Entstehung des neuen Arzneipflanzengartens

Ein kurzer Rückblick auf die Entstehung des neuen Arzneipflanzengartens des IPBP an der Corrensstraße 48 in Münster

Als die Pharmazeutischen Institute der Universität Münster Mitte Februar 2013 in den Neubau an der Corrensstraße 48 einzogen, war in Bezug auf den Arzneipflanzengarten nur eines klar: Es wird auch einen kleinen Garten am neuen Standort geben.

Zu diesem Zeitpunkt wurde im IPBP jedoch auch noch eine „zwei – Standorte – Lösung“ in Bezug auf den Arzneipflanzengarten durchdacht und vorangetrieben.

Es war angedacht den alten Garten an der Hittorfstraße zu erhalten, wenn auch mit eingeschränktem Angebot für Besucher und den neuen Garten an der Corrensstraße in Zukunft lediglich für Lehrveranstaltungen zu nutzen.

© Krüger/IPBP

2013 bestand der „Garten“ an der Corrensstraße aus einer verwilderten Grünlandfläche, einem Zaun und dem Gartenbetriebsgebäude (Bauteil F).

Auf dem zukünftigen Gartengelände hatten in der Bauphase die Bürocontainer der Bauleitung und der ausführenden Baufirmen gestanden. Nach dem Abzug der Firmen und nachdem die Container abgeräumt worden waren, wurde die Fläche planiert und Rasen eingesät.

Ab November 2014 gab es die ersten Planungsgespräche für den Bau eines neuen Gewächshauses an der Corrensstraße. Diese Gespräche mussten aber wegen verschiedener Probleme bereits im Februar 2015 wieder abgebrochen werden.

Die Planungsgespräche konnten, nachdem die aufgetretenen Probleme abgearbeitet waren, im Februar 2016 wiederaufgenommen und konkretisiert werden.

Mitte Juli 2016 wurde die Baustelle für den Gewächshausbau eingerichtet und Mitte August begannen die Betonbauarbeiten für das Fundament.

Zu den Fundamentarbeiten gehörten auch Kanalbauarbeiten und der Einbau von Schotter für die geplanten Pflasterflächen im Gewächshaus.

© Krüger/IPBP

All diese Arbeiten machten gute Fortschritte und so konnte die mit dem Gewächshausbau beauftragte Firma bereits Mitte September mit dem Aufstellen der Gewächshauskonstruktion beginnen.

In der letzten Septemberwoche begannen parallel zu den Bauarbeiten an der Gewächshauskonstruktion die Arbeiten der Heizungsbauer und auch der Wegebau nahm durch die Arbeit der Landschaftsgärtner Formen an.

Die Heizungsbauer hatten zu Anfang eine echte Sisyphusarbeit vor sich, denn 600 laufende Meter Heizungsrohre mussten grundiert und lackiert werden. Die Landschaftsbauer starteten zunächst damit, die Oberfläche des zukünftigen Gartens mit dem Bagger abzuziehen, um der Wildnis aus großer Brennnessel, Distel und Ampfer ein wenig Einhalt zu gebieten, wandten sich dann aber zügig dem Wegebau nach dem im IPBP entwickelten Plan zu.

© Krüger/IPBP

Ende Oktober konnte das Gewächshaus verglast und die Außenschattierung montiert werden. Zeitgleich wurden im Gewächshaus die Stellflächen gepflastert und auch der Innenausbau ging weiter zügig voran.

In der ersten Novemberwoche wurden die Arbeiten an der Gewächshauskonstruktion abgeschlossen, und es wurden die Versorgungsleitungen an den vorgesehenen Platz für das geplante Folienhaus verlegt.

© Krüger/IPBP

Kurz darauf begannen die Pflasterarbeiten rund um das Gewächshaus. Das Gewächshaus musste mittlerweile wegen Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt provisorisch beheizt werden, damit die Arbeiten beim Innenausbau nicht verzögert wurden.

Das größte Temperaturproblem lag dabei im Bereich der Elektroinstallation, denn durch Kälte verlieren die Elektrokabel ihre Flexibilität und werden brüchig.

Die Arbeiten der Elektriker und der Steuerungstechniker kamen gut voran und so konnte Ende November / Anfang Dezember ein Großteil der Arbeiten am neuen Gewächshaus abgeschlossen werden.

© Krüger/IPBP
© Krüger/IPBP

Auch die Anlage der Gartenfläche waren, bis auf einige Kleinigkeiten, fertiggestellt. Die meisten Restarbeiten konnten bis zum Jahresende 2016 abgeschlossen werden.

Mittlerweile hatte die Institutsleitung die Idee, den Institutsgarten an zwei Standorten zu betreiben, verworfen und plante den neuen Institutsgarten an der Corrensstraße nun als alleinigen Standort zu betreiben. Dieser Entschluss war zwar schmerzlich, aber schon aus praktischen Gründen richtig!

Im Januar 2017 begannen die Gärtner des IPBP mit dem Wegebau im Schaugewächshaus. Auch hier wurde der Weg, wie im Schaugarten, mit Schotterunterbau und wassergebundener Wegedecke ausgeführt.

Als Novum konnte im Windfang des neuen Gewächshauses außerdem noch ein kleines Schaubeet, das von einer Sandsteinmauer eingefasst ist, für einige sukkulente Pflanzen eingebaut werden. Bisher konnten diese Pflanzen nämlich nur in Töpfen kultiviert und gezeigt werden.

Allerdings musste mit dem Umzug der Gewächshauspflanzen noch einige Wochen gewartet werden, bis die Außentemperaturen den Umzug zulassen würden. Ende März 2017 konnten dann die Pflanzen aus den warmen Gewächshausbereichen vom „alten“ Gewächshaus an der Hittorfstraße zum neuen Standort an der Corrensstraße umziehen.

© Krüger/IPBP

Es war schon eine echte Verbesserung, wenn wir das „alte“ Gewächshaus mit dem neuen Gewächshaus vergleichen! Der Standort an der Corrensstraße ist heller, das Gewächshaus ist höher und auch die Rolltische sind besser zu bedienen.

Alle Pflanzen, auch die, die im Schauhaus ausgepflanzt worden waren, haben den Umzug sehr gut überstanden und dies durch kräftiges Wachstum bewiesen!

© Krüger/IPBP

Die Kulturarbeiten am Schaugarten in der ersten Jahreshälfte 2017 musste sich zunächst darauf beschränken, dass die Flächen zum Pflanzen vorbereitet wurden. Das bedeutete, das alle Flächen zunächst von den schlimmsten Wurzelunkräutern befreit werden mussten.

Mitte des Sommers konnten dann die Beetflächen, den systematischen Anforderungen entsprechend, aufgeteilt und die Rasenwege eingesät werden.

© Krüger/IPBP

Parallel zu diesen Arbeiten fanden im Frühsommer 2017 die letzten Bestimmungsübungen der Pharmaziestudierenden und der letzte Kurs für Studierende der Lebensmittelchemie im alten Garten an der Hittorfstraße statt. Nach dem Abschluss der Lehrveranstaltungen im alten Garten wurde der Umzug der Pflanzen aus den Systematikbeeten ab Herbst 2017 vorbereitet.

Als erste Pflanzen im neuen Garten wurden zu dieser Zeit dekorative Arzneipflanzen, arzneilich genutzte Gehölze und Pflanzen für die Bestimmungsübungen in die Randbereiche rund um die Systematikbeete gepflanzt.

Anfang November 2017 wurden die nicht winterharten Pflanzen aus der alten Systematik ins Kalthaus am neuen Standort eingeräumt. Zeitgleich wurde das Folienhaus im alten Garten abgebaut, um es Anfang Februar 2018 in etwas kleinerer Form neben dem Gartenbetriebsgebäude an der Corrensstraße wieder aufzubauen. Die restliche Zeit der Wintermonate wurden genutzt, um die verbliebenen Pflanzen, Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien vom alten zum neuen Standort zu transportieren.

Wie geplant konnten pünktlich zum 31. März 2018 die Schlüssel des alten Gartens an die zentrale Verwaltung abgegeben werden. Damit endete eine Ära von 57 Jahren – solange hatte das Gelände an der Hittorfstr. als Institutsgarten für das IPBP gedient.

Derweil waren an der Corrensstraße die Systematikbeete mit den Stauden bepflanzt worden und die erste Generation einjähriger Pflanzen für den Unterricht in Pharmazie und Lebensmittelchemie wuchs in den Gewächshäusern heran. Dabei zeigte sich, dass die jungen Pflanzen sich in der Anzucht hier am neuen Standort besser entwickelten, als am alten Standort!

In seiner ersten Saison überraschte der Garten mit der sehr guten Entwicklung der Pflanzen, obwohl der Sommer 2018 aus meteorologischer Sicht auch für die Pflanzen sehr herausfordernd war, denn er war der trockenste und heißeste Sommer seit langem. So konnten bereits im ersten Jahr der Kurs Bestimmungsübungen / Arzneipflanzenexkursion für Pharmaziestudierende, wie auch der Kurs für die Studierenden der Lebensmittelchemie im neuen Garten durchgeführt werden.

© Dziemba/WWU

Als Höhepunkt des ersten Gartenjahres an der Corrensstraße wurde der neue Institutsgarten am 28. Juni offiziell eröffnet.

Auch wenn die Gartenfläche an der Corrensstraße, verglichen mit der Gartenfläche an der Hittorfstraße, drastisch verkleinert werden musste, so kann doch alles was für die Lehre wichtig ist weiter gezeigt werden. Es stehen sogar noch einige kleinere Flächen zum Anbau von Pflanzenmaterial für Forschungszwecke zur Verfügung. Nachdem in den Jahren 2017 / 18 keine öffentlichen Gartenführungen stattfinden konnten, ist es für das Jahr 2019 geplant im neuen Garten wieder öffentliche Führungen anzubieten.

Der neue Garten ist weiterhin auch für interessierte Besucher geöffnet, die Öffnungszeiten sind die alten geblieben: Mo. – Do. von 9 – 16 Uhr und Fr. von 9 – 14 Uhr.

© Krüger/IPBP