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Erste Absolventin des Studiengangs „Experimentelle Medizin“

Universität Münster bildet angehende Ärztinnen und Ärzte zusätzlich für die Forschung aus
Die Medizinabsolventin Stefanie Bobe arbeitete während ihres Studiums der experimentellen Medizin an der WWU viel am Mikroskop.
© WWU/Michael Kuhlmann

Pünktlich zu ihrem dritten Staatsexamen in der Humanmedizin hat Stefanie Bobe parallel den Master of Science in „Experimenteller Medizin“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster abgeschlossen. Sie ist die erste Absolventin dieses Programms, das angehende Ärztinnen und Ärzte ergänzend zur klinischen Ausbildung an die naturwissenschaftliche Laborforschung heranführt. „Ich wollte eine Ebene tiefer in die Medizin schauen“, erzählt die 26-Jährige. Im Medizinstudium stehe im Fokus, wie bestimmte Krankheitsbilder aussehen, wie sie Menschen beeinträchtigen und wie man dann helfen könne. „Mich fasziniert es aber auch, nach den Mechanismen dahinter zu fragen, die die biomedizinische Grundlage für verbesserte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sind“, erklärt sie. Durch das Studium habe sie das Gefühl, noch mehr Fragen stellen und mit entsprechenden Methoden auch nach Antworten suchen zu können. Stefanie Bobe startete das aus einer „Junior Class“ und einem Masterprogramm bestehende Studium in der ersten Kohorte im Sommersemester 2015 zusammen mit 14 weiteren Studierenden. Aktuell sind 123 Studierende in dem Programm eingeschrieben.

Studierende haben an aktueller Forschung teil

Gewebeschnitt aus der Leber einer Maus: Ein Lymphgefäß (rot) verläuft an der Gabelung einer Vene (grün). Stefanie Bobe untersuchte die Gefäßstrukturen mit konfokaler Fluoreszenzmikroskopie.
© Stefanie Bobe

„In meinem Studium habe ich mindestens so viel Zeit im Labor verbracht wie in der Klinik“, sagt Stefanie Bobe. In praktischen Kursen erlernte sie grundlegendes Handwerkszeug für die Arbeit mit Zellen, erhielt Einblicke in verschiedene Forschungsgruppen und arbeitete bei laufenden Experimenten mit. Dabei begegnete sie auch zahlreichen Forschenden aus der Biologie und Chemie, die zur Ausbildung der Studierenden an der Medizinischen Fakultät beitragen. „Diese enge Verbindung zwischen der Medizin und den Naturwissenschaften ist in der Forschung an der WWU über viele Jahre gewachsen“, erzählt Prof. Dr. Rupert Hallmann, Koordinator des Studiengangs. Durch eine fachbereichsübergreifende wissenschaftliche Einrichtung, das Cells in Motion Interfaculty Centre, ist die Vernetzung der Fächer auch strukturell verankert. „Die Forschungsgruppen leben das auch in der Lehre“, sagt Rupert Hallmann.

Einen besonders intensiven Einblick in die experimentelle Forschung erhielt Stefanie Bobe im Team des Biochemikers Prof. Dr. Friedemann Kiefer. Dort untersuchte sie für ihre Masterarbeit, wie die Lymphgefäße der Leber bei Mäusen aussehen und etablierte Techniken, um diese einzufärben und mit einem Lichtblattmikroskop dreidimensional darstellen zu können. „Ich schaue mir unglaublich gern mikroskopische Bilder an“, erzählt sie lachend. In einem anschließenden Projekt ging es darum, auch Gewebeproben der menschlichen Leber einzufärben und die Gallengänge darzustellen, die bei entzündlichen Prozessen und Krebserkrankungen eine Rolle spielen können. Dabei arbeitete das Team um Friedemann Kiefer mit dem Chirurgen Prof. Dr. Jan Schulte am Esch und dem Physiker Prof. Dr. Thomas Huser von der Universität Bielefeld zusammen. „In diesem Team fühle ich mich super wohl, weil ich einerseits selbst im Labor stehe und biologisch arbeite, aber auch verstehe, wie die Gewebeproben von Patienten im OP gewonnen werden“, erzählt Stefanie Bobe. Dem Team gelang es, Strukturen der Leber mit unterschiedlichen optischen Bildgebungsverfahren erstmals in verschiedenen Größendimensionen darzustellen, die die Skala vom Nanobereich über Millimeter bis zu Zentimetern nahtlos abdecken. Aus dem Projekt resultierte eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift, bei der Stefanie Bobe eine der beiden Erstautorinnen ist. Die neuen Bildgebungsmöglichkeiten hat das Team nun dafür genutzt, die Gallengänge weiter zu untersuchen und Ansätze für eine neue diagnostische Ebene bei Lebererkrankungen zu finden. Weitere Publikationen sind in Vorbereitung.

„Für den Mehraufwand bekommt man ein großes Geschenk“

Den größten Teil des Studienprogramms „Experimentelle Medizin“ absolvierte Stefanie Bobe parallel zu ihrem Studium der Humanmedizin. „Das ist eine organisatorische Besonderheit des münsterschen Programms“, erklärt Rupert Hallmann. Das Studium besteht aus einer sechssemestrigen „Junior Class“ und drei Semestern im Masterstudiengang. „Ich hatte während meines Studiums wenige Wochen frei, die Semesterferien habe ich für die Praktika genutzt – aber dafür bekommt man ein großes Geschenk“, sagt die Medizinabsolventin. Die „Junior Class“ absolvierte sie ein Semester schneller als geplant, an ihrer Masterarbeit arbeitete sie ein Jahr lang in Vollzeit. Eins ihrer Praktika absolvierte sie während eines Auslandssemesters in Wien. „In einem neuen Studiengang läuft natürlich nicht alles nach Plan A“, sagt sie. Dies habe sie aber als Chance erlebt und den Ablauf ihres Studiums sehr flexibel gestalten können. Ihrer Liebe zur Mikroskopie und der Arbeit mit Gewebeproben möchte Stefanie Bobe zukünftig treu bleiben: Die Facharztausbildung möchte sie gern in der Pathologie machen und hofft, auch in diesem Karriereschritt die Arbeit als Ärztin mit der Forschung verbinden zu können.

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Autorin: Doris Niederhoff