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Zwischen Bildgebungsdetektoren, Neonlichtern und Schreinen: meine Konferenzreise nach Japan

Beitrag von Nils Marquardt, Doktorand im Fach „Medizinische Wissenschaften“ (Forschungsgruppe Prof. Dr. Klaus Schäfers, European Institute for Molecular Imaging, Universität Münster)

Fotos

Mein Reiseziel Yokohama ist vor allem bekannt für seine hell beleuchtete Skyline in der Nacht ...
Mein Reiseziel Yokohama ist vor allem bekannt für seine hell beleuchtete Skyline in der Nacht ...
© Nils Marquardt
  • ... und für das größte Chinatown in Japan.
    © Nils Marquardt
  • Die IEEE Medical Imaging Conference fand dieses Jahr vom 1. bis 8.11.2025 im neugebauten Pacifico Yokohama North Konferenzzentrum statt. Eigentlich war sie dort schon für 2021 geplant, musste aber aufgrund der Covid-19-Pandemie auf dieses Jahr verschoben werden.
    © Nils Marquardt
  • Die Konferenz wurde eröffnet mit der Verleihung des Marie Sklodowska-Curie-Preises an Chuck Melcher. Er hielt anschließend einen Vortrag über seine Entdeckung von Cerium-dotiertem Lutetium-oxyorthosilicat als Szintillationskristall, die einen großen Fortschritt in der Positronen-Emissions-Tomographie und der Entwicklung von noch schnelleren Strahlungsdetektoren ermöglichte.
    © Nils Marquardt
  • Auf der Konferenz waren auch viele Akteure aus der Industrie vertreten, die an ihren Ständen in einer großen Halle ihre neuesten Produkte präsentierten.
    © Nils Marquardt
  • Insgesamt habe ich über zwei Stunden an meinem Poster verbracht und es verschiedensten Leuten präsentiert.
    © IEEE NSS MIC RTSD
  • Zum Rahmenprogramm der Konferenz gehörte die Exhibition Happy Hour, bei der man sich bei Essen und Getränken mit den Ausstellern aus der Industrie unterhalten konnte.
    © Nils Marquardt
  • Die Conference Reception bot ein großes Büfett mit lokalen und internationalen Speisen. Dies eignete sich hervorragend um neue Kontakte zu knüpfen, vor allem da es dieses Jahr extrem gut besucht war und man knapp eine Stunde in der Schlange für das Essen warten musste.
    © Nils Marquardt
  • Abgeschlossen wurde die Konferenz mit dem Ausblick auf das nächste Jahr, wo sie in Granada, Spanien, stattfinden wird.
    © Nils Marquardt
  • Nach offiziellem Ende der Konferenz wurden dieses Jahr erstmalig Touren zu umliegenden, wissenschaftlichen Einrichtungen angeboten. Dazu zählte auch eine Besichtigung der National Institutes for Quantum Science and Technology (QST) in Chiba, wo zum Beispiel spezielle PET-Detektoren für die Bildgebung des Gehirns hergestellt werden. Hier konnte man die Entwicklung vom Prototypen …
    © Nils Marquardt
  • ... bis zum klinischen Endgerät nachvollziehen …
    © Nils Marquardt
  • ... und sich auch selber in die Rolle eines Patienten hineinversetzen.
    © Nils Marquardt
  • Dabei war ich aber nicht der erste deutsche Physiker, der das QST besucht hat.
    © Nils Marquardt
  • Neben dem Konferenzalltag blieb auch noch etwas Zeit, Yokohama und Umgebung, sowie die japanische Kultur zu erleben. Zum Beispiel konnte ich den wunderschönen Sankei-en Park in Yokohama besuchen …
    © Nils Marquardt
  • ... sehr leckeres Wagyū-Rind bei einem japanischem Tisch-Barbecue probieren …
    © Nils Marquardt
  • ... und auch einen Abstecher nach Tokio machen. Hier erlebte ich zum Beispiel die hektische Rush Hour an der berühmten Shibuya Crossing mit …
    © Nils Marquardt
  • ... aber auch die Ruhe und den Respekt, den die Japaner den verschiedenen Schreinen in der Stadt aufweisen.
    © Nils Marquardt
  • Ein Highlight war auch der Besuch des Meji-Schreins, wo ich eine buddhistische Zeremonie aus nächster Nähe erleben konnte.
    © Nils Marquardt
  • An klaren Tagen war es möglich, von einem der vielen Aussichtsplattformen in Tokio aus den Vulkan Fuji zu sehen, der der höchste Berg Japans ist und als heilig angesehen wird.
    © Nils Marquardt

Bereits zum dritten Mal konnte ich meine Forschung im November 2025 auf der weltweit renommierten IEEE Medical Imaging Conference vorstellen – diesmal führte mich die Reise gemeinsam mit meinem Doktorvater Klaus Schäfers erstmals nach Yokohama in Japan.

Das bin ich an meinem Poster über „Improvement of Optimal Transport Based Cell Tracking in PET Through Time-of-Flight“, das ich während einer der Poster-Sessions vorstellen durfte.
© Nils Marquardt

Die Konferenz zählt zu den bedeutendsten internationalen Treffen im Bereich der medizinischen Bildgebung. Für mich ist sie die ideale Plattform, um meine Ansätze und Ergebnisse zu präsentieren und aktuelle Trends zu verfolgen – denn ich forsche daran, einzelne, sich bewegende Zellen im Körper – zum Beispiel Immunzellen – mit medizinischen Bildgebungsmethoden sichtbar zu machen und zu verfolgen. Im Speziellen arbeite ich zur Positronen-Emissions-Tomographie (PET), bei der die Zellen mit einer geringen Menge Radioaktivität markiert werden. Ich entwickle Computersimulationen und experimentelle Laboraufbauten, die Vorgänge im menschlichen Körper nachahmen. Mit ihrer Hilfe testen wir neue Rechenmodelle für die Bildrekonstruktion bei der PET.

Es war für mich besonders wertvoll, meine Forschungsergebnisse international zu präsentieren, neue Kontakte zu knüpfen und Impulse aus Wissenschaft und Industrie mitzunehmen. Darüber hinaus ergaben sich sogar vielversprechende Ansätze für zukünftige Kooperationen. Neben dem wissenschaftlichen Programm blieb auch Zeit, Yokohama und die japanische Kultur zu erleben – einschließlich eines Ausflugs nach Tokio. Besonders beeindruckt hat mich zum Beispiel, wie vielfältig die japanische Küche ist und wie sauber die Städte gehalten werden. Vor allem aber sind die Höflichkeit der Menschen und die harmonische Verbindung von Alltag und Natur mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Die Reise und Konferenzteilnahme wurden durch den Santander-Mobilitätsfonds der Universität Münster und einen Travel Award des Cells in Motion Interfaculty Centre der Universität Münster ermöglicht.

  • Einblicke in das Konferenzprogramm und darüber hinaus

    Mehr als 1.800 Forschende aus Physik, Informatik, Ingenieurwesen, Medizin und Biologie kamen laut Veranstalter dieses Jahr zusammen, um aktuelle Entwicklungen zu nuklearmedizinischen Verfahren wie PET und SPECT zu diskutieren. Weitere Schwerpunkte reichten von Algorithmik, KI-gestützter Bildverarbeitung und Machine Learning bis hin zu neuartigen Detektoren, quantitativer Bildgebung und Bildanalyse.

    Bereits in den ersten Sessions standen technische Innovationen im Mittelpunkt: In mehreren 90-minütigen Vortragsreihen stellten internationale Kolleginnen und Kollegen neue Ansätze zur Verbesserung der Strahlungsdetektion vor – etwa Fortschritte bei der elektronischen Auslese oder neuartige Detektormaterialien für höhere Zeit- und Energieauflösung. Den Abschluss des Tages bildete die „Exhibitor Happy Hour“, die Gelegenheit bot, sich bei Fingerfood und Getränken mit Vertreterinnen und Vertretern der Industrie auszutauschen.

    Ein Höhepunkt war die Verleihung des Marie-Skłodowska-Curie-Preises an Chuck Melcher: In seinem Vortrag erläuterte er, wie er und seine Kollegen die ceriumdotierten LSO-Szintillatoren entdeckten und welchen Einfluss dies auf die Entwicklung der PET-Technologie hatte. Im weiteren Verlauf des Tages standen Sessions zu „New Concepts and Emerging Applications“ sowie „New Radiation Detector Technologies for Medical Imaging“ auf dem Programm. Besonders interessant waren für mich Beiträge zu PET-Detektoren, die künftig auch für SPECT genutzt werden könnten, oder zu Mehrisotopen-Messungen während eines PET-Scans. Abgerundet wurde der Tag durch die Conference Reception mit regionaler und internationaler Küche, bei der sich zahlreiche Gelegenheiten zum Networking ergaben. Unter anderem sprachen wir mit einer Forschungsgruppe von Siemens Healthineers, die am neuen Ganzkörper-PET „Vision Quadra“ arbeitet, der kürzlich bei uns in Münster am Universitätsklinikum (UKM) installiert wurde.

    Es folgten weitere Preisverleihungen und die zweite Runde der Session „New Concepts and Emerging Applications“, parallel zu einer Vortragsreihe zu KI-basierter Bildverarbeitung. Die präsentierten Fortschritte zeigten eindrucksvoll, wie stark künstliche Intelligenz bereits heute Bildrekonstruktion, -analyse und klinische Diagnostik beeinflusst.

    Am Nachmittag stellte ich meine eigene Forschung in der zweiten Poster-Session vor. Unter dem Titel „Improvement of Optimal Transport Based Cell Tracking in PET Through Time-of-Flight“ präsentierte ich aktuelle Ergebnisse aus meiner Arbeit. Obwohl die Session eigentlich auf 90 Minuten begrenzt war, entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch, der mehr als zwei Stunden dauerte. Die Diskussionen reichten von grundlegenden Konzepten für fachfremde Interessierte bis zu detaillierten Gesprächen mit Expertinnen und Experten aus dem PET-Bereich – ein wertvoller Input für meine weitere Forschung.

    Der folgende Tag bot das dichteste Programm: Am Vormittag wurden neue Konzepte für hochauflösende PET- und SPECT-Bildgebung vorgestellt, gefolgt von einer Session zu Ganzkörper- und Multimodalitäts-Emissions-Tomographien. Angesichts der jüngsten Installation des Siemens Vision Quadra am UKM boten diese Vorträge wertvolle Einblicke in zukünftige Forschungs- und Anwendungsszenarien. Die abschließende Poster-Session ermöglichte weitere Gespräche und erste Überlegungen zu möglichen Kooperationen.

    Am letzten Konferenztag besuchte ich eine Session zu „Simulation and Modeling of Medical Imaging Systems“. Da Simulationen einen zentralen Teil meiner Doktorarbeit ausmachen, boten diese Vorträge wertvolle neue Perspektiven und methodische Anregungen. Anschließend wurde die Tagung offiziell beendet – mit einem Ausblick auf die Konferenz im kommenden Jahr in Granada, Spanien.

    Auch nach Ende der Konferenz gab es ein besonderes Highlight: Die Organisatoren boten „Technical Tours“ zu Forschungseinrichtungen in der Region an. Ich entschied mich für den Besuch des National Institutes for Quantum Science and Technology (QST) in Chiba. Dort wurden neue PET-Scanner wie der VRAIN-PET für die Gehirnbildgebung vorgestellt. Außerdem konnten das unterirdische Synchrotron für die Kohlenstoffionen-Therapie sowie klinische Einrichtungen besichtigt werden. Der Besuch verdeutlichte die enge Verknüpfung von Grundlagenforschung, technologischer Entwicklung und klinischer Anwendung.

    Die gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke während und nach der Konferenz werden auf jeden Fall in meine weitere Forschungsarbeit am European Institute for Molecular Imaging einfließen.