Marc Schutzeichel

Promovierender im Promotionskolleg Empirische und Angewandte Sprachwissenschaft vom SoSe 2011 bis WiSe 2013

Dissertation

Indogermanische Funktionsverbgefüge

Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, in welchem Umfang Funktionsverb- und Nominalisierungsverbgefüge für die indogermanische Grundsprache rekonstruiert werden können. Als univerbierte Gefüge liegen entsprechende Formen oft lexikalisiert vor und sind teilweise an freie Syntagmen anzuschließen (lateinisch crēdere, sanskrit śrad dhā). Der Terminus des Funktionsverbsgefüges soll zunächst definitorisch eingegrenzt werden, schließlich erfolgt eine Korpusanalyse entscheidender Texte alter und aussagekräftiger indogermanischer Sprachen, nämlich für das Altgriechische der homerischen Epen, für das vedische Sanskrit des Rigveda, und weitere Texte. Die herangezogenen Texte sollen mit Hilfe eines eigens entwickelten Computerprogramms vor dem Hintergrund der Grammatikalisierungstheorie auf kognate Fortsetzer desemantifizierter Verbalwurzeln überprüft und die Ergebnisse mit Fragestellungen der Phraseologieforschung in Verbindung gebracht werden.
Funktionsverbgefüge kommen in vielen Sprachen vor (etwa deutsch: In Erfahrung bringen oder unter Aufsicht stehen) und schließen als flexible analytische Ausdrücke lexikalische und grammatische Lücken. Letztere fällen besonders in den Bereich von Aktionsart und Diathese.
Zusätzlich eröffnen lexikalisierte Funktionsverbgefüge einen Einblick in Kulturbegriffe (z.B. keltisch *bardos oder griechisch mythos) sowie deren Benennungsmotive.