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Sechs Fragen an... Prof. Dr. Anne Berkemeier

Seit dem Beginn des Sommersemesters 2018 hat Prof. Dr. Anne Berkemeier die Professur für Sprachdidaktik am Germanistischen Institut inne
Porträtbild von Prof. Dr. Anne Berkemeier
Prof. Dr. Anne Berkemeier
© WWU - privat

Willkommen am Fachbereich Philologie der WWU Münster!  Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Stadt und Universität?

Da ich meine ersten 19 Lebensjahre inkl. meines ersten Semesters in Münster verbracht habe, kann ich von ersten Eindrücken nicht erzählen. Ich freue mich, dass ich zurückkommen durfte. Im Vergleich zu meiner Schulzeit, scheint sich der Verkehr auf der Promenade nahezu verdoppelt zu haben.

Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?

Vor Kurzem haben wir ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Lese-Schreib-Förderung in der Sekundarstufe I zum Schreiben von Sachtextzusammenfassungen abgeschlossen. Wir haben ein zuvor jahrelang entwickeltes und verfeinertes Instrument evaluiert, das eine halbstandardisierte individuelle Schreibprozessbegleitung ermöglicht, und konnten zeigen, dass alle Lernenden davon profitieren, am meisten jedoch diejenigen mit Förderbedarf in ihrer Zweitsprache Deutsch. Um Individualisierung angesichts zunehmender Heterogenität zu ermöglichen, arbeite ich aktuell in verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen KollegInnen an Instrumenten für die Zweit- und Bildungssprachvermittlung im Sprach- und Fachunterricht sowie an solchen für den Schrift- und Orthographieerwerb. Auch diese Instrumente werden aktuell in verschiedenen Schularten und -stufen zunächst qualitativ und anschließend quantitativ evaluiert. In einem weiteren Projekt entwickeln wir ein grammatikdidaktisches Konzept, das sprachliche Handlungsfähigkeit und grammatisches Lernen miteinander verbindet.

Wann haben Sie begonnen, sich für Ihr Fach bzw. Ihre Forschungsrichtung zu interessieren?

Zunächst wollte ich vornehmlich Schulmusik studieren und wählte Deutsch „nur“ als zweites Fach. Wie die meisten SchülerInnen hatte auch ich zu Studienbeginn vor allem Interesse an Literatur, weil man - abgesehen von rudimentärem Grammatik- und Rechtschreibunterricht - zu Schulzeiten kaum Berührungen mit linguistischen Themen hat. Als Tutorin für Sprachlernkurse für StudienbewerberInnen mit Deutsch als Fremdsprache kam ich schon im Studium in Kontakt mit einer linguistischen Forschungsgruppe. Durch eine Anfrage aus dem Feld ergab sich mein Promotionsthema zwischen Linguistik und Sprachdidaktik. Erst durch die Anbindung der Habilitationsstelle an das Lehrgebiet Sprachdidaktik verstärkte sich meine Forschungsperspektive auf Vermittlungsprozesse.

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Forschendes Lernen“?

Forschendes Lernen bedeutet für mich im Hinblick auf Sprache, schon in Unterricht und Studium fachlich fundiert kreativ Problemlösewege für im Feld gegebene Herausforderungen zu entwickeln, zu erproben, ggf. zu überarbeiten und dann zu evaluieren.

Was sind Ihre Tipps für ein erfolgreiches Studium?

Interesse und Neugier sind die besten Motoren für erfolgreiches Studieren. Im didaktischen Kontext betrifft dies die Interdependenz von theoretischer Gegenstandserfassung, Einschätzung didaktischer Konzepte und möglichst früher Erfahrung, wie Lernende Lernangebote nutzen. Dabei ist die Perspektive auf eine Einzelperson zunächst wesentlich hilfreicher als der Blick auf eine ganze Klasse.

Und zu guter Letzt: Haben Sie schon ein Fahrrad?

Mein Fahrrad habe ich schon vor Dienstbeginn nach Münster gebracht. Ohne Fahrrad geht es in Münster einfach nicht. Ich freue mich täglich über die rücksichtsvollen AutofahrerInnen und den Mangel an Bergen!

Hompage Prof. Dr. Anne Berkemeier

Die "Sechs Fragen an..." werden neuberufenen Professorinnen und Professoren des Fachbereichs Philologie gestellt. Dieses Mal hat Prof. Dr. Anne Berkemeier die Fragen beantwortet. Sie lehrt und forscht am Germanistischen Insitut seit Beginn des Sommersemesters 2018.