Das Archäologische Museum ist von Dienstag, 1. September, bis einschließlich Montag, 14. September, wegen der aktuellen Grabungssaison geschlossen.

Assyriens verborgene Könige

Alexander Johannes Edmonds und Eckart Frahm haben Beweise entdeckt, dass die assyrische Königliste nicht vollständig ist.
Alexander Johannes Edmonds und Eckart Frahm haben Beweise entdeckt, dass die assyrische Königliste nicht vollständig ist.
© The British Museum and the Cuneiform Digital Library Initiative

Mehr als 100 Jahre lang ging man davon aus, dass die Herrscher im antiken Assyrischen Reich im Vorderen Orient auf einer Königsliste – einem prestigeträchtigen Text, erhalten in mehreren Tontafelexemplaren – vollständig aufgelistet sind. Altorientalisten der Universitäten Münster und Yale konnten nun belegen, dass es drei weitere Könige gab. "Seit der Entdeckung der Königstafel Anfang des 20. Jahrhunderts hat keiner die Reihenfolge angezweifelt", erläutert Dr. Alexander Johannes Edmonds vom Institut für Altorientalistik und Vorderasiatische Archäologie. Die Wissenschaftler haben bei einer neuen Analyse von Keilschriften aus dem 10. und 8. Jahrhundert vor Christus Beweise für drei bisher unbekannte assyrische Könige gefunden. 

Erkundungen in 5000 Metern Höhe

Das Forschungsteam auf 5.050 Metern Höhe (von links): Ünsal Yalçın (Universität Isparta), Achim Lichtenberger (Universität Münster), Coen Hofstede (Alfred-Wegener-Institut), David Wachs (Universität Heidelberg) und Johanna Brehmer-Moltmann (Alfred-Wegener-Institut)
© privat

Unter der Leitung von Museumsdirektor Prof. Achim Lichtenberger vom Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie hat ein Team aus Archäologen, Glaziologen und Bergsteigern zwei Wochen lang den Ararat erkundet. Sie wollten feststellen, ob das Eis des höchsten Bergs der Türkei ein einzigartiges Archiv der Klima- und Kulturgeschichte bewahrt. Die Experten nutzten eine Kombination aus Bodenradar und aktiver Seismik, um Dicke und der Untergrund des Eises kartieren. Bei der nächsten Expedition soll erstmals ein Eisbohrkern vom Ararat gewonnen werden.

"Für die Archäologie eröffnet sich damit eine neue Quelle", sagt Projektleiter Lichtenberger. "Bislang sind wir darauf angewiesen, was im Boden liegt. Das Eis könnte hingegen eine durchgehende Chronik menschlichen Handelns bewahren – Schicht für Schicht über Jahrtausende hinweg." Der Berg liegt an einem Kreuzungspunkt früher Zivilisationen. Während es vergleichbare Untersuchungen im Mittelmeerraum bereits in den Alpen gab, ist der Nahe Osten in dieser Hinsicht bislang unerforscht.