Münster Green Innovation Award für NURICOS

© NRW Tag Stabsstelle Klima, Meike Reiners

Dreimal gepitcht, zwei Preise gewonnen, ein Start-up: NURICOS biosolutions

NRW hat seinen 80sten Geburtstag mit einem großen Fest in Münster gefeiert und dabei selbstbewusst auf elf „Meilen“ seine Stärken demonstriert. Schon am Freitagabend gab es auf der Klima-Meile an den Aasee-Terrassen den Wettstreit um den Münster Green Innovation Award – eine „Pitch Battle“ zwischen ausgewählten Firmen, die „einen echten Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten“. In drei Kategorien trat jeweils ein Start-up gegen ein Scale-up an, die sich nacheinander in vier Minuten vorstellen durften und sich den Fragen einer hochkarätigen Jury stellen mussten. In der ersten Kategorie – Agriculture – trat das frisch gegründete Start-up NURICOS biosolutions GmbH gegen das Scale-up Stallgrün UG an. Ein echtes Lokalderby: beide Firmen wurden von Ehemaligen der Arbeitsgruppe von Prof. Bruno Moerschbacher am Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen der Uni Münster gegründet.

Stallgrün wurde 2023 von unserer Alumna Judith Ryll und Thorsten Lansmann-Niehaus gegründet und bietet Schweinezüchtern eine Umrüstung leerstehender Ställe zur jahreszeitenunabhängigen Anzucht von Salat und Gemüse an. Die notwendige Investition hält sich in Grenzen, und das Ganze amortisiert sich in nur vier Jahren, wie Thorsten Lansmann-Niehaus berichtete, der selbst von einem Schweinehof stammt – dem ersten Kunden von Stallgrün, dem mittlerweile schon eine ganze Reihe weiterer überall in Deutschland gefolgt sind. Stallgrün floriert – und hat erst letzte Woche wieder zwei neue Mitarbeiter*innen eingestellt. Eine echte Erfolgsstory, nicht nur für die Gründer*innen, sondern auch für die vielen Schweinemastbetriebe, die derzeit um ihre Existenz kämpfen. Scale-up eben.

Und NURICOS? Mit ihrem erst zwei Monate alten Start-up bringen Dr. Anne Vortkamp, Dr. Carolin Richter und Dr. Philipp Lemke zusammen mit ihrem Doktorvater Prof. Moerschbacher die Ergebnisse von dreißig Jahren Forschung ins echte Leben. Ihr erstes Produkt, CaraPlant, ist eine ausgewogene Mischung ausgesuchter Chitosane, multifunktionaler Biopolymere, die sie aus einem Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie – Krabbenschalen – herstellen. Chitosane haben viele gute Eigenschaften, aber nicht jedes Chitosan kann alles. Und niemand weiß so gut wie die Arbeitsgruppe von Prof. Moerschbacher, welches Chitosan welche Eigenschaften hat, und wie man genau das gewünschte Chitosan herstellen kann. CaraPlant, soeben in die FIBL Liste für Betriebsmittel im Biolandbau aufgenommen, ist eine Art Impfung von Pflanzen gegen Stress. Dr. Vortkamp zeigte an Beispielen wie Kartoffeln, Erdbeeren und Tomaten, aber auch Weinreben und Stadtbäumen, wie die Behandlung mit CaraPlant diese Pflanzen vor Hitze und Dürre schützen, ihr Immunsystem stärken und das Wurzelwachstum anregen kann. Dieser Sommer hat uns die Gefahren des Klimawandels drastisch vor Augen geführt, und Pflanzen können sich nicht vor der Sonne verstecken oder eine Klimaanlage einschalten. Da kommt CaraPlant gerade recht. Das hat die Jury überzeugt, und NURICOS hat neben dem Green Innovation Award im Bereich Landwirtschaft auch den Sonderpreis „Out of Home Kampagne“ gewonnen, der dem Start-up ein Mediabudget für das Marketing zur Verfügung stellt.

NURICOS durfte dann gleich noch zweimal pitchen. Einmal am Samstagnachmittag auf der Westfalen-Meile, wo sich unter der Schirmherrschaft der Stellvertretenden Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin von NRW, Mona Neubaur, vier Start-up Ökosysteme des Landes vorgestellt haben. Und dann noch ein drittes Mal am Sonntagnachmittag auf der Wissenschafts-Meile, wo Münsters Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihre innovativen Ideen präsentierten, diesmal auch mit einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum nach dem kurzen Vortrag. Und beide Male haben sich direkt im Anschluss spannende Kontakte ergeben, die NURICOS biosolutions und ihren Gründer*innen auf dem Weg vom hoffnungsvollen Start-up zum erfolgreichen Scale-up unterstützen wollen. Dann werden nicht nur sie gewinnen, sondern auch Landwirt*innen, die nachhaltig wirtschaften, und Verbraucher*innen, die gesund leben wollen. Und damit am Ende wir alle und unser ganzer schöner Planet.