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Transatlantische Perspektiven in der Lehre

Dr. Lauren Brooks unterrichtet im Rahmen einer DAAD-Gastdozentur am Germanistischen Institut
Lauren Brooks vor dem Schloss Münster
© Lauren Brooks

Seit dem 1. April hat die Germanistin Dr. Lauren Brooks von der North Carolina State University (USA) eine Gastdozentur im Bereich der Neueren deutschen Literatur am Germanistischen Institut inne, gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Zuvor war Lauren Brooks bereits als Fulbright-Stipendiatin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai Sina. Im aktuellen Sommersemester ergänzt sie das Lehrangebot mit spannenden literaturwissenschaftlichen Fragestellungen zu Franz Kafka, zum Rassismus-Diskurs in Deutschland sowie zur Moderne in der Weimarer Republik. Im Interview mit Albina Haas spricht Lauren Brooks über ihren Aufenthalt an der Universität Münster.

Sind Sie gut in Münster angekommen?

Ja, ich bin gut in Münster angekommen. Zum Glück kenne ich mich bereits in der Stadt aus und fühle mich sehr wohl hier. Das Germanistische Institut liegt zentral und ich fahre sehr gern mit dem Fahrrad in der Stadt.

Wie war Ihr Weg zur Gastprofessur in Münster?

Ich hatte bereits während meiner Lehrtätigkeit an der NCSU mit dem Gedanken gespielt, ein Forschungssemester in Deutschland zu verbringen. Insbesondere in Verbindung mit Schwerpunkten in meiner Forschung wie der deutschen Kolonialgeschichte oder der schwarzen deutschen Diaspora fiel mein Interesse auf die Universität Münster. So wurde ich 2022 auch auf die Veranstaltungsreihe Black German Studies unter der Leitung von Prof. Mark Stein (Englisches Seminar) und Prof. Kai Sina (Germanistisches Institut) aufmerksam. Durch den Kontakt zu dem Projektverantwortlichen Prof. Kai Sina begann ich zunächst als Fulbright-Stipendiatin den Forschungsaufenthalt in Münster. Nun bin ich sehr erfreut, unterstützt durch die Förderprogramme des DAAD meine Forschung in die Lehre einbringen zu können und neue Inspirationen und Impulse – zunächst in den kommenden zwei Semestern – transferieren zu können.

Welche Forschungsschwerpunkte verfolgen Sie aktuell?

Mein Promotionsprojekt beschäftigte sich mit Kafka und Humor. Dennoch haben mich die Queer-Perspektive und die Positionen der Marginalisierung in der Literatur immer wieder fasziniert und auf diese möchte ich in meiner Forschung weiter fokussieren und den Studierenden den Anschluss zu diesen Themen bieten. 

Mit welchen Themen in der Literatur möchten Sie sich insbesondere mit Studierenden in Münster beschäftigen?

Ich möchte Studierende vor allem mit Themen vertraut machen, die im Schulkontext oft zu kurz kommen, etwa Kolonialgeschichte, schwarze deutsche Literatur oder intersektionale Perspektiven. Viele Studierende im Seminar berichten, dass sie diesen Inhalten bisher kaum begegnet sind, obwohl sie gesellschaftlich hochaktuell sind. 

Auch die klassischen Epochen, wie die Weimarer Republik, sind für mich wichtig, da sie zentral für das Verständnis historischer Entwicklungen, wie den Faschismus, sind. In meinen Seminaren verbinde ich literarische Texte mit historischen, soziologischen und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen, um ein breiteres Verständnis zu fördern. 

Auch Formate wie "Kafka in popular culture" zeigen, wie man Literatur neu und kreativ erschließen kann. Generell ist es mir ein Anliegen, Studierende zur eigenständigen Interpretation zu ermutigen und ihnen die nötigen methodischen Werkzeuge zu vermitteln. 

Was war für Sie bisher an der Universität besonders herausfordernd?

Herausfordernd war für mich vor allem der Einstieg, weil ich anfangs nicht genau wusste, was mich erwartet. Diese Unsicherheit hat sich aber sehr schnell gelegt, sobald ich im Seminar gemerkt habe, dass mir die Lehre liegt und ich die Studierenden gut erreichen kann. Anspruchsvoll ist eher die Umstellung auf das deutsche akademische System, das sich in einigen Punkten deutlich von dem in den USA unterscheidet, zum Beispiel bei Prüfungsformaten und Leistungsanforderungen. Gleichzeitig eröffnet mir das aber auch mehr Freiheit, die Lehre kreativer und praxisnäher zu gestalten. Ich setze stark auf interaktive Methoden, damit die Studierenden aktiv mitarbeiten und Inhalte besser verinnerlichen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, sie an diese Offenheit heranzuführen, da viele zunächst klare Vorgaben erwarten. Mein Ziel ist es, ihnen nicht nur fachliche Inhalte zu vermitteln, sondern auch Ideen und Ansätze, die sie später – etwa im Schulkontext – selbst weiter nutzen können. Insgesamt sehe ich diese Herausforderungen aber auch als Chance, neue Impulse in die Lehre einzubringen.

Wie blicken Sie auf das kommende Semester?

Ich blicke sehr positiv auf das kommende Semester und habe viele Ideen für neue Lehrformate. Geplant sind u. a. Seminare zu transatlantischen Themen, etwa zu afroamerikanischen Perspektiven auf Goethe oder erneut zu "Black Germany". Mir ist dabei wichtig, auch klassische Autoren neu und aus ungewohnten Blickwinkeln zu vermitteln. Neben der Lehre überlege ich, ob es möglich wäre, eine Filmreihe zu Fritz Langs "M" und der Neuauflage von David Schalko in Kooperation mit den lokalen Kinos zu organisieren. Ich habe auch Ideen für kleinere Projekte mit internationalen Bezügen. Ich könnte mir zum Beispiel gut eine Veranstaltung mit dem Thema "Teaching in the USA" für Studierende, die im Ausland lehren wollen, vorstellen. Grundsätzlich möchte ich mich weiter vernetzen und aktiv am universitären Leben teilnehmen. Perspektivisch würde ich außerdem gerne in Deutschland bleiben und schauen, wie sich meine Arbeit hier weiterentwickeln kann.

Links zu dieser Meldung:

Germanistisches Institut

Dr. Lauren Brooks am Germanistischen Institut