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Sechs Fragen an... Prof. Dr. Silvia Schultermandl

Seit April 2021 hat Prof. Dr. Silvia Schultermandl die Professur für American Studies inne
Prof. Dr. Silvia Schultermandl
© Opern Foto

Willkommen am Fachbereich Philologie der WWU Münster!

Vielen Dank, ich fühle mich sehr willkommen!

Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Stadt und Universität?

Ich habe Münster und die Universität bislang in zwei ganz unterschiedlichen Szenerien kennengelernt: zuerst fast ausschließlich virtuell, nun auch in gelebter Praxis. Zuerst aus der Distanz (ich habe mein erstes Semester von Graz aus gearbeitet), nun als täglicher Alltag (seit Juli 2021 lebe ich mit meiner Familie in Münster). Ich finde Münster als Lebensraum sehr schön und schätze den entschleunigten Alltag und die vielen grünen Inseln in der Stadt. Gleichzeitig finde ich die zahlreichen wissenschaftlichen Kooperationsmöglichkeiten vor Ort und in der Region spannend – da ist gerade sehr viel los!

Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?

Als Amerikanistin beschäftige ich mich mit amerikanischer Literatur vom späten 18. Jahrhundert bis heute, mit Schwerpunkt auf Ethnic American Studies und Transnational American Studies. Im Zentrum meiner Forschung stehen dabei kulturelle Narrative von Zugehörigkeit. Derzeit arbeite ich zu Darstellungen von Familien- und Verwandtschafts-Konstellationen als Ausdruck gesellschaftlicher und kultureller Zugehörigkeit. Mich beschäftigt die Frage, wie Zugehörigkeitsrelationen in Narrativen konstruiert werden und auf welche (bekannten) Affekte sie rekurrieren. In der Literatur- und Kulturwissenschaft gilt die Familie ja als ein besonders emotionsaufgeladener Topos. Besonders spannend sind Texte, die bekannte Familienkonzepte in Frage stellen und Verwandtschaft als soziale Handlung denken, wie das in Narrativen zu Transnationalität, Migration, Kolonialismus und Sklaverei häufig der Fall ist.

Wann haben Sie begonnen, sich für Ihr Fach bzw. Ihre Forschungsrichtung zu interessieren?

Ich habe im Laufe des Studiums amerikanische Literatur deshalb so spannend gefunden, weil sie so eine große Vielfalt an Identitäten, kulturellen Traditionen, und Migrationsgeschichten vereint. Zu lernen, wie sich diese Heterogenität literaturgeschichtlich fassen lässt, war für mich im Studium ein richtiges "Aha"-Erlebnis. Die Einbettung dieser Themen in eine Ideologiekritik an den USA und gleichzeitig die Bemühung, marginalisierte Gruppen sichtbar zu machen, hat mein ursprüngliches Interesse an den Phänomenen dann auch durch methodische Grundlagen für die kritische Auseinandersetzung bereichert. Das fand ich im Studium schon spannend. Als Professorin finde ich es schön, dass ich in meiner wissenschaftlichen Tätigkeit weiterhin immer wieder auf neue Aspekte in der Darstellung von Familie und Verwandtschaft stoße, weil das Thema in der Erzählliteratur sehr präsent ist und gleichzeitig in unterschiedlichen Forschungstraditionen an Interesse gewinnt.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Forschendes Lernen"?

Da mein eigenes Interesse an meinem Fach schon im Studium entstanden ist, messe ich dem forschenden Lernen eine große Bedeutung zu. Dazu gehört für mich allen voran die Vermittlung aktueller Forschungsfragen zu komplexen Phänomenen der amerikanischen Literatur und Kultur sowohl anhand rezenter Publikationen, teilweise auch meiner eigenen. Das lässt sich auch in projektzentrierte Lehre gut integrieren, also Lehrveranstaltungen, in welchen Studierende selbst Forschungsfragen entwickeln und diesen in Hausarbeiten auf methodisch anspruchsvolle Weise nachgehen. Interesse am Forschungsstand zu wecken und den Impuls für die Entwicklung fortführenden Fragen zu geben gehört für mich zu den Benefits forschungsgeleiteter Lehre.

Was sind Ihre Tipps für ein erfolgreiches Studium?

Ich würde sagen: Motivation und ein Ausmaß an Begeisterung für das Fach! Ich finde es wichtig, Grundlagen im Studium solide zu erarbeiten, bevor eine Spezialisierung Sinn macht. Das kann dann manchmal schon auch bedeuten, über einen längeren Zeitraum sich nicht nur mit dem zu beschäftigen, was man gerade besonders spannend findet. Aber gerade die Herausforderung, Querverbindungen zum eigenen Forschungsinteresse herzustellen, kann neue Dimensionen des Denkens und Verstehens eröffnen. Und das dazugehörige Rein-und Rauszoomen zwischen dem Detailphänomen und dem größeren Ganzen ist eine sehr wertvolle Fähigkeit.

Und zu guter Letzt: Haben Sie schon ein Fahrrad?

Ja, ein Fahrrad für den Alltag und ein Rennrad. Und in meiner Familie gibt es davon auch noch weitere, soweit ein Hochrad und ein Einrad.

Homepage Prof. Dr. Silvia Schultermandl

 

Die "Sechs Fragen an..." werden neuberufenen Professorinnen und Professoren des Fachbereichs Philologie gestellt. Dieses Mal hat Prof. Dr. Silvia Schultermandl die Fragen beantwortet. Sie lehrt und forscht am Englischen Seminar im Bereich der Amerikanistik.