Ein Blick auf unser neu entstehendes Forschungsgebäude im Januar 2022
© WWU/Michael Kuhlmann

Multiscale Imaging Centre

Bildgebungsexpertinnen und -experten verschiedener Fakultäten unter einem Dach

Das „Multiscale Imaging Centre“, kurz MIC, ist das zentrale Forschungsgebäude des Cells in Motion Interfaculty Centres der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und wird aktuell mitten im lebens- und naturwissenschaftlichen Zentrum der Universität an der Röntgenstraße 16 gebaut. Hier haben Arbeitsgruppen aus verschiedenen Fachbereichen zukünftig einen gemeinsamen Sitz. Wir bündeln einen Kern unserer breitgefächerten Expertise in der biomedizinischen Bildgebung sowie die entsprechenden Technologien und nutzen diese, um das Verhalten von Zellen in Organismen zu erforschen. Unser Forschungsgebäude ist zukünftig auch zentraler Treffpunkt für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Münster sowie für internationale Gäste, die im Themengebiet „Zelldynamik und Bildgebung“ forschen.

  • Was steckt hinter dem Namen des Gebäudes?

    Bildgebung – auf Englisch „imaging“ – ist ein zentrales Element in unserem wissenschaftlichen Gebiet, das wir systematisch einsetzen, um zelluläre Vorgänge in Organismen zu erforschen. Mit unterschiedlichen Technologien der Bildgebung lassen sich verschiedene Aspekte betrachten: Hochauflösende mikroskopische Verfahren vergrößern beispielsweise winzige Strukturen und erlauben detailgenaue Untersuchungen von einzelnen Zellen und ihren Bausteinen – es lässt sich aber nur ein Ausschnitt des Organismus betrachten. Verfahren der Ganzkörperbildgebung wie die Positronen-Emissions-Tomografie oder Magnetresonanztomografie haben eine geringere Auflösung als Mikroskope – dafür ermöglichen sie es aber, den Gesamtorganismus mit seinen Geweben und Organen darzustellen.

    Um die gleiche Zelle in unterschiedlichen räumlichen Dimensionen und im zeitlichen Verlauf untersuchen zu können, integrieren wir verschiedene Bildgebungstechnologien in unsere Untersuchungen. Wir wollen Informationen von der einzelnen Zelle bis zum gesamten Organismus zusammenbringen und durch diesen ganzheitlichen Blick Zusammenhänge zwischen zellulären Mechanismen und der Funktion von Organen erkennen. Diese spezifische Bildgebungsmethodik – die „multiskalige Bildgebung“ – gibt unserem Forschungsgebäude seinen Namen. Sie erfordert innovative chemisch-biologische Strategien für die Markierung von Zellen, die es erlauben, die gleiche Zellart oder sogar dieselbe Zelle mit unterschiedlichen Signalgebern zu markieren – beispielsweise mit fluoreszierenden, magnetischen oder radioaktiven Molekülen – denn diese erzeugen Signale, die über ganz unterschiedliche Bildgebungstechnologien sichtbar werden. Neue Herausforderungen bestehen auch bei der Auswertung von Bilddaten. Hier kommt es darauf an, Datensätze verschiedener Bildgebungsverfahren zusammenzufügen und so Muster im Zellverhalten zu erkennen. Dabei spielen mathematische Modelle und das Trainieren künstlicher Intelligenz – das sogenannte Deep Learning – eine wesentliche Rolle.

  • Wer arbeitet und trifft sich in dem Gebäude?

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Medizin, den Naturwissenschaften sowie der Mathematik und Informatik forschen im Gebiet „Zelldynamik und Bildgebung“ inhaltlich eng vernetzt und rücken im Multiscale Imaging Centre auch räumlich zusammen. Rund 260 Personen aus den Fachbereichen Medizin, Biologie, Chemie und Pharmazie sowie Mathematik und Informatik werden in dem Gebäude arbeiten. Dazu gehören unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zur Stärkung unseres Forschungsschwerpunktes neu rekrutiert wurden und die ihre Arbeitsgruppe an der WWU aufgebaut haben. Sprecher des Multiscale Imaging Centres ist der Nuklearmediziner Prof. Michael Schäfers.

    Unser Forschungsgebäude ist zukünftig auch zentraler Treffpunkt für Forschende aus Münster sowie für internationale Gäste. Wir kommen hier zu Vorträgen, Symposien oder zur Mitgliederversammlung von „Cells in Motion“ zusammen. Das Multiscale Imaging Centre liegt mitten im lebens- und naturwissenschaftlichen Zentrum der WWU. Direkter Nachbar ist das Max-Planck-Institut. Nur einen guten Steinwurf entfernt befinden sich das Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE), das Center for Soft Nanoscience (SoN) und das Center for NanoTechnology (CeNTech) sowie viele weitere Institute und Kliniken, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Themen der Zelldynamik und Bildgebung beforschen.

    Die folgenden Arbeitsgruppen ziehen voraussichtlich in das Multiscale Imaging Centre ein:

    Medizinische Fakultät

    Fachbereich Biologie

    Fachbereich Chemie und Pharmazie

    Fachbereich Mathematik und Informatik

     

Kunstwerk im Multiscale Imaging Centre installiert
© WWU/Erk Wibberg

Kunstwerk im Multiscale Imaging Centre installiert

Eine zwölf Meter hohe Wandinstallation schmückt das Foyer des Multiscale Imaging Centres. Das Werk der Künstlerin Cordula Hesselbarth trägt den Titel „Auf|Lösung“ und nimmt das Forschungsthema auf, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Gebäude arbeiten werden.

Bau des Multiscale Imaging Centres

Fotos

Mai 2017: Es kann losgehen! Das Baustellenschild steht und die Baugenehmigung ist erteilt.
Mai 2017: Es kann losgehen! Das Baustellenschild steht und die Baugenehmigung ist erteilt.
© WWU/Sylwia Marschalkowski
  • Zuvor wurde die Baustelle bereits systematisch nach Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg abgesucht – glücklicherweise wurden keine gefunden.
    © WWU/Sylwia Marschalkowski
  • Juli 2017: Der Grundstein zum Multiscale Imaging Centre ist gelegt! Darüber freuen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsnetzwerks „Cells in Motion“, die in dem neuen Gebäude forschen werden, gemeinsam mit den Dekanen der beteiligten Fakultäten. Bund und Länder hatten nach einer entsprechenden Empfehlung des Wissenschaftsrats die Förderung des Forschungsbaus beschlossen. Sprecher des Multiscale Imaging Centres ist der Nuklearmediziner Prof. Dr. Michael Schäfers (Dritter von links).
    © WWU/Christina Heimken
  • Vertreter des Wissenschaftsministeriums NRW, der Stadt Münster, der WWU, des Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, der das Bauprojekt für die WWU realisiert, und des Architekturbüros Gerber befüllten eine Zeitkapsel mit Tageszeitungen, Münzen und Bauplänen und versenkten sie in den Grundmauern des Neubaus.
    © WWU/Christina Heimken
  • August 2017: Die Unterkellerung sowie der Aufzugschacht sind vorbereitet, …
    © WWU/Friedemann Kiefer
  • … und die Grundleitungen für die Wasser- und Stromversorgung des Gebäudes werden gelegt.
    © WWU/Manfred Thomas
  • April 2018: Mit zwei Kränen wächst der Rohbau schnell in die Höhe. Aktuell stellen die Bauarbeiter das erste Obergeschoss fertig. Es folgen noch drei weitere Stockwerke.
    © WWU/Sylwia Marschalkowski
  • September 2018: An den Fassaden des Multiscale Imaging Centres setzen die Bauarbeiter die ersten Fenster ein.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Auch das Innere des Gebäudes nimmt Form an. Hier ein Blick aus dem zweiten Obergeschoss. Rechts im Bild das Foyer, das später durch ein Glasdach mit Tageslicht durchflutet wird, und links ein Lichthof unter freiem Himmel.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Der Lichthof unter freiem Himmel spendet den angrenzenden Räumen Tageslicht und die Wand rechts wird später mit Pflanzen begrünt.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Das Auditorium, in dem später wissenschaftliche Vorträge und Symposien stattfinden werden.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Der zukünftige Laborbereich.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Januar 2019: Anhand eines Musterlabors stimmt das Planungsteam die letzten Fragen zur Einrichtung der Labore ab. Dabei geht es insbesondere um Funktionalität und Sicherheit.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Auch die Entscheidungen zur Optik sind bereits gefallen: Der Boden erhält einen anthrazitfarbenen Belag, und eine Glasfront grenzt später die Dokumentationszone mit Computerarbeitsplätzen (vorne) vom Laborbereich ab.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Die Fassade des Gebäudes wird regionaltypisch mit Klinker gestaltet. Hier die Ansicht von der Röntgenstraße, an der sich später der Haupteingang befinden wird (Blick aus Südwesten).
    © WWU/Erk Wibberg
  • Dezember 2019: Das erste Großgerät für unser neues Forschungsgebäude ist angekommen – ein Zyklotron. Dies ist ein Teilchenbeschleuniger, mit dem radioaktive Substanzen für medizinische Bildgebungsverfahren hergestellt werden. Mit einem Kran wurde es vorsichtig unter einen Vorsprung an der Rückseite des Gebäudes gehoben.
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • In Präzisionsarbeit platzierte das Team das rund 19 Tonnen schwere Gerät auf fahrbaren Füßen …
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • … und entkoppelte es dann vom Kran.
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • Auf einem schmalen Zugangsweg wurde das schwere Gerät in das Gebäude gezogen …
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • … und vorsichtig angeschoben.
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • Hier steht das Zyklotron schließlich genauestens platziert im Kellergeschoss des Gebäudes. Es ist von einer bleigefüllten Abschirmung umgeben, die dem Strahlenschutz dient. Nebenan werden später radiochemische Labore eingerichtet.
    © WWU/Michael Kuhlmann
  • März 2020: Frühlingssonne und blauer Himmel rund um unseren Forschungsbau. So haben wir uns das vorgestellt! Rechts zum Vergleich der Architekturentwurf von „Gerber Architekten“ aus Dortmund. Aufgrund des abfallenden Geländes und mit Blick auf die angrenzende Bebauung hat unser Gebäude im nördlichen Teil fünf Stockwerke und im südlichen drei. Der äußere Eindruck des kompakten, abgestuften Baukörpers ist durch einen hervorkragenden Eingangsbereich, breite Fensterbänder und eine regionaltypische Klinkerfassade geprägt.
    © WWU/Michael Kuhlmann, Gerber Architekten
  • September 2020: In den Laboren des Multiscale Imaging Centres grenzt eine Glasfront mit Schiebetüren die Dokumentationszone (links) von der Experimentalzone (rechts) ab.
    © WWU/Erk Wibberg
  • In der Dokumentationszone (hinten) befinden sich später Computerarbeitsplätze, an denen die Forschenden Experimente protokollieren und auswerten können. Dabei sitzen sie in einem geschützten Bereich, in dem beispielsweise Laborgeräusche akustisch deutlich abgeschwächt werden.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Durch die unmittelbare Nähe zur Experimentalzone können die Forschenden gleichzeitig laufende Versuche im Blick behalten.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Ein Blick in das Foyer des Multiscale Imaging Centres. Dieser Ort wird später viel Raum für Veranstaltungen bieten. Mit seinen hohen Decken erstreckt sich das Foyer über drei Etagen. Tageslicht durchflutet es durch ein Glasdach.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Vom Foyer aus gelangt man direkt in das zukünftige Auditorium. Dort werden gerade die letzten Installationen an der Decke durchgeführt, bevor diese verkleidet wird.
    © WWU/Erk Wibberg
  • April 2021: Im Auditorium steht inzwischen die Unterkonstruktion für die Bestuhlung. Künftig werden dort fast 200 Zuhörer Platz finden.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Hier ein Blick ins Foyer des Gebäudes aus dem Eingangsbereich im Erdgeschoss …
    © WWU/Erk Wibberg
  • …und aus der zweiten Etage: Links finden gerade Arbeiten an einem Kunstwerk statt, rechts führen freitragende Treppen in die offenen, oberen Stockwerke.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Die an den Lichthof (rechts) grenzenden Bereiche bieten Raum für informelle Arbeitstreffen und gemeinsame Pausen.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Eine Wand im Lichthof ist nun mit Pflanzen begrünt. Hier ist Platz für Pausen an der frischen Luft.
    © WWU/Erk Wibberg
  • Januar 2022: Der Hörsaal mit 178 Sitzplätzen
    © WWU/Michael Kuhlmann

Im Sommer 2017 begann der Bau unseres Multiscale Imaging Centres. Wir werden darin auf rund 4300 m² Laborfläche forschen und nutzen rund 1500 m² für Büros, Seminarräume und unseren Vortragssaal. Die Übergabe vom Bauherren an die Universität Münster ist im Juni 2022 erfolgt. Wir richten nun die Labore und Büros ein, und die ersten Arbeitsgruppen werden im Sommer und Herbst einziehen. Die Kosten für Bau und Ersteinrichtung in Höhe von rund 71 Millionen Euro übernehmen der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die WWU. Im Juni 2014 hatten Bund und Länder nach einer Empfehlung des Wissenschaftsrats die Förderung des Forschungsbaus beschlossen.