DFG-Projekt Tierethik im Spannungsfeld von Utopie und Verantwortung

© Michal Schmidt

Wie wollen wir mit Tieren leben? Wie sähe ein gutes Mensch-Tier-Verhältnis aus? Wie stellen wir es uns bestmöglich vor?
 

Ist es sinnvoll, ethische Utopien zu entwerfen oder überfordern sie uns und rufen Abwehrreaktionen hervor?
 

Was kann theologische Ethik dazu sagen?
Soll sie utopische Konzepte entwerfen oder verantwortungsethisch das Wirklichkeitsgemäße fokussieren? Oder beides?

 

  • Das Projekt

    Titel
    Utopie und Verantwortung. Beitrag zu einer Grundfrage protestantischer Ethik am Beispiel der Tierethik

    Ausgangspunkt
    Tierethik ist in den vergangenen Jahren gesellschaftlich und wissenschaftlich zu einem wichtigen Thema geworden und auch die theologische Ethik setzt sich seit einiger Zeit verstärkt damit auseinander. Viele Theolog*innen vertreten dabei die Position einer wirklichkeitsgemäßen, verantwortungsethischen Tierethik und grenzen sich ausdrücklich gegen andere Forderungen ab, die demgegenüber radikal und utopisch erscheinen – etwa die Forderung zur Überwindung von Speziesismus und moralischem Anthropozentrismus, aber auch die Idee von Tierrechten. Diese Abgrenzung beruht nicht zuletzt darauf, dass Utopien und das Utopische grundsätzlich oft als ungeeignet für protestantische Ethik angesehen werden. Verantwortung wird hier geradezu zu einem Gegenbegriff von Utopie.

    Anliegen und Ziel
    Das Forschungsprojekt setzt an diesem Spannungsfeld von Utopie und Verantwortung an und geht der Frage zum Stellenwert des Utopischen in der Ethik im Allgemeinen und der Tierethik im Besonderen nach:
    Es setzt sich zum einen auf fundamentalethischer Ebene sowohl mit den Gründen für die verantwortungsethische Utopieskepsis als auch mit Argumenten für eine positive Bedeutung von Utopien auseinander und fragt, wie man beides zusammendenken kann. Die Hypothese ist, dass Utopien sinnvoll und notwendig sind, weil sie Denkhorizonte und Möglichkeitsräume eröffnen und Handeln zu mehr Gerechtigkeit anstoßen. Allerdings können sie dies nur, wenn sie in einer bestimmten Weise verstanden und präzise gegen andere Konzepte abgegrenzt werden (dazu gehört u.a. eine Verhältnisbestimmung zur Eschatologie, aber auch eine Abgrenzung zu konkreten ethisch-politischen Normen).
    In engem Bezug darauf wird zum anderen untersucht, welche Rolle Utopien im tierethischen Diskurs der Theologie spielen können. Auch hier geht es zunächst darum, zu fragen, worin die Bedeutung von Utopien besteht und wie sie mit Blick auf die Verantwortungsperspektive in theologische Ethik integriert werden können (z.B. mittels Stufenimperativen). Darüber hinaus soll schließlich geprüft werden, welche (theologischen und nicht-theologischen) Vorstellungen zu Mensch-Tier-Utopien Bestandteil einer plausiblen theologischen Tierethik sein könnten (zur Diskussion stehen z.B. Nächstenliebe auch in Bezug auf Tiere, Solidarität mit nicht-menschlichen Lebewesen, Mitbürgerschaft und politische Interessensvertretung u.ä.).
    Das Ziel des Projekts ist es, Grundkoordinaten einer theologischen Tierethik zwischen Utopie und Verantwortung zu entwickeln.

    Link zur Projektbeschreibung auf cris

  • Zur Person

    Cornelia Mügge ist evangelische Theologin und Philosophin. Sie hat in Leipzig, Berlin und Lausanne (CH) studiert, hat am Max-Weber-Kolleg in Erfurt mit einer Arbeit zum Fähigkeitenansatz von Martha Nussbaum promoviert und war als Mitarbeiterin in Fribourg (CH) in der katholischen Theologie sowie in Dresden in der evangelischen Theologie tätig. Neben ihrem aktuellen Schwerpunkt auf Utopien und theologischer Tierethik hat sie zu Menschenrechten, feministischer Ethik und Gendertheorie sowie zu Säkularismustheorien geforscht.

    Link zur Personenseite

  • Aktuelles aus dem Projekt

    Artikel vom 24.11.22 auf feinschwarz.net:
    "Utopie Lebenshof? Gedanken zur Rolle des Utopischen in der Ethik"  (Link)

  • Weiterführende Links

    Netzwerk Transcending Species Transforming Religion (TSTR)