Die Bronzeprägung von Phokaia


Die an der Westküste Kleinasiens gelegene ionische Polis Phokaia prägte seit ca. 600 v. Chr. bis ins 3. Jh. n. Chr., also fast 900 Jahre lang, kontinuierlich Münzen. Der Schwerpunkt des bisherigen wissenschaftlichen Interesses an Phokaia konzentrierte sich lediglich auf die archaische Zeit, die Blütezeit der Stadt. Dieses Bild lässt sich ebenfalls auf die Erforschung der numismatischen Zeugnisse übertragen, da auch von diesen bislang nur die frühen Elektronprägungen der Polis untersucht wurden, während die Bearbeitung der gleichzeitig ausgegebenen Silbermünzen, der spätklassischen bis hellenistischen wie auch der kaiserzeitlichen Bronzen noch aussteht. Die vorkaiserzeitlichen Bronzemünzen, die zur Zeit noch sehr grob ins 4.–1. Jh. v. Chr. datiert werden, zeigen auf den Vorderseiten die Götter Athena und Hermes, unterdessen bildet auf den Rückseiten der Greif, das „zweite Stadtwappen“ der Polis, das beliebteste Bildmotiv.

Während die Wiedergabe der Robbe, des sprechenden Stadtwappens Phokaias, auf den vorkaiserzeitlichen Bronzemünzen lediglich auf die frühen Stücke begrenzt ist, taucht sie auf den kaiserzeitlichen Prägungen nicht ein einziges Mal auf. Auch ist hinsichtlich der dargestellten Götter eine Diskontinuität zwischen den vorkaiserzeitlichen und kaiserzeitlichen Münzen zu verzeichnen, die es zu untersuchen gilt. Neben der Erstellung eines umfassenden Kataloges, soll u. a. die Bedeutung der auf den Stücken wiedergegebenen Götter und Mythen für die Stadt näher erörtert werden. Weiterhin soll versucht werden, Erkenntnisse hinsichtlich des Münzausstoßes und des Umlaufs zu erlangen, sowie auch im Bezug auf das Nominalsystem sowohl der vor- als auch der kaiserzeitlichen Bronzeprägungen.

Berücksichtigt man, dass die Prägungen in der Antike nicht nur als reines Zahlungsmittel, sondern auch als Informationsträger Verwendung fanden, sind die Münzen als historische Quelle für die heutige Forschung von großer Bedeutung, denn diese ermöglichen neben den literarischen, epigraphischen und archäologischen Zeugnissen wichtige Einblicke in die sozialen, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und religiösen Verhältnisse der Stadtgeschichte. So bilden die kaiserzeitlichen Prägungen Phokaias, die aufgrund des auf ihnen wiedergegeben Bildrepertoires von besonderer Bedeutung sind, fast die einzigen Quellen, die sich für jene Zeit in Bezug auf die Stadt erhalten haben.