Phonopoetische Erkundungen: Workshop und Performance-Abend am 7. Mai 2026


I. Workshop „Aktualität akustischer Literaturformen – gesellschaftliche und ästhetische Aspekte.“
„Neue Formen, die als Sprachspiele, Schallspiele, Hörtexte, Hörkollagen, Hörobjekte oder Hörbeispiele bezeichnet werden, nehmen in wachsendem Maße neben den Handlungs- und Unterhaltungshörspielen traditioneller Art einen selbstverständlichen Platz im Programm der Rundfunkanstalten ein. Wahrscheinlich wird man eines Tages feststellen, daß […] die Hörspielabteilungen auf dem Gebiet der heute als experimentell bezeichneten Literatur eine entscheidende, wenn nicht die führende Rolle übernommen hatten. Die Revolution innerhalb des Hörspiels wird von einer Avantgarde, vor allem junger Autoren und Regisseure, vorangetrieben.“ Dies formulierte Hans Schmitthenner, Hörspielleiter des Bayerischen Rundfunks, im Jahr 1969. Das ist lange her. Zu dieser Zeit war die Remodellierung der subjekt- und gesellschaftskonstituierenden Realität von Sprache, von sprachlichem Handeln, Hörverhalten und Klangereignissen ein Ziel akustischer (und anderer) Literaturformen. Was ist der Stand der Diskussion heute? Mit dabei sind u.a. Martina Müller-Wallraf (WDR), Ingo Kottkamp (DLR Kultur), Andreja Andris (Hörspielfestival Berlin), Andreas Bülhoff (Burg Hülshoff/Center for Literature), Tabea Nixdorff und Monique Ulrich.
II. Performance-Abend „Language Sound Matters: Poetry in Performances“
Abends werden in der Studiobühne drei sprachkünstlerische Duos in dialogischen Formaten auftreten. Sprache wird hier mit künstlerischen Mitteln als Ereignis untersucht. Club Real treten in ihrer Performance Organismendemokratie in einen Dialog und verhandeln Rechte für alle Lebewesen. Als Insekten verkleidet wird leidenschaftlich diskutiert, ein Dialog als Streitgespräch. Ulrich Nixdorff (Monique Ulrich und Tabea Nixdorff) performen Paratexte – Texte, die neben dem eigentlichen Textkörper stehen, etwa Widmungen oder Fußnoten – die sie in Archiven und Bibliotheken sammeln. Ihr Stück Sounding Out (Reading Paratexts) erkundet dieses ‚neben‘ als Ort und hört sie als Zeugnisse der vielen Arbeitsschritte und kollektiven Anstrengungen bei der Entstehung eines Buches ab. Das Duo Andreas Bülhoff und Marc Matter verwandeln Wortmusik in ein DJ-Set, indem Schleifen (Loops) aus mehrdeutigen Wörtern übereinandergeschichtet und mit Soundeffekten verfremdet werden. In ihrer Sound-Performance Again As wird auf vier Plattenspielern eine Art Sprechmusik auf der Basis von zusammengemischten Schallplatten improvisiert.
Eine Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsstelle Phonopoetik/Prof. Herrmann und Burg Hülshoff – Center for Literature.
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