Motorische Basiskompetenzen
Bis zur Vollendung ihres dritten Lebensjahres haben Kinder durch vielfältige Bewegungserfahrungen Vorstellungen für Bewegungsprogramme gespeichert, welche Art von Bewegungen sie zur effizienten Erreichung von Zielen im Alltag und im Spiel nutzen können (Roth, 1982). Die Bewegungssteuerung ist so weit entwickelt, dass sie diese Vorstellungen abrufen und in eigene Bewegungen umsetzen kann, um folgende Ziele zu erreichen:
- ihren Körper im Raum bewegen z. B. durch Krabbeln, Rollen, Gehen, Laufen,
- Gegenstände bewegen z. B. durch Greifen, Ziehen, Drücken, Stoßen, Werfen,
- sich mit Gegenständen bewegen.
Solche Bewegungen werden in der Bewegungswissenschaft auch als elementare Bewegungen beschrieben. Dabei zeigen Kinder große individuelle Unterschiede darin, in welchem Tempo sie diese Bewegungen erwerben.
Auf dem Weg zu zielgerichteten und feinkoordinierten Bewegungen besteht das elementare Bildungsziel für den motorischen Bereich darin, dass Kinder zwischen 3 und 6 Jahren die folgenden motorischen Basiskompetenzen erwerben.
Elementare Bewegungen werden variabel verfügbar
Das Bildungsziel besteht darin, dass Kinder lernen, elementare Bewegungen wie z.B. gehen, greifen, hüpfen an die vielfältigen Anforderungen in Spiel- und Alltagssituationen variabel anpassen und effizient ausführen zu können.
Beim Spiel Zeitungslauf auf dem Bild muss das Kind das Tempo seiner Laufbewegung so anpassen, dass die Zeitung nicht herunterfällt, obwohl sie nicht mit den Händen festgehalten wird.

© Dorothee Seeger Bewegungskombinationen meistern
Das Bildungsziel besteht darin, dass Kinder lernen, verschiedene elementare Bewegungen zu einer koordinierten Gesamtbewegung zu kombinieren.
Beim Spiel Feuerwehr im Katastrophenschutz müssen die Kinder ein Tablett mit gefüllten Bechern mit den Händen und Armen ruhig halten, während sie über verschieden Untergründe und schräge Ebenen laufen. Dabei dürfen die Becher nicht umkippen.

© Dorothee Seeger Bewegungsreihen meistern
Das Bildungsziel besteht darin, dass Kinder lernen, eine Abfolge von Bewegungen (z.B. beim Binden einer Schleife) in einer vorgegebenen, sachlogischen Reihe ausführen zu können. Die Schwierigkeit für drei bis sechsjährige besteht dabei nicht in der Ausführung der einzelnen Bewegungen an sich, sondern auch darin, die Abfolge der verschiedenen Bewegungen im Gedächtnis zu halten, um sie in korrekter Reihe ausführen zu können.
Bewegungen bewusst empfinden lernen
Das Bildungsziel besteht darin, dass Kinder lernen, Bewegungen bewusst zu empfinden. Wie fühlt sich eine erfolgreiche im Unterschied zu einer nicht erfolgreichen Bewegung an? Denn nur durch die Herausbildung einer Bewegungsempfindung gelingt es, die eigenen Bewegungen bereits im Ablauf zu kontrollieren und bei Abweichungen oder (unvorhergesehenen) Situationsveränderungen die Bewegung anzupassen.
Beim Spiel Gegenverkehr sollen die beiden Kinder auf dem Bild auf der schmalen Bank aneinander vorbeikommen, ohne dass einer der Partner herunterfällt. Das beinhaltet die Anforderung, mit Hilfe des taktilen und visuellen Sinns die eigene Fußstellung und die der Partnerin bewusst wahrzunehmen, um den nächsten Schritt sicher ausführen zu können.
Die Fähigkeit, Bewegungen bewusst empfinden zu können, ist für alle komplexen Bewegungen bedeutsam, insbesondere für den Erwerb feinmotorischer Bewegungen, wie z.B. beim Schreiben und gegenständlichen Zeichnen oder beim Spielen eines Musikinstruments.

© Dorothee Seeger

