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Millionenförderung für Dialektforschung

Sprachwissenschaftler der Universität Münster an neuem Langzeitprojekt beteiligt / 8,1 Millionen Euro für "Dialektatlas Mittleres Westdeutschland"
Kartenausschnitt mit dem untersuchten Gebiet
Das DMW- Gebiet umfasst ganz Nordrhein-Westfalen, das südliche Niedersachsen und das rechtsrheinische Gebiet von Rheinland-Pfalz
(Abbildung: Ausschnitt aus Übersichtskarte Deutschland)
© Lencer and NordNordWest, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder hat in seiner Sitzung am 30. Oktober die Aufnahme von neun neuen Langzeitforschungsprojekten in das Akademienprogramm der "Union der deutschen Akademien der Wissenschaften" beschlossen. Zu den neu geförderten Projekten gehört der "Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)", ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universitäten Bonn, Münster, Paderborn und Siegen. An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) wird das Projekt, das über eine Laufzeit von 17 Jahren mit 8,1 Millionen Euro gefördert wird, von Prof. Dr. Helmut Spiekermann vom Germanistischen Institut geleitet.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, mittels einer ersten systematischen Erhebung aktueller Daten noch existierende Dialekte und deren Veränderungen im Westen Deutschlands zu dokumentieren und zu analysieren. Dazu werden in rund 1200 Orten Erhebungen zum Sprachstand der über Siebzigjährigen und der Dreißig- bis Vierzigjährigen durchgeführt. Das untersuchte Gebiet umfasst dabei ganz Nordrhein-Westfalen, das südliche Niedersachsen und das rechtsrheinische Gebiet von Rheinland-Pfalz. Für die Untersuchung wird das Gebiet in vier sprachgeographische Areale aufgeteilt, jeder der vier Antragsstellenden ist für eines der Untersuchungsareale zuständig.

WWU-Sprachwissenschaftler Helmut Spiekermann, Sprecher des Centrums für Niederdeutsch am Fachbereich Philologie, leitet die Untersuchungen im Areal "Westfälisch West", das sich über eine Fläche von über 11.000 Quadratkilometern von Coesfeld über Münster und Steinfurt bis hin zur Grafschaft Bentheim und nach Osnabrück zieht. Neben dem münsterschen Germanisten gehören Prof. Dr. Doris Tophinke (Universität Paderborn), Prof. Dr. Petra Vogel (Universität Siegen, Sprecherin) und Prof. Dr. Claudia Wich-Reif (Universität Bonn) zur Leitung des Großprojekts. Die Forschungsergebnisse werden auch digital via Internet für wissenschaftliche Forschungsaktivitäten Dritter sowie für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Über das Akademienprogramm:
Das Akademienprogramm ist ein seit 1979/80 von Bund und Ländern gemeinsam finanziertes Programm zur Förderung langfristig angelegter Forschungsvorhaben vornehmlich in den Geisteswissenschaften. Es dient der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung des kulturellen Erbes. Mit dem Akademienprogramm betreiben die deutschen Akademien der Wissenschaften das derzeit größte geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Um darin aufgenommen zu werden, müssen geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte folgende Kriterien erfüllen: überregionale gesamtstaatliche Bedeutung, hohe wissenschaftliche Relevanz, eine Laufzeit zwischen 12 und 25 Jahren und ein finanzielles Mindestvolumen von 120.000 Euro im Jahr.

Projektinformationen bei der NRW-Akademie
Prof. Dr. Helmut Spiekermann
Centrum für Niederdeutsch
Informationen zum Akademienprogramm