|
Münster (upm/ch).
Das Schwerpunktthema des &quot;Dream reactions&quot;-Symposiums in diesem Jahr ist Wasserstoff.<address>© Dylan - stock.adobe.com</address>
Das Schwerpunktthema des "Dream reactions"-Symposiums in diesem Jahr ist Wasserstoff.
© Dylan - stock.adobe.com

„Chemie ist essenziell für unsere Gesellschaft“

Frank Glorius über die Tagung zu Nachhaltigkeit in der Chemie an der Universität Münster

Nachhaltige Entwicklung ist eine Herausforderung, der sich auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) stellen. Der Chemiker Prof. Dr. Frank Glorius organisiert mit seiner Arbeitsgruppe ein Symposium zu Fragen der Nachhaltigkeit in der Chemie, das erstmals am 24. August im Schloss der Universität Münster stattfindet. Schwerpunktthema ist Wasserstoff. Interessierte sind willkommen, jedoch ist eine Online-Anmeldung bis zum 23. August erforderlich. Zu dem Symposium haben sich bereits mehr als 200 Interessierte angemeldet. Frank Glorius gibt im Interview mit Christina Hoppenbrock Einblicke in den Wandel der Chemie und stellt das neue Tagungsformat vor.

Wasserstoff gilt als ein möglicher Energieträger der Zukunft. Darum geht es bei der Tagung aber nicht, oder?

Doch, die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger sowie Wasserstoffspeicherung können auch Themen des Symposiums sein. Es gibt aber sehr viele weitere Verwendungen von Wasserstoff in wichtigen chemischen Reaktionen. Ein Beispiel ist die Hydrierung von Aromaten oder anderen ungesättigten Substraten. Auch in der Lebensmittelproduktion wird Wasserstoff verwendet, beispielsweise bei der Herstellung von Margarine aus flüssigen Pflanzenölen.

Prof. Dr. Frank Glorius organisiert mit seiner Arbeitsgruppe ein Symposium zu Fragen der Nachhaltigkeit in der Chemie.<address>© Bayer Foundation</address>
Prof. Dr. Frank Glorius organisiert mit seiner Arbeitsgruppe ein Symposium zu Fragen der Nachhaltigkeit in der Chemie.
© Bayer Foundation
Das Tagungsmotto heißt ,Dream reactions with (and without) hydrogen‘. Wieso ,without‘, also ohne Wasserstoff?

Wasserstoff ist zwar das Schwerpunktthema, aber wir heißen alle willkommen, die an nachhaltiger Chemie interessiert sind, und wir wollen auch von ihnen lernen. Es werden daher auch viele weitere Gebiete nachhaltiger Chemie präsentiert. Neben den Plenarvorträgen gibt es 45 Poster-Präsentationen.

Viele Menschen sehen die chemische Industrie als mitverantwortlich für Umweltverschmutzung. Der Begriff ,chemisch‘ wird manchmal sogar gleichbedeutend mit ,gesundheitsgefährdend‘ verwendet. Wie kann Chemie für mehr Nachhaltigkeit sorgen?

Chemie ist diejenige Naturwissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Substanzen beschäftigt. Sie ist für unsere Gesellschaft essenziell. Ohne Chemiker gäbe es keine Medikamente, keine Gegenstände aus Metall oder Kunststoff, somit auch keine Bildschirme, Mikroprozessoren, Autos, Fahrräder, Uhren und zudem keine Nahrungsmittel für acht Milliarden Menschen. Diese Naturwissenschaft hat die Menschen über Jahrhunderte in ihren Bann gezogen: Es ist faszinierend zu verstehen, was um uns herum und in uns ist, diese Prozesse beeinflussen zu können und die Lebensqualität von Menschen und Tieren konkret zu verbessern. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen an der Universität Münster beschäftigen sich mit Nachhaltigkeitsthemen, zum Beispiel mit der Nutzung von Algen zur Produktion von Wasserstoff, effizienteren Syntheseprozessen, leistungsfähigeren Batterien oder der Untersuchung von Verunreinigungen in Lebensmitteln.

Aber woher kommt das schlechte Image der Chemie?

Heute hat man zu Recht auch die Gefahren und Kosten chemischer Prozesse und chemischer Produkte vor Augen. Die Vorgehensweise ,Nehmen – nutzen – ab in den Müll‘ ist nicht mehr zeitgemäß; man muss nachhaltigere Prozesse entwickeln. Die Chemie muss stimmen. Schlüssel zum Erfolg sind dabei eine gute, moderne Ausbildung der nächsten Generation und innovative Kooperationen zwischen allen Chemikern.

Welche Redner erwarten Sie bei dem Symposium?

Wir freuen uns auf international führende Forscherinnen und Forscher, beispielsweise aus Israel, den USA, Schweden, Dänemark und Deutschland. Sie werden thematisch einen sehr breiten Bogen spannen: von der Wasserstoffspeicherung über den Abbau von Kunststoffen zu hochselektiven Umsetzungen, der Verwendung gut verfügbarer Rohstoffe und auch der Katalyse ganz ohne Metalle.

Wird es weitere „Dream Reactions“-Tagungen geben?

Das nächste „Dream Reactions“-Symposium ist bereits geplant. Es findet am 29. August 2024 statt, wieder parallel zum Turnier der Sieger und mit dem Schwerpunktthema Licht(energie).

Links zu dieser Meldung