbereit gegenüber Gleichaltrigen verhält und bemerkt, wenn es andere verletzt oder schädigt; z.B. hilft das Kind einem anderen Kind freiwillig, um einen verlorenen Gegenstand wiederzufinden.
Bewältigen von Anforderungen in Spiel- und Alltagssituationen
In der Grundschule beginnt der „Ernst des Lebens“: Kindern werden Lernaufgaben gestellt, die sie nur meistern können, wenn sie die Regeln des Lesens, Schreibens und Rechnens erlernen. Das gelingt Kindern leichter, wenn sie bereits in der Kita in Spiel- und Alltagssituationen die Bereitschaft entwickeln, sich altersgemäßen Anforderungen zu stellen und sie meistern zu wollen. Das Kind zeigt dann überdauernde Spielinteressen, findet selbständig ins Spiel und ist beim Spielen und Aufgabenlösen ausdauernd, auch wenn Schwierigkeiten auftauchen.
Reflexive Regulation der eigenen Emotionen
Das Kind kann über seine eigenen Emotionen und die der anderen sprechen und sein Verhalten und seine Emotionen in (leichteren) Problemsituationen in reflexiver, willentlicher Weise regulieren. Es kann aktuell nicht erfüllbare Wünsche aufschieben, unangemessene Handlungsimpulse hemmen und sein Handeln an vereinbarten Regeln ausrichten; z. B. kann das Kind akzeptieren, wenn sein Wunsch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt wird.
In vielen wissenschaftlichen Längsschnittstudien ist festgestellt worden, dass der Erwerb der genannten Kompetenzen zum Auskommen mit Bezugspersonen und Gleichaltrigen sowie zu einem erfolgreichen Start in die Schullaufbahn beiträgt (Dubowy & Hasselhorn, 2024).
Darüber hinaus lassen sich noch zwei ergänzende Facetten an sozio-emotionalen Kompetenz nennen, die sich im Kita-Alltag gut beobachten lassen:
Abwesenheit von Problemverhalten gegenüber Gleichaltrigen
Kleinkinder beginnen zu weinen oder reagieren aggressiv, wenn sie ihre Wünsche nicht gleich erfüllt bekommen oder ihnen ein Missgeschick passiert. Solche Reaktionen sollten sie im Laufe des Vorschulalters ablegen und kein aggressives Verhalten als Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen mehr nutzen. Es beginnt die Wünsche und Interessen anderer Kinder zu berücksichtigen und es kommt seltener zum Streit mit anderen Kindern.
Integration in die Gruppe
Das Kind ist in seine Kita-Kindergruppe integriert. Das zeigt sich daran, dass es in seiner Gruppe Spielpartner hat und es als Spielpartner akzeptiert ist. Die Erziehungsperson muss nur selten vermittelnd eingreifen, um einen Konflikt zu schlichten.

