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Kolleg begrüßt sechs Fellows in Münster

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Der November markiert einen entscheidenden Punkt im Übergang von der digitalen Anfangsphase des Kollegs zur nunmehr vollends angebrochenen Präsenzphase. Vier Fellows sind inzwischen wohlbehalten in Münster angekommen und haben ihre Büros bezogen. Zwei weitere werden in den kommenden Tagen erwartet. Zusammen mit den beiden bereits im September gestarteten Fellows ist der erste Präsenzjahrgang damit komplett.

Pandemiebedingt konnte die gemeinsame Arbeit während der ersten Monate des Kollegs ausschließlich digital stattfinden, was dank einer inzwischen von allen entwickelten Routine im Umgang mit Onlinetools erstaunlich gut funktioniert hat. Dennoch freuen wir uns nun auf den persönlichen Austausch vor Ort, der das Kollegleben in besonderer Weise prägen wird. Einige der neuen Fellows waren bereits in der digitalen Phase dabei und konnten nun endlich persönlich in Münster begrüßt werden. In den kommenden vier bis sieben Monaten werden die Fellows an ihren eigenen Forschungsprojekten arbeiten, einschlägige Texte und Quellen in den Reading Sessions diskutieren und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Die neuen Fellows im Einzelnen:

Dr. Sandra Brunnegger ist Rechtsanthropologin und seit 2008 Official Fellow in Law and Anthropology am St Edmund’s College an der Universität Cambridge. Zu ihren vielfältigen Forschungsschwerpunkten zählen die Menschenrechte, indigene Rechtsordnungen, Gerechtigkeitsvorstellungen sowie soziale Bewegungen. Am Kolleg untersucht sie die Koordinierung staatlichen Rechts und indigener Rechte im gegenwärtigen Kolumbien.

Dr. Clara Harder ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln, wo sie 2013 in mittlerer und neuerer Geschichte promoviert wurde. Seit 2020 leitet die Historikerin das DFG-Projekt „Marginalien der Familie? Soziale und kulturelle Bedeutung von Illegitimität im hochmittelalterlichen Reich (900-1300)“. Am Kolleg wird sie sich mit der Personengruppe der unehelich geborenen Kleriker beschäftigten und die Zusammenhänge zwischen der normativen Vielfalt und der zunehmend einheitlichen Praxis beleuchten.

Prof. Dr. Kay Peter Jankrift ist Medizinhistoriker und war zuletzt Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Ulm. Er beschäftigt sich mit der Geschichte von Seuchenkrankheiten ebenso wie mit dem Wandel medizinischer Praktiken. Sein Projekt am Kolleg nimmt die Rolle von Ärzten als medizinische Sachverständige und Zeugen im Strafprozesswesen der Frühen Neuzeit in den Blick.

Prof. Dr. Mirjam Künkler ist Anthropologin und Expertin für Politik und Recht in Indonesien und im Iran, worüber sie zahlreiche Bücher und Aufsätze publiziert hat. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt am Kolleg vergleicht sie den Umgang mit Vielfalt im Familien- bzw. Personenstandsrecht in den postkolonialen Staaten. Es zeigt sich, dass es nach der Vereinheitlichung des Rechts im Zuge der Unabhängigkeit in vielen Ländern inzwischen zu einer Repluralisierung kommt.

PD Dr. Gregor Rohmann ist Mittelalterhistoriker und beschäftigt sich mit der Geschichte der Hanse, mit religiösen Vorstellungen und Praktiken, Körper- und Medizingeschichte sowie Erinnerungskulturen. Am Kolleg untersucht er, wie sich seit dem 14. Jahrhundert eine differenzierte Begrifflichkeit für maritime Gewaltakteure herausbildete, die schließlich in die Dichotomie von als illegitim erachteter Piraterie und vermeintlich normenkonformer Kaperfahrt mündete.

Dr. Quentin Verreycken ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Universität Louvain, wo er 2018 in Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie promoviert wurde. Zudem hat er Forschungsaufenthalte in Southampton, Brüssel und Harvard absolviert. Sein Forschungsprojekt am Kolleg untersucht vergleichend die königliche Macht zur Begnadigung und ihre Einbettung in soziale und rechtliche Normen im England und Frankreich des späten Mittelalters.

Wir wünschen allen Fellows einen guten Start in Münster und freuen uns auf eine anregende Zusammenarbeit.