Dr. des. Marcel Bubert

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Bubert
© Bubert

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Historisches Seminar
Domplatz 20-22
D-48149 Münster

Raum: 147
Tel.: +49 251 83-24310
Fax: +49 251 83-24306

E-Mail: bubertm@uni-muenster.de

 

CURRICULUM VITAE:

  • 12/2016 Promotion in mittelalterlicher Geschichte an der Universität Göttingen (Betreuer: Prof. Dr. Frank Rexroth)
  • seit 10/2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Wolfram Drews, Historisches Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • 10/2015-09/2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martin Kintzinger, Historisches Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • 11/2013-04/2014 Forschungsaufenthalt an der École Pratique des Hautes Études in Paris
  • 2012-2015 Doktorand im Graduiertenkolleg „Expertenkulturen des 12. bis 18. Jahrhunderts“ an der Georg-August-Universität Göttingen
  • 2010-2012 Dozent für Irisch-Gälisch am „Studienhaus für keltische Sprachen und Kulturen“ (SKSK) in Bonn/Königswinter
  • 2008-2009 Studentische Hilfskraft im Forschungsprojekt “Lexikon irischer Verben und Verbäquivalente” an der Bergischen Universität Wuppertal
  • 2007-2012 Studentische Hilfkraft und Tutor für Irisch-Gälisch und Kymrisch am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn
  • 2005-2012 Studium der Musikwissenschaft, Mittelalterlichen Geschichte und Keltologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

forschungsinteressen:

  • Universitätsgeschichte, Gelehrtenkulturen des 12.-14. Jahrhunderts
  • Wissensgeschichte, Intellectual History
  • Französische Geschichte des Hoch- und Spätmittelalters
  • Geschichte Irlands und Britanniens im Früh- und Hochmittelalter
  • Insulare Paläographie und Kodikologie
  • Kulturtransfer im europäischen Mittelalter, Transkulturelle Geschichte
  • Kulturwissenschaftliche Theorie, Geschichtstheorie

Dissertationsprojekt:

Nützliche Philosophie. Zur Genese einer diskursiven Formation im Umfeld der Pariser Universität im 13. und frühen 14. Jahrhundert

Gegenstand meiner Dissertation sind Reflexionen über die soziale Relevanz von gelehrtem Wissen, wie sie seit dem 13. Jahrhundert in scholastischen Quellen aus dem Umfeld der Pariser Universität begegnen. Dabei liegt die Arbeitshypothese zugrunde, dass derartige Überlegungen in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis zum universitären Paradigma der Philosophie stehen, dessen Operationen prinzipiell nicht auf gesellschaftliche Nützlichkeit, sondern auf philosophische Wahrheit ausgerichtet sind. So hatte sich im 13. Jahrhundert in Paris eine "philosophische Identität" herausgebildet, die geradezu durch ihre Praxisferne charakterisiert war und ihr soziales Profil durch eine dezidierte Abgrenzung von solchen Gruppen erhielt, deren Tätigkeit durch Praxisbezug gekennzeichnet war. Wenn dennoch wiederholt Reflexionen über den Nutzen der Philosophie angestellt wurden, so erscheint dies als eine Aufnahme und Verarbeitung von Irritationen, denen der philosophische Kommunikationszusammenhang in seiner Umwelt ausgesetzt war. Solche Irritationen begegnen etwa als Folge der Polemik, die von Juristen und Medizinern gegenüber der unlukrativen Philosophie vorgebracht wurde, oder der Kritik an ihrer (vermeintlichen oder tatsächlichen) Tendenz zur Selbstreferentialität, welche die Theologen artikulierten. Irritiert wurde die Universitätsphilosophie aber ebenfalls durch jene alternativen philosophischen Konzeptionen, die außerhalb der Universität formuliert wurden und sich stets kritisch auf diese bezogen. Dazu zählen etwa die - größtenteils in Paris entstandenen - Entwürfe von Brunetto Latini oder Roger Bacon, die ihre praxisorientierten Wissenskonzepte in Abgrenzung von der epistemischen Kultur der Universität propagierten. Die Verarbeitung solcher kritischer Stimmen manifestiert sich in verschiedenen Schriften der Pariser Artes-Magister, etwa in Kommentaren zu den Werken von Aristoteles, aber ebenfalls in Traktaten zu den traditionellen Artes liberales.

Die diskursive Formation, die sich in der Zeit um 1300 in Paris konstituierte, prägt die Geschichte der akademischen Philosophie an den europäischen Universitäten bis in die Gegenwart auf entscheidende Weise. Mein Dissertationsprojekt analysiert die formative Phase dieser Konstellation, indem es nach dem Beginn einer Kritik an 'nutzloser' Buchgelehrsamkeit sowie von Reflexionen über gesellschaftliche Relevanz in der Philosophie der Universität fragt. Methodologische Orientierung bieten dabei die Ansätze der Wissenschaftssoziologie, mit deren Hilfe die wissenschafts- und ideengeschichtlichen Entwicklungen auf ihre sozialen Bedingungen bezogen und auf diese Weise kontextualisiert werden. Ein Ausblick auf die 'Modernität' der Thematik steht am Ende der Arbeit, wobei Kontinuitäten und Veränderungen des Nützlichkeitsdiskurses an der europäischen Universität in den Blick genommen werden.

lehrveranstaltungen:

Eine Übersicht der aktuellen Lehrveranstaltungen finden Sie hier.

Wintersemester 2018/19

Proseminar: Die Staufer

Sommersemester 2018

Proseminar: Europa im 11. Jahrhundert. Universale Tendenzen und regionale Diversität

Wintersemester 2017/18

Proseminar: Reformen, Reformprojekte und Utopien im Mittelalter

Wintersemester 2016/17

Proseminar: Was Herrscher wollen. Absichten, Pläne und Strategien in der politischen Praxis des frühen Mittelalters

Übung: Irland und Europa im Mittelalter.

Sommersemester 2016

Proseminar: The First Scientist? Einführung in die Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte des 13. Jahrhunderts am Beispiel von Roger Bacon (ca. 1214-1292)

publikationen:

Monographien

  • Nützliche Philosophie. Zur Genese einer diskursiven Formation im Umfeld der Pariser Universität im 13. und frühen 14. Jahrhundert (Education and Society in the Middle Ages and Renaissance), Leiden 2018 (in Vorbereitung).

Herausgeberschaften

  • (gem. mit Jan-Hendryk de Boer), Absichten, Pläne, Strategien. Erkundungen einer historischen Intentionalitätsforschung (Kontingenzgeschichten 5), Frankfurt am Main 2018.

Aufsätze

  • The Attribution of What? Grenzen der Expertise zwischen sozialer Konstruktion und mentaler Realität, erscheint in: Praktiken und Räume des Wissens. Expertenkulturen in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Marian Füssel, Frank Rexroth und Inga Schürmann, Göttingen.
  • Transcultural History and Early Medieval Ireland. Some Reflections on European Diversity, Cultural Transfer and the History of Knowledge, in: Proceedings of the Second European Symposium in Celtic Studies, hrsg. von Raimund Karl und Katharina Möller, Hagen 2018, S. 7-22 (im Druck).
  • Intentionale Schichten. Der problematische Anweg zur Analyse von Absichten, Plänen und Strategien in der politischen Praxis des frühen Mittelalters, in: Absichten, Pläne, Strategien. Erkundungen einer historischen Intentionalitätsforschung, hrsg. von Jan-Hendryk de Boer und Marcel Bubert (Kontingenzgeschichten 5), Frankfurt a.M. 2018, S. 39-63.
  • (gem. mit Jan-Hendryk de Boer), Absichten, Pläne und Strategien erforschen. Einleitung, in: Absichten, Pläne und Strategien. Erkundungen einer historischen Intentionalitätsforschung, hrsg. von Jan-Hendryk de Boer und Marcel Bubert (Kontingenzgeschichten 5), Frankfurt a.M. 2018, S. 9-38.
  • Gelehrte Autorität und die Ordnung der Dinge. Über Wissen, Macht und die Vermessung der Wirklichkeit im Mittelalter, in: Das Mittelalter 23,1 (2018), S. 48-66.
  • Towards a Sociology of Medieval Philosophy, with Special Reference to Paris around 1300. Some Preliminary Remarks, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 19 (2018), S. 113-126.
  • (gem. mit Lydia Merten) Medialität und Performativität. Kulturwissenschaftliche Kategorien zur Analyse von historischen und literarischen Inszenierungsformen in Expertenkulturen, in: Experten, Wissen, Symbole. Performanz und Medialität vormoderner Wissenskulturen, hrsg. von Frank Rexroth und Teresa Schröder-Stapper (Historische Zeitschrift, Beihefte 71), Berlin 2018, S. 29-68.
  • Philosophische Identität? Sozialisation und Gruppenbildung an der Pariser Artistenfakultät im 13. Jahrhundert, in: Zwischen Konflikt und Kooperation. Praktiken europäischer Gelehrtenkultur (12.-17. Jahrhundert), hrsg. von Jan-Hendryk de Boer, Marian Füssel und Jana Madlen Schütte (Historische Forschungen 114), Berlin 2016, S. 309-326.
  • Roger Bacon als Apologet der profanen Wissenschaft. Die necessitas der artes liberales für die Theologie, in: Theologie und Bildung im Mittelalter, hrsg. von Peter Gemeinhardt und Tobias Georges (Archa Verbi - Subsidia 14), Münster 2015, S. 423-437.
  • Pariser Scholaren um 1200 als gewaltsame Akteure. Überlegungen zur Entstehung der Universität aus konfliktsoziologischer Perspektive, in: Studentengeschichte zwischen Mittelalter und Neuzeit, hrsg. von Andreas Speer und Andreas Berger (2014), auf historicum-estudies.net, URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/studentengeschichte/

Lexikon-/Handbuchartikel

  • (gem. mit Jan-Hendryk de Boer) „Studienführer“, in: Universitäre Gelehrtenkultur vom 13.-16. Jahrhundert. Ein interdisziplinäres Quellen- und Methodenhandbuch, hrsg. von Jan-Hendryk de Boer, Marian Füssel und Maximilian Schuh, Stuttgart 2018, S. 337-356.
  • Artikel „Gallikanischer Gesang“, „Montecassino“, „Soriano, Francesco“, in: Lexikon der Kirchenmusik, hrsg. von Günther Massenkeil und Michael Zywietz, Laaber 2013.

Aufsätze in Vorbereitung

  • Frederick II of Hohenstaufen, the Inquisitor Bernard Gui, and the Art of Hunting with Expert Knowledge. Polemical Attitudes and Demarcation of Expertise in Handbooks of the High and Late Middle Ages, erscheint voraussichtl. in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte.
  • Die gestörte Universität. Autonomie und gesellschaftliche Relevanz der Wissenschaft zwischen Mittelalter und Gegenwart, erscheint voraussichtl. in: Historische Zeitschrift.
  • Mit Fake News gegen die Verschwörung? Heucheleidiskurs, Evidenzproduktion und Deutungsmacht im Umfeld Philipps des Schönen von Frankreich (1285-1314), erscheint voraussichtl. in: Verstellungskünste. Religiöse und politische Hypokrisie in Literatur und bildender Kunst, hrsg. von Pia Döring.
  • Politische Visionen. Anderweltreisen und Legitimationsstrategien im früh- und hochmittelalterlichen Irland, erscheint voraussichtl. in: Letzte Dinge. Deutungsmuster und Erzählformen des Umgangs mit Vergänglichkeit im Horizont heterochroner Zeitsemantiken, hrsg. von Andreas Bihrer, Timo Reuvekamp-Felber und Julia Weitbrecht.
  • Karl V. von Frankreich (1364-1380), die Louvre-Bibliothek und der Eigensinn höfischer Kultur. Wissensordnungen und Kulturtransfer im französischen Spätmittelalter, erscheint voraussichtl. in: Die Bibliothek. Denkräume und Wissensordnungen, hrsg. von Andreas Speer und Lars Reuke (Miscellanea Mediaevalia).

Rezensionen

  • Antoine Destemberg, L’honneur des universitaires au Moyen Âge. Étude d’imaginaire social, Paris 2015, in: Francia-Recensio 4, 2015.
  • Paola Bernardini/Anna Rodolfi (Hrsg.), Roger Bacon’s Communia Naturalium. A 13th Century Philosopher’s Workshop (Micrologus’ Library 64) Firenze 2014, in: Historische Zeitschrift 303/3 (2016), S. 851ff.
  • Matthew Doyle, Peter Lombard and his Students (Medieval Law and Theology 8), Toronto 2016, erscheint in: Historische Zeitschrift.
  • Donnchadh Ó Corráin, The Irish Church, Its Reform and the English Invasion, Dublin 2017, erscheint in: Historische Zeitschrift.

Wissenschaftliche Blogbeiträge

  • Hunters, Inquisitors and Scholars. Construction and Demarcation of Expertise in the Manuals of Frederick II. and Bernard Gui, in: History of Knowledge. Research, Ressources and Perspectives (2018), Link
  • Städtische Gewalt und universitäre Identität. Konfliktsoziologische Überlegungen zur Frühgeschichte der Universität Paris (um 1200), in: Akademische Freiheit oder akademische Frechheit? Studentische Identität, universitäre Konflikte und obrigkeitliche Disziplinierung vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart (Sommeruniversität des Deutschen Historischen Institut Paris 2014), Link

Aktuelle Vorträge

  • Hunters, Inquisitors and Scholars. Construction and Demarcation of Expertise in the Manuals of Frederick II. and Bernard Gui, Tagung: Learning by the Book. Manuals and Handbooks ind the History of Knowledge, Princeton University (06.-10.06.2018).
  • Mit Fake News gegen die Verschwörung? Heucheleidiskurs, Evidenzproduktion und Deutungsmacht im Umfeld Philipps des Schönen von Frankreich (1285-1314), Tagung: Verstellungskünste. Religiöse und politische Hypokrisie in Literatur und bildender Kunst, Universität Münster, Exzellenzcluster Religion und Politik (14.-16.06.2018).
  • Die "Zeit der Kelten". Heterochronie und Jenseitskonzepte in der Geschichtskultur des mittelalterlichen Irland, Tagung: Letzte Dinge. Deutungsmuster und Erzählformen des Umgangs mit Vergänglichkeit im Horizont heterochroner Zeitsemantiken. Internationale mediävistische Fachtagung an der CAU Kiel (28.-30.06.2018).
  • Zwischen Königshof und Universität. Buchkultur und epistemische Ordnungen im französischen Spätmittelalter, Tagung: 41. Kölner Mediaevistentagung: Die Bibliothek. Denkräume und Wissensordnungen (10-14.09.2018).
  • Altirisches Recht und kultureller Austausch. Rechtliche Kategorien als Medien 'transkultureller Übersetzung' im früh- und hochmittelalterlichen Irland, Tagung: Imaginationen und Praktiken des Rechts. Jahrestagung des Brackweder Arbeitskreises für Mittelalterforschung, Universität Bielefeld (23.-24.11.2018).

Mitgliedschaften:

  • Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands
  • Mediävistenverband
  • Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte
  • Societas Celtologica Europaea
  • Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen (Vorstandsmitglied 2009-2013)

Tätigkeiten in der universitären Selbstverwaltung:

  • Seit WS 2018/19 Mittelbauvertreter im Vorstand des Historischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster