

Am 9. Mai 2023 hielt Prof. Dr. Hubertus Kohle (Ludwig-Maximilians-Universität München) seine Fellow-Lecture zum Thema „Power to the people. Crowdsourcing in Museen – Das Beispiel ARTigo.org“.
Zum Thema der Fellow-Lecture erschien 2026 die Studie Crowdsourcing in Museen (und anderen Kulturinstitutionen) als Band 6 der Open-Access-Schriftenreihe Access Points der Kolleg-Forschungsgruppe.
Die Entwicklung der Sozialen Medien mit ihrer Anfälligkeit für die Verbreitung von Fake News hat manche Erwartungen enttäuscht, die sich einst auf die Möglichkeiten einer breiten Beteiligung des Publikums an der Generierung und Zugänglichmachung von Wissen richteten. Dabei kann die ‚Weisheit der Menge‘ durchaus produktiv genutzt werden, wenn sie in geeigneter Weise abgerufen wird. So können Nutzer:innen in Bibliotheken und insbesondere Museen Beiträge zur Verbesserung der Daten bis hin zur Interpretation von Werken leisten. Ein Beispiel dafür sind Klassifizierungsprojekte. In seinem Vortrag stellte Hubertus Kohle das Projekt ARTigo.org vor, das von der Ludwigs-Maximilians-Universität München initiiert wurde und das Kunstwerke aus den unterschiedlichsten Museen annotieren lässt. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Lehr- und Forschungseinheit für Programmier- und Modellierungssprachen (François Bry) und des Lehrstuhls für Kunstgeschichte (Hubertus Kohle). Zuletzt wurde es von Stefanie Schneider einer tiefgreifenden Erneuerung unterzogen. Beim sogenannten „Social Tagging“ vergeben die Teilnehmer:innen Schlagworte zu den gezeigten Kunstwerken. Um Missbrauch zu verhindern, werden nur Begriffe in die Datenbank aufgenommen, die von zwei Personen in einer Spielrunde identisch vergeben wurden. Eine nachträgliche Redaktion findet nicht statt. Der Vorteil der derart vorgenommenen Klassifizierung liegt darin, dass Nutzende in Datenbanken oft nach Schlagworten suchen, die von der fachlichen Terminologie abweichen. Eine Klassifizierung durch Laien kann den Zugang also erleichtern.
ARTigo hat bereits über 10 Millionen Annotationen gesammelt und wurde mit dem „European Union Prize for Citizen Science“ ausgezeichnet. Zukunüftig, so erläuterte Hubertus Kohle, könnten auch Museen diese Art von Projekten für ihre Werbung nutzen, etwa indem das Annotations-Spiel auf Kunstwerke eines bestimmten Museums beschränkt werde.
Prof. Dr. Hubertus Kohle hat den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Bildkünste des 18. und 19. Jahrhunderts bis zur Klassischen Moderne, insbesondere in Frankreich und Deutschland, sowie die digitale Kunstgeschichte. Als einer der ersten Fachvertreter thematisierte er die Bedeutung der Digitalisierung für die Kunstgeschichte.