WWU News

|
Münster (upm/ja)

WWU verleiht sechs Dissertationspreise

Feierstunde im Schloss / 7500 Euro als Dotierung
Die Preisträger 2016: Martin Menze, Dr. Tom Völler, Dr. Anna Maria Riedl, Dr. Willi Mutschler, Dr. Alexander Milstein, Dr. Lassan Tozakidis (v.l.)<address>© WWU - Peter Grewer</address>
Die Preisträger 2016: Martin Menze, Dr. Tom Völler, Dr. Anna Maria Riedl, Dr. Willi Mutschler, Dr. Alexander Milstein, Dr. Lassan Tozakidis (v.l.)
© WWU - Peter Grewer

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) ein großes Anliegen – eine besondere Form der Anerkennung für außergewöhnliche Promotionen gehört an der WWU traditionell dazu. Sechs herausragende Absolventinnen und Absolventen hat die Prorektorin für strategische Personalentwicklung, Prof. Dr. Maike Tietjens, am heutigen Freitag (2. Dezember) bei einer Feierstunde im Schloss mit einem Dissertationspreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit jeweils 7500 Euro dotiert.

Mit Dissertationspreisen wurden gewürdigt die Theologin Anna Maria Riedl für eine Arbeit über die Philosophin Judith Butler, der Jurist Alexander Milstein für eine Analyse des "territorialen Zusammenhalts" der EU und der Volkswirt Willi Mutschler für Neuigkeiten zum Verständnis von Geld- und Fiskalpolitik. Darüber hinaus ging der Preis an den Mediziner Tom Völler, der die Früherkennung von Entzündungen präzisierte, sowie an den Gräzist (altgriechische Philologie) Martin Menze für eine Arbeit zur antiken griechischen Literatur und an den Chemiker Iasson Tozakidis, der neue Wege zum Umgang mit Biomasse als Rohstoff fand.

Die Dissertationspreisträger und ihre Arbeiten im Einzelnen:

Dr. Anna Maria Riedl (Katholisch-Theologische Fakultät)
Thema: "Ethik an den Grenzen der Souveränität. Christliche Sozialethik im Dialog mit Judith Butlers Anerkennungstheorie. Mit einer Untersuchung zum Kindeswohlbegriff
Betreuerin: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins

Anna Maria Riedl setzte sich mit den Theorien der ebenso einflussreichen wie umstrittenen zeitgenössischen Philosophin Judith Butler (Berkeley/USA) auseinander. Weil diese in erster Linie mit gender-theoretischen Überlegungen bekannt wurde, ging es darum, Missverständnisse der Rezeption aufzuarbeiten und aufzuzeigen, dass ihr Werk wesentlich weiter reicht. Indem Anna Maria Riedl den Ertrag ihrer Auseinandersetzung mit Judith Butler auf die ethischen Fragen des Kindeswohls bezieht, überprüft und belegt sie die beachtliche praktische Relevanz der theoretischen Überlegungen.

Dr. Alexander Milstein (Rechtswissenschaftliche Fakultät)
Thema: "Daseinsvorsorge und territorialer Zusammenhalt"
Betreuer: Prof. Dr. Hans D. Jarass

Die Arbeit geht angesichts des bevorstehenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union einer hochaktuellen Frage nach. Welche Kraft hält die EU zusammen, obwohl keine Nation, kein Staat und auch keine Krone einheitsstiftend wirkt? Dazu analysiert Alexander Milstein das in den "Europäischen Verträgen" verankerte Rechtsprinzip des territorialen Zusammenhalts und weist nach, dass die Verbundenheit der Völker Europas auf den Pfeilern der Rechtsstaatlichkeit und der gegenseitigen Solidarität beruht. Weitergehend entfaltet die Arbeit die einzelnen Anwendungsfelder des territorialen Zusammenhalts wie Wettbewerbspolitik, Strukturförderung sowie Infrastruktur und zeigt so die praktische Bedeutung des territorialen Zusammenhalts auf. Auf diese Weise leistet die Untersuchung einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der EU.

Dr. Willi Mutschler (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Thema:  "Local identification of nonlinear and non-Gaussian DSGE models" ("Lokale Identifizierung nichtlinearer und nicht-Gaußscher DSGE-Modelle")
Betreuer: Prof. Dr. Mark Trede

Die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Volkswirtschaftslehre und Statistik ("Ökonometrie") beschäftigt sich mit der Identifizierbarkeit von "Dynamischen Stochastischen Allgemeinen Gleichgewichts (DSGE)"-Modellen, die im analytischen Instrumentarium von Zentralbanken und anderen wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern in den vergangenen 15 Jahren an Relevanz gewonnen haben. Sie werden maßgeblich für unser heutiges Verständnis von der Wirkungsweise der Geld- und Fiskalpolitik verwendet. Willi Mutschler entwickelte Methoden, um eine Identifizierbarkeit zu ermöglichen.

Dr. Tom Völler (Medizinische Fakultät)
Thema:  "Früherkennung von Entzündungen in verschiedenen Krankheitsmodellen"
Betreuer: Prof. Dr. Thomas Vogl

In seiner Arbeit zur Grundlagenforschung befasste sich Tom Völler mit der Früherkennung von Entzündungskrankheiten. Er widmete sich der Weiterentwicklung bildgebender Methoden der Früherkennung. Häufig werden etwa Ultraschall oder Magnetresonanztomografie angewandt, die zur Darstellung von krankhaften Befunden Kontrastmittel benötigen. Tom Völler verwendete eine neue Substanz, die eine noch spezifischere Darstellung von Entzündungen ermöglicht. Dadurch war es möglich, die aktuelle Stärke einer Entzündung zu messen und den Verlauf der Erkrankung vorherzusagen. Für seine Forschungen erhielt er jüngst bereits den mit 2500 Euro dotierten Promotionspreis der Medizinischen Fakultät.

Martin Menze (Fachbereich Geschichte/Philosophie)
Thema: "Heliodors klassische Ekphrase. Die literarische Visualität der Aithiopika im Vergleich mit ihren Vorläufern bei Homer und Herodot sowie ihrer frühneuzeitlichen Rezeption bei Miguel de Cervantes"
Betreuer: Prof. Dr. Christian Pietsch

Martin Menze beschäftigt sich in seiner Arbeit mit den Stationen der antiken griechischen Literatur nach den jeweils verwendeten visualisierenden Darstellungen (Deskriptionen) und vergleicht sie miteinander. Dazu gehört zum Beispiel die Darstellung statisch-bildhafter Beschreibungen (Ekphrasen) von Homer (8. Jh. v. Chr.) über den Historiografen Herodot (5. Jh. v. Chr.). Charakteristisch für Martin Menzes Arbeitsweise ist – neben der umfassenden Kenntnis der antiken Literatur – vor allem die Interdisziplinarität: Er berücksichtigt neben antiken auch moderne Theoriedebatten und erzielt Ergebnisse, die weit über die Klassische Philologie hinaus für Neuphilologien, etwa die Romanistik, von Bedeutung sind.

Dr. Iasson Tozakidis (Fachbereich Chemie/Pharmazie)
Thema: "Autodisplay von Cellulasen auf Pseudomonas putida, Zymobacter palmae und Zymomonas mobilis - Ein Ganzzell-Ansatz zur vereinfachten Hydrolyse von Cellulose"
Betreuer: Prof. Dr. Joachim Jose

In der Arbeit geht es um die Herstellung von Wertstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen im Kontext der Energiewende. So könnte pflanzliche Biomasse (Agra-Abfälle) sehr gut als Rohstoff dienen. Diese fällt in großen Mengen an und besteht etwa zur Hälfte aus Cellulose. Da die Cellulose vor ihrer Nutzung zur Wertstoffgewinnung zunächst in Glukose ("Zucker") umgewandelt werden muss, sind Enzyme notwendig, sogenannte Cellulasen. Diese Enzyme sind jedoch sehr teuer. Iasson Tozakidis entwickelte sogenannte Ganzzell-Katalysatoren, also lebende Bakterien, welche die genannten Enzyme auf der Zelloberfläche tragen. Diese Bakterien können einfach kultiviert werden und anstelle der Enzyme direkt auf die Biomasse gegeben werden. Das reduziert die Kosten und ermöglicht eine auch ökonomisch sinnvolle Verwertung nachwachsender Rohstoffe.

Links zu dieser Meldung