Auswertung der Sprachdiagnostik

Werten Sie das Screening unmittelbar nach der Durchführung aus, um ggf. noch wichtige Bemerkungen zum Ablauf im Roten Faden (S. 13) protokollieren zu können.

  • Schritte zur Auswertung

    Die Schritte werden auch im Anleitungsheft auf den Seiten 24 bis 27 beschrieben:

    1. Ermitteln Sie für jede der vier Aufgaben die erzielten Punkte auf dem Protokollbogen (S. 12).
    2. Übertragen Sie die Punkte auf den Auswertungsbogen (S. 13) in die Zeile Summe der Punkte für jede der vier Aufgaben.
    3. Bestimmen Sie das Alter des Kindes zum Zeitpunkt der Beobachtung in Jahren und Monaten z.B. das Kind Fatima im Anleitungsvideo ist 6 Jahre und 6 Monate (6;6) alt.
    4. Vergleichen Sie für jede der vier Aufgaben die vom Kind erreichten Punkte mit dem Grenzwert in der Zeile seiner Altersgruppe.
    5. Nur wenn das Kind im Sommer eingeschult wird und die Erhebung zwischen April und Juli erfolgt, vergleichen Sie das Kind mit der zugehörigen Altersgruppe im Sommer vor der Einschulung. Das gilt für das Kind Fatima im Anleitungsvideo, die 6;6 Jahre alt ist und im April untersucht wurde.
    6. Wenn der Punktwert eines Kindes ÜBER dem Grenzwert liegt, kann es in der Aufgabe als altersgemäß entwickelt angesehen werden. Liegt es AUF oder UNTER dem Grenzwert, wird es bei der Aufgabe als nicht altersgemäß entwickelt eingestuft.
    7. Kreuzen Sie auf dem Auswertungsbogen (S. 13) an, in welchen der vier Aufgaben das Kind altersgemäß entwickelt ist.

     

  • Bedeutung der Grenzwerte im Sprachscreening

    Die Ergebnisse lassen sich in vier Gruppen einteilen:

    1. Kind ist in drei oder vier Aufgaben altersgemäß entwickelt. Dann kann es in seinen sprachlichen Basiskompetenzen als altersgemäß entwickelt eingestuft werden. Das alltägliche Sprachangebot in Familie und Kita sind augenscheinlich ausreichend.  
    2. Kind ist NUR in den Aufgaben Nachsprechen von Sätzen und Erkennen von Wortfamilien NICHT altersgemäß entwickelt. Dann besteht ein Entwicklungsrisiko für den Spracherwerb. Sie beherrschen die syntaktischen und morphologischen Merkmale der deutschen Sprache noch nicht in altersgemäßer Weise. Gleichzeitig ist ihre phonologische Verarbeitungskapazität ausreichend, um neuen Sprachinput aufzunehmen und zu behalten.
      Das Kind sollte eine verstärkte Sprachförderung erhalten bzw. zuvor eine differenziertere Sprachdiagnostik z.B. mit BaSiK oder Sismik/Seldak durchgeführt werden, um spezifische Sprachförderbereiche zu identifizieren.
    3. Kind ist in drei oder vier Aufgaben NICHT altersgemäß entwickelt. Dann besteht ebenfalls ein Entwicklungsrisiko für den Spracherwerb. Das Kind sollte eine verstärkte Sprachförderung erhalten bzw. zuvor eine differenziertere Sprachdiagnostik erfolgen. 
    4. Kind ist NUR in den Aufgaben Wiedergeben von Zahlenfolgen und Nachsprechen von Kunstwörtern NICHT altersgemäß entwickelt. Dann kann dem Kind ein altersgemäßes grammatikalisches Verständnis der deutschen Sprache zugesprochen werden. Aber es fällt ihm schwer, längere unbekannte Lautfolgen hinreichend lange zu speichern. Das kann den Spracherwerb verzögern und auch zu Problemen beim Schriftspracherwerb führen.
      Bei diesen Kindern ist darauf zu achten, dass Gespräche mit ihnen auf ihr Verständnistempo abgestimmt sind, so dass sie das Gehörte auch verstehen.
© Bild: Hogrefe
Anleitungsvideo zur Auswertung des Sprachscreenings mit Fatima (6 Jahre und 6 Monate alt)

Hier finden Sie ein PDF-Dokument mit Erläuterungen zur Auswertung und Kommentaren zum Anleitungsvideos.