

Eine Jahrzehntelange Tradition ...
Die Ökumenische Gastvorlesung wird jedes Jahr traditionell am Montag der Gebetswoche für die Einheit der Christen (18. bis 25. Januar) oder am Montag darauf gemeinsam vom Ökumenischen Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät und dem Institut für Ökumenische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät ausgerichtet. Sie blickt auf eine jahrzehntelange Tradition zurück. Die Einladung der Gastredner:in und die federführende Organisation der Ökumenischen Gastvorlesung erfolgt immer im Wechsel zwischen den beiden Instituten.
Nathalie Becquart über die Weltsynode als einen „ökumenischen Prozess“

Die Weltsynode (2021–2024) der römisch-katholischen Kirche sei ein bedeutender Meilenstein für die Ökumene und habe neue Wege für die Einheit der Kirchen eröffnet. So stellt Nathalie Becquart XMCJ in ihrer auf Englisch gehaltenen Ökumenischen Gastvorlesung am 26. Januar 2026 im Blick auf das Abschlussdokument der Weltsynode und ihre Erfahrungen als Untersekretärin des Generalsekretariats der Bischofssynode heraus. Becquart betont im Anschluss an Papst Franziskus, dass der Synodale Weg der römisch-katholischen Kirche ökumenisch sein müsse und die Ökumenische Bewegung synodal. Das Potential von Synodalität für die Ökumene bestehe in einem vertieften Verständnis von Gemeinschaft, über den Dialog hinausgehende konkrete Zusammenarbeit sowie die Erfahrung der (geistlichen) Unterscheidung in Gemeinschaft (discernment in common). Synodalität und Ökumene seien bedingt durch die gleichen spirituellen Haltungen des Zuhörens und Lernens, der Begegnung und des Austauschs von Gaben. Beide seien ein hermeneutischer Prozess, um eine Sprache für Erfahrungen zu finden, die über das in Worte Fassbare hinausgeht. Dafür sei eine Haltung der Demut und eine Gegenseitigkeit von Bedeutung, die begründet ist in der gemeinsamen Würde aller Getauften, noch vor jeder Unterscheidung im Dienst. Becquart stellt heraus, dass die Teilnahme von Delegierten anderer christlicher Konfessionen an der Weltsynode ein großer Gewinn gewesen sei. Schon das Konzil von Nizäa 325 n. Chr. habe einen synodalen Weg der Kirche eingeleitet und erinnere diese an ihre Rolle in der Welt, für die Bewahrung der Schöpfung einzustehen, nach Frieden zu streben und Zeugnis abzulegen für Hoffnung und Veränderung.
An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. In dieser wurde vor allem die unzureichende Beteiligung von Frauen an den Entscheidungen in der Kirche problematisiert. Auch wurde danach gefragt, wie die theologische Forschung zur Teilhabe von Frauen an allen Diensten und Ämtern in der Kirche in der Bischofssynode mehr Gehör finden könnte.

Die französische Theologin Nathalie Becquart (*1969) ist Mitglied der Xavière Schwestern, einem in Frankreich gegründeten ignatianisch inspirierten Ordensinstitut. Ihre Ernennung zur Untersekretärin der Bischofssynode durch Papst Franziskus am 6. Februar 2021 war ein vielbeachteter und historischer Vorgang, da dadurch erstmals eine Frau Stimmrecht in der Synode erhielt. Im Dezember 2021 wurde sie auch zum Mitglied des Dikasteriums für Kommunikation ernannt. Während ihrer Arbeit an der Synode über Synodalität (2021–2024), die sich derzeit in der Umsetzungsphase befindet, hat sie sich besonders für die ökumenische Dimension des synodalen Prozesses engagiert. Sie gilt als einflussreichste Frau im Vatikan, deren öffentlichen Äußerungen viel Gewicht beigemessen wird. Ihre vielbeachtete Absage an die Weihe von Frauen im Dezember 2022 stieß im deutschsprachigen Katholizismus auf erhebliche Kritik.
1992 erwarb sie einen Master in Entrepreneurship von der renommierten École des hautes études commerciales (HEC) in Paris. Sie trat 1995 den Xavière Schwestern bei und legte dort 2005 ihre ewigen Gelübde ab. 2006 erlangte sie kanonische Bachelor-Abschlüsse in Philosophie und Theologie am Centre Sèvres (heute: Facultés Jésuites de Paris) in Paris, die sie um soziologische Studien an der Pariser Elite-Hochschule École des hautes études en sciences sociales (2004-2006) ergänzte. Von 2019 bis 2020 spezialisierte sie sich an der Boston College School of Theology and Ministry auf Ekklesiologie und forschte zum Thema Synodalität.
25 Jahre lang war sie intensiv in der Jugendpastoral engagiert und fungierte von 2012 bis 2018 als Direktorin des Nationalen Dienstes für die Evangelisierung der Jugend und Berufungen der französischen Bischofskonferenz. Sie nahm 2018 als Beobachterin an der Jugendsynode teil und wurde im Mai 2019 Beraterin des Generalsekretariats der Bischofssynode bevor sie dann 2021 in den Vatikan wechselte.
Ökumenische Gastvorlesung 2025 | Wolfram Kinzig
Prof. Dr. Wolfram Kinzig (Bonn) sprach am 22. Januar 2025 über das Glaubensbekenntnis von Nizäa.Ökumenische Gastvorlesung 2024 | Fernando Enns
Prof. Dr. Fernando Enns (Hamburg/Amsterdam) sprach am 22. Januar 2024 über „Verantwortete Gewaltfreiheit – Christus als wahre ‚Zeitenwende‘ in der ökumenischen Friedensethik“.Ökumenische Gastvorlesung 2023 | Cyril Hovorun
Prof. Dr. Cyril Hovorun (Kyjiw/Stockholm/Rom) sprach am 30. Januar 2023 über Ökumene in Zeiten des Ukrainekriegs.Ökumenische Gastvorlesung 2022 | Rudolf von Sinner
Prof. Dr. Rudolf von Sinner (Curitiba, Brasilien) sprach am 24. Januar 2022 über „Vox populi, vox Dei? Die Theologie des Volkes Gottes von Papst Franziskus und das Priestertum aller Gläubigen in lutherischer Sicht“.Ökumenische Gastvorlesung 2021 | ausgefallen
Ökumenische Gastvorlesung 2020 | Kenneth Mtata
Dr. Kenneth Mtata (Harare) sprach am 20. Januar 2020 über die Zukunft der Ökumene aus der Perspektive des globalen Südens.Ökumenische Gastvorlesung 2019 | Christoph Stender
Christoph Stender (Bonn) sprach am 21. Januar 2019 über „Ökumene, wer bist Du? Christliches Miteinander bei Kirchen- und Katholikentagen“.Ökumenische Gastvorlesung 2018 | ausgefallen
Ökumenische Gastvorlesung 2017 | Jürgen Moltmann
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jürgen Moltmann (Tübingen) sprach am 23. Januar 2017 zum Thema „Die unvollendete Reformation: Protestantische Probleme – ökumenische Lösungen“.Ökumenische Gastvorlesung 2016 | Frère Timothée
Frère Timothée aus Taizé sprach am 18. Januar 2016 über das Thema „Der ökumenische Weg der Communauté von Taizé. Rückblicke und Ausblicke“.Ökumenische Gastvorlesung 2015 | Martin Hein
Prof. Dr. Martin Hein, Landesbischof von Kurhessen-Waldeck, sprach am 26. Januar 2015 zur Bedeutung des Ökumenischen Rates der Kirchen.Ökumenische Gastvorlesung 2014 | Gregor Maria Hoff
Prof. Dr. Gregor Maria Hoff (Salzburg) sprach am 20. Januar 2014 über das Thema „Zwischen den Zeiten. Ein Exposé erkenntnistheoretischer Herausforderungen ökumenischer Theologie“.Ökumenische Gastvorlesung 2013 | Ingolf U. Dalferth
Prof. Dr. Ingolf U. Dalferth (Zürich/Claremont, Kalifornien) sprach am 21. Januar 2013 über das Thema „Kontextuelle Theologie im Zeitalter der Globalisierung“.Ökumenische Gastvorlesung 2012 | Elmar Salmann
Prof. Dr. Elmar Salmann OSB (Rom/Gerleve) sprach am 30. Januar 2012 über das Thema „Studieren in Rom. Ungewöhnliche ökumenische Perspektiven“.Ökumenische Gastvorlesung 2011 | Ulrich H. J. Körtner
Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich H. J. Körtner (Wien) sprach am 24. Januar 2011 zum Thema „Amt - Ordination - Episkopé. Zum Stand der Diskussion in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)“.Ökumenische Gastvorlesung 2010 | Eberhard Jüngel
Prof. Dr. Eberhard Jüngel (Tübingen) sprach am 25. Januar 2010 über die Frage „Was hat des Menschen Glück mit der Seligkeit zu tun?“.Ökumenische Gastvorlesung 2009 | Hans Joachim Meyer
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Meyer (Berlin) sprach am 26. Januar 2009 über das Thema „‚Gleich, ähnlich oder verschieden?‘ Nachdenken über Kirchentage und Katholikentage“....
Ökumenische Gastvorlesung 2007 | Gerhard Feige
Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg) sprach am 29. Januar 2007 über das Thema „Ein neuer Aufbruch? Europas Dritte Ökumenische Versammlung“....
Ökumenische Gastvorlesung 2001 | Reinhard Lettmann
Bischof Dr. Reinhard Lettmann (Münster) sprach am 24. Januar 2001 über das Thema „Ökumene heute. Versuch einer Standortbestimmung“....
Ökumenische Gastvorlesung 1998 | Vladimir Fedorov
Prof. Dr. Vladimir Fedorov (St. Petersburg) sprach am 26. Januar 1998 über das Thema „Ökumenische Zusammenarbeit als Beitrag zur Überwindung des Fundamentalismus und Nationalismus“....

