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„Wir wollen verhindern, dass Multiple Sklerose bei Patienten Schaden anrichtet.“

Im Labor mit Prof. Heinz Wiendl
Prof. Dr. Heinz Wiendl, Leiter der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster und CiM-Gruppenleiter

Herr Prof. Dr. Wiendl, mit welcher wissenschaftlichen Frage beschäftigen Sie sich aktuell?

Ärzte und Wissenschaftler meiner Klinik forschen an fast 80 Forschungsprojekten über die Ursache der Multiplen Sklerose (MS). Wir wollen die Krankheit besser verstehen und am liebsten maßgeschneiderte Therapien entwickeln, mit denen künftige Patienten gezielt behandelt und MS-Schübe verhindert werden können. Dafür müssen wir wissen, wie das Immunsystem mit dem Gehirn spricht, wie Immunzellen ins Gehirn wandern und warum sie dort Schaden anrichten. Da sich die Krankheit bei jedem Patienten anders verhält, suchen wir nach individuellen Mustern oder Signaturen. Dafür arbeiten wir an sogenannten Biomarkern. Das sind bestimmte zum Beispiel Marker im Blut, mit deren Hilfe wir Ärzte etwa die aufkeimende Entzündung im Gehirn von MS-Patienten sehen können. Solche Entzündungen sind für MS-Schübe verantwortlich.

Was ist Ihr großes Ziel als Wissenschaftler?

Wenn wir entzündliche Erkrankungen des Nervensystems wie MS vollständig verstehen, werden wir sie gezielt beeinflussen können. Wir sind eigentlich schon ziemlich nah an diesem Punkt. Die Forschung, die wir Ärzte und Wissenschaftler hier in Münster machen, kann entscheidend sein für die Behandlung von MS-Patienten, der Überwachung ihrer Therapie sowie die Abschätzung des Risikos von Nebenwirkungen. Das Phänomen „Autoimmunerkrankung“ wird es leider immer geben. Wir werden also nicht prinzipiell verhindern können, dass Patienten an MS erkranken. Wir wollen aber verhindern, dass die Krankheit Schaden anrichtet. Ziel ist die bestmögliche - also möglichst komplette – Krankheitskontrolle.

Was ist Ihr liebstes technisches Forschungsspielzeug und was kann es?

Das ist ein Gerät, mit dem wir einzelne Zellen multidimensional in Bewegung beobachten können. Das ist die sogenannte Durchflusszytometrie. Dabei fließen einzelne Zellen in hohem Tempo an einer elektrischen Spannung vorbei und senden fluoreszierende Farbmarkierungen aus. Wir können auf diese Weise die Eigenschaften einer Zelle erfassen. Das ist ein bisschen wie in der Fernsehserie CSI Miami. Wir kartieren Zellen und deren Funktion und im Endeffekt unterscheiden wir dann auch zwischen Gut und Böse.

Erinnern Sie sich an Ihren größten Glücksmoment als Wissenschaftler?

Das war während meiner Zeit als Postdoktorand. Da habe ich zum ersten Mal aus einer Information auf Papier funktionierende Moleküle gebastelt – genauer gesagt einen funktionierenden T-Zell-Rezeptor in einer lebenden Zelle.

Und wie sah Ihr größter Frustmoment aus?

Frustmomente gab es viele. Ich habe einmal monatelang an einem T-Zellen-Rezeptor gebastelt. Er hat aber dann leider nichts erkannt. Dabei habe ich technisch eigentlich alles richtig gemacht. Es hat nur leider nicht funktioniert.