Das Institut für Kunstgeschichte trauert um

Prof. Dr. Uwe Lobbedey (1937-2021),

der am 5. Januar 2021 in Münster verstorben ist.

Uwe Lobbedey gehörte international zu den bedeutendsten Vertretern der Bodendenkmalpflege und Pionieren auf dem Gebiet der archäologischen Bauforschung, von der seit längerem entscheidende methodische Impulse für die Erforschung besonders der mittelalterlichen Architektur ausgehen. Der gebürtige Berliner war seit 1965 in Münster zunächst am Westfälischen Landesamt für Denkmalpflege tätig, bevor er 1981 als Hauptkonservator an das Westfälische Museum für Archäologie wechselte. Wie kein Zweiter hat er das heutige Wissen über zentrale Baukomplexe des Mittelalters in Westfalen vorangebracht und geprägt und auf dieser Grundlage auch die internationale Forschung insbesondere zur frühmittelalterlichen Baukunst in Europa auf höchstem Niveau und mit großem Perspektivenreichtum entscheidend mitgeprägt. Unter seinen Schriften, deren Verzeichnis elf eng und zweispaltig beschriebene Seiten füllt, seien nur seine maßstabsetzenden, jeweils mehrbändigen Publikationen der Grabungs- und Baubefunde zu den Domen in Paderborn (1986) und Münster (1993) sowie die zahlreichen Arbeiten zur Abteikirche in Corvey und zu karolingischen Westbauten genannt.

Seit 1975 hat Uwe Lobbedey regelmäßig, zunächst als Lehrbeauftragter, seit 1997 als Honorarprofessor, Lehrveranstaltungen am Institut für Kunstgeschichte abgehalten. Wie kein anderer war er berufen, Studierende an die Praxis mittelalterlicher Archäologie und Bauforschung heranzuführen und den methodisch präzisen, möglichst unvoreingenommenen Umgang mit Bau- und Grabungsbefunden zu lehren. Er hat sich dieser Aufgabe mit außerordentlichem Engagement und Enthusiasmus gewidmet. Seine Übungen vor Ort und oft mit Exkursionen verbundenen Seminare waren legendär und haben Generationen von Studierenden geprägt, die in ihm einen ebenso anspruchsvollen wie zugewandten, begeisternden wie unprätentiösen Lehrer fanden. Aus dem Lehrkörper des Institutes war er jahrzehntelang nicht wegzudenken. 1981-85 hat er zudem den SFB „Mittelalterforschung“ an der WWU durch sein stupendes inhaltliches und methodisches Wissen bereichert.

Das Institut für Kunstgeschichte ist froh und dankbar, Uwe Lobbedey in den Reihen seiner Lehrenden gehabt zu haben, und wird sein Andenken stets in Ehren halten.

Prof. Dr. Jens Niebaum
Geschäftsführender Direktor

  • Hon. Prof. Dr. Uwe Lobbedey

    Publikationen (Auswahl)

    Monografien

    Die Ausgrabungen im Dom zu Osnabrück. 1866 bis 2003, Rahden/Westf. (VML Vlg Marie Leidorf) 2016

    Corvey. Kirche, ehemaliges Kloster und heutige Schlossanlage, Berlin/München (Deutscher Kunstverlag) 2010

    Kapitelle des Mittelalters. Ein Leitfaden,  Marsberg (Scriptorium) 2004

    Romanik in Westfalen, Regensburg (Schnell & Steiner) 2000
     

    Sammelbände

    Claussen, Hilde und Lobbedey, Uwe (Hrsg.), Heiligengräber im Frankenreich. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Frühmittelalters, Petersberg (Imhof) 2016

    Bearb. v. Simone Epking, Christoph Hellbrügge, Uwe Lobbedey u. a., Der Dom zu Münster 793 - 1945 - 1993, 2 Tle. Bd.2, Die Ausstattung, Erfurt (WBG) 2004