Forschungsprojekte von Prof. Dr. Werner Freitag

Preußische Amtmannbürokratie und lokale Selbstverwaltung: Dörfliches Entscheiden in der preußischen Provinz Westfalen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Im Teilprojekt C05 des Sonderforschungsbereichs 1150 Kulturen des Entscheidens werden bürokratische, informelle und politische Praktiken des Entscheidens in westfälischen Dörfern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts untersucht. Zu diesem Zweck werden zunächst die verschiedenen Dimensionen situationsadäquater Maßnahmeentscheidungen genauer analysiert, da es auf Seiten der Lokalverwaltung im Gefolge der Landgemeindeordnungen von 1841 und 1856 mit dem Amtmann nur einen Akteur gab. Dieser stand in einem Spannungsverhältnis zu dörflichen Interessen und Partizipationsansprüchen. Ausführliche Projektbeschreibung

Projektmitarbeiterin: Constanze Sieger


Topographie des Multireligiösen. Gemeindeausbau und neue Gotteshäuser in Großstädten des 19. und 20. Jahrhunderts

Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen Urbanisierung und Gemeindeausbau bis in die 1920er Jahre anhand der alten Reichstadt Dortmund, die seit den 1880er Jahren zur industriell geprägten Großstadt aufstieg. Dabei wird gefragt, inwiefern sich mit dem noch wenig erforschten Kirchenbauboom dieser Zeit in den Vierteln mit Pfarrhäusern, Gemeindesälen, Kleinkinderschulen (Kindergärten), Bibliotheken, konfessionellen Krankenhäusern und andere karitative Einrichtungen neuartige religiöse Zentren herausbildeten, die im Nebeneinander der konfessionell gebundenen christlichen und der jüdischen Institutionen Multireligiösität in der modernen Stadt erfahrbar machten. Die Untersuchung der Zentrenbildung erfolgt unter besonderer Verwendung kartographischer Quellen und bauhistorischer Zeugnisse, doch wird anhand der archivalischen Schriftüberliferung auch nach damit zusammenhängenden Konflikten und Aushandlungsprozessen geforscht. Das Teilprojekt C2-23 des Exzellenzclusters Religion und Politik wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte umgesetzt. Ausführliche Projektbeschreibung

Projektmitarbeiter: Dr. Daniel Stracke


Lokale Märtyrer des „Dritten Reiches“

Ziel des Forschungsprojektes ist es, das Wechselverhältnis von religiöser Heilserwartung und politischem Feld anhand der Verehrung lokaler „Märtyrer des Nationalsozialismus“ im Zeitraum von 1923 bis 1939 zu analysieren. Vergleichend betrachtet werden dabei die Konstruktion und Verehrung von „Alten Kämpfern“ in Westfalen und von Juliputschisten in der Steiermark. Einen besonderen Stellenwert nimmt daher die gewählte Perspektive ein: Im Mittelpunkt des Projektes stehen NS-Märtyrer im lokalen Kontext, im Provinzbereich der nationalsozialistischen Herrschaft. Das Projekt D2-2 ist ein Teilprojekt des Exzellenzclusters Religion und Politik. Im Rahmen des Projekts enstand die Dissertation von Sarah Thieme mit dem Titel „Sakralisierte Politik und christliche Sakralinteraktion: Nationalsozialistischer Märtyrerkult im westfälischen Ruhrgebiet (1929–1939)“. Ausführliche Projektbeschreibung

Projektmitarbeiterin: Sarah Thieme M.A.

  • Abgeschlossene Projekte

    Stadtgeschichte Billerbeck

    Von Juli 2009 bis Dezember 2012 entstand eine umfassende moderne Geschichte der münsterländischen Stadt Billerbeck, die sich auch mit Fragen der Kleinstadtforschung auseinandersetzt. Dabei konnten die Bearbeiterinnen Constanze Sieger und Dörthe Gruttmann in Verbindung mit Fachwissenschaftlern der Region verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte erarbeiten, die auf 702 reich bebilderten Seiten sowohl dem Fachpublikum neue Forschungsergebnisse präsentiert wie auch dem heimatkundlich Interessierten eine gut verständliche Lektüre bietet. Das Projekt wurde vom Institut für vergleichende Städtegeschichte mit Unterstützung des Unternehmers Wolfgang Suwelack umgesetzt.

    Projektmitarbeiterinnen: Dörthe Gruttmann M.A., Constanze Sieger

    Publikation: Werner Freitag (Hrsg.) unter Mitarbeit von Dörthe Gruttmann und Constanze Sieger, Geschichte der Stadt Billerbeck, Bielefeld 2012.


    Segen für die Mächtigen: Legitimität und Legitimation politischer Herrschaft in spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtprozessionen

    Das Projekt wurde von 2007 bis 2012 als Teilprojekt B4 des Exzellenzclusters Religion und Politik bearbeitet und befasste sich mit der politischen Dimension religiöser Umgänge in einer epochenübergreifenden und vergleichenden Perspektive. Projektseite und Publikationen

    Projektmitarbeiter/innen: Dr. Károly Goda, Megumi Hasegawa M.A. (Graduiertenschule), Dr. Lena Krull, Kristina Thies M.A. (Graduiertenschule)


    Profan und heilig: Kirchhöfe als Orte und Räume symbolischer Kommunikation in der ländlichen Gesellschaft Westfalens (15.-18. Jahrhundert)

    Zwischen 2006 und 2011 untersuchte das Projekt das Mit- und Gegeneinander von sakralen und profanen Raumwahrnehmungen und -nutzungen auf katholischen und evangelischen Kirchhöfen im Oberstift Münster. Im Rahmen dieses Teilprojekts C6 des Sonderforschungsbereichs 496 Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme entstanden die Dissertationen von Jan Brademann und Christof Spannhoff.

    Projektmitarbeiter: Dr. Jan Brademann, Dr. Christof Spannhoff


    Geschichte der Stadt Halle (Saale)

    Anlässlich des 1200jährigen Stadtjubiläums beauftragte die Stadt Halle im Dezember 2002 drei Pro­fessoren der Mar­tin-Luther-Uni­versi­tät Halle-Wit­tenberg mit Konzeption und Erstel­lung einer "großen", zweibändigen Stadt­geschichte, der ersten seit 1889! Am 30. November 2006 wurde das Werk zum Tag der Hallischen Stadtgeschichte in den Franckeschen Stiftungen der Öffentlichkeit präsentiert.

    Publikation: Werner Freitag/Andreas Ranft/Katrin Minner (Hrsg.), Geschichte der Stadt Halle (Saale), 2 Bde., Halle 2006.


    Stadtgeschichte Gütersloh

    2001 wurde das Projekt einer Stadtgeschichte für Gütersloh abgeschlossen, die von Prof. Dr. Werner Freitag zusammen mit Dr. Katrin Minner und Dr. Heike Vieregge erarbeitet wurde. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurde die Publikation im Auftrag der Stadt Gütersloh - unterstützt durch die Miele-Stiftung - erarbeitet.

    Publikation: Werner Freitag (Hrsg.), Geschichte der Stadt Gütersloh, 2. Aufl., Bielefeld 2003.


    Freiheit, Bürger, Revolution. Die Region Sachsen-Anhalt 1847-1849

    1997 und 1998 forschten Studierende des Instituts für Geschichte der Mar­tin-Luther-Uni­versi­tät Halle-Witten­berg zur „bürgerlichen“ Revolution in der Provinz Sachsen und in den anhal­tischen Herzog­tümern. Die Ergebnisse wurden in einer Aus­stellung im Kultur­histo­rischen Museum Mag­deburg präsentiert. Im Rahmen des Projekts wurde eine Katzenmusik aufgenommen.

    Publikation: Werner Freitag/Matthias Puhle (Hrsg), Freiheit, Bürger, Revo­lution. Die Region Sach­sen-Anhalt 1847-49, Bielefeld 1998.


    Das Dritte Reich im Fest

    Studierende und Doktorandinnen bzw. Doktoranden der Fakultät für Geschichts­wissen­schaft in Bielefeld forschten von 1995 bis 1997 zu einzelnen Festen in Westfalen im Zeitraum von 1933 bis 1945. Aus dem Material entstanden die Wander­ausstel­lung „Alle sollen fröhlich sein! Das Dritte Reich im Fest“ sowie ein Videofilm der Landesbildstelle. Das Projekt wurde zusammen mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen realisiert.

    Publikation: Werner Freitag (Hrsg.), Das Dritte Reich im Fest. Füh­rer­mythos, Feierlaune und Verweigerung in Westfalen 1933-1945, Bielefeld 1997.