Konzept

Das Praxissemester ist für die Studierenden aller Lehrämter seit 2015 im 2. oder 3. Semester der Masterphase des Lehramtsstudiums verortet. Es liegt in der Verantwortung der Universität, wird aber gemeinsam von der Universität, den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und den Schulen im Regierungsbezirk Münster gestaltet.

Im Fach Katholische Religionslehre werden Begleitveranstaltungen durch das Institut für Katholische Theologie und ihre Didaktik angeboten.

Das Praxissemester im Fach Katholische Religionslehre wird konzeptionell von der Fachgruppe verantwortet, die auch Informationsmaterialien erstellt und Austauschformate anbietet. Die Fachgruppe Katholische Religionslehre setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Schulen in der Region, der Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und des Instituts für Katholische Theologie und ihre Didaktik der WWU Münster zusammen.

Das fachspezifische Konzept für das Praxissemester in der Ausbildungsregion Münster finden Sie unter Dokumente.

Leitidee: Forschendes Lernen

Ziel des Foschenden Lernens ist es, dass die Studierenden eine selbstreflexive, kritische und forschende Grundhaltung gegenüber der Berufspraxis einnehmen, mit der sie sowohl in der Ausbildung als auch in ihrer späteren Berufstätigkeit ihren Professionalisierungsprozess selbstständig voranbringen können.


Erfolgreiches Forschendes Lernens drückt sich dadurch aus, dass Studierende den situativen Herausforderungen gerecht werden, indem sie nicht nur auf die (sich irgendwann einstellende eigene oder auch fremde Erfahrung zurückgreifen (Stichwort: Erfahrungsfalle (T. Hascher)). Stattdessen soll das Beobachten der pädagogischen Situation geschult werden, was die Basis für einen Blick in die wissenschaftliche Literatur zu dem jeweiligen Themenbereich/der Beobachtung ist. Damit gehen die Studierenden einen Schritt hin zu einem „reflektierten Praktiker“ (D. Schön). Dies meint Lehrpersonen, die ihr eigenes Handeln, ihren Unterricht insbesondere in der Reflexion von konkreten Situationen evaluieren, kritisch hinterfragen und gegebenenfalls verändern können.


Zusammenfassend soll durch das Forschende Lernen im Praxissemester:

  1. die forschende Haltung angebahnt werden,
  2. die Möglichkeit gegeben werden, sich das nötige Rüstzeug für eine reflexiv-kritische berufliche Praxis anzueignen,
  3. eine vertiefte Auseinandersetzung mit einem ausgewählten fachdidaktischen Themengebiet ermöglicht werden,
  4. ein Bewusstsein für die gegenseitige Verwiesenheit von Theorie und Praxis und deren konkreten Nutzen für die professionelle Berufstätigkeit entwickelt werden.

Beim Forschenden Lernen geht es nicht um universitäre Forschung in der Schule. Ziel ist die Entwicklung einer selbstreflexiven, kritischen und forschenden Grundhaltung für die Berufspraxis, um den eigenen Professionalisierungsprozess lebenslang selbstständig voranbringen zu können.

Herausforderungen des Praxissemesters im Fach Katholische Religionslehre

Das Praxissemester bietet die Chance, die Praxis im späteren Berufsfeld und die theoretische religionspädagogische Modellbildung miteinander zu verbinden. Die Herausforderung liegt darin,

  • das Praxissemester nicht als „Unterbrechung“, sondern als integrativen Teil des Studiums mit Blick auf die eigene religiöse und professionsorientierte Entwicklung zu identifizieren,
  • Theorie und Praxis wechselseitig zu verbinden: religionsdidaktische Prinzipien wie Korrelation aus der Praxis heraus so zu durchdringen, dass das eigene Handeln zielführend gestaltet wird,
  • die eigene Rolle als Religionslehrerin, als Religionslehrer in Zeiten von Pluralität zu erproben und den Rollenwechsel zu reflektieren,
  • Unterrichtsthemen wie auch alltägliche Situationen mit einer theologischen Perspektive zu erfassen und religionspädagogisch zu gestalten,
  • sich glaubwürdig den besonderen Anforderungen des Religionsunterrichts zu stellen, etwa in religiös sehr heterogenen Lerngruppen.

Studienprojekte (Prüfungsleistung)

Hier konkretisieren die Studierenden ihre Grundhaltung des Forschenden Lernens. Im Mittelpunkt stehen die Studierendenden und ihre Erfahrungen in der Schule. In Absprache mit der Schule, dem ZfsL und der Hochschule identifizieren sie eine eigene fachdidaktische, i.d.R. auf den Religionsunterricht bezogene bildungswissenschaftliche, methodische oder auch theologisch fundierte (schul-)systemische Fragestellung oder Hypothese und untersuchen diese wahlweise empirisch oder hermeneutisch-reflexiv.


Die Studierenden werden in der Universität auf die Studienprojekte vorbereitet durch die dreiteilige Lehrveranstaltung „Praxisbezogene Studien“:

  • zwei Blocktage vor Beginn des Praxissemesters (Anbahnung der Forschenden Grundhaltung, Reflexion des Theorie-Praxis-Verständnisses, Erarbeitung eines Modells von „Religiöser Bildung“ zur Reflexion eigener Baustellen)
  • ein Blocktag zur Zwischenreflexion und Beratung sowie Methodeneinführungen an Studientagen während des Praxissemesters
  • individuelle Beratung zum Studienprojekt
  • einen reflektierenden Blocktag nach Abschluss des Praxissemesters

Die Begleitung der Studienprojekte erfolgt zudem durch die Lehrkräfte in der Schule.

Professionsorientierte Selbsterkundung (Studienleistung)

Wird in Katholischer Religionslehre kein Studienprojekt verfolgt, steht der Aspekt der professionsorientierten Selbsterkundung im Vordergrund der Reflexion.

Dabei können die Studierenden noch während des Praxissemesters – idealer Weise bis zum ersten Studientag während der schulischen Praxisphase – entscheiden, in welchen beiden Fächern sie ein Studienprojekt erarbeiten wollen.

Bei der professionsorientierten Selbsterkundung stehen drei Aspekte im Vordergrund:

  • Die Wahrnehmung aller schulischen Handlungsfelder, in denen Religionslehrerinnen und -lehrer tätig sind, einschließlich spezieller Felder wie der Schulseelsorge, Krisenintervention u. a.
  • Die Reflexion der verschiedenen Rollen, die Religionslehrerinnen und -lehrer übernehmen (zum Teil müssen, zum Teil können), einschließlich der damit verbundenen Intra- und Interrollenkonfliktpotenziale.
  • Die Entwicklung eines fachspezifischen Selbstkonzepts, dem eine reflektierte theologische Positionalität zugrunde liegt. Erst auf dieser Grundlage können Religionslehrerinnen und -lehrer einerseits didaktische Entscheidungen treffen, andererseits als glaubwürdige „Zeugen des Glaubens“ authentisch auftreten.

Um die Entscheidung hinsichtlich der Verortung der Studienprojekt möglichst lange offen zu halten, beginnen alle Studierenden die Praxisbezogenen Studien im Fach Katholische Religionslehre gleich, da die Einnahme einer forschenden Grundhaltung konstitutiv auch für die professionsorientierte Selbsterkundung ist. Wer die eine Studienleistung in Form einer professionsorientierten Selbsterkundung erbringt, erhält bei Bedarf eine individuelle Supervision.

Unterrichtsvorhaben

Zur professionsorientierten Selbsterkundung gehören neben der Teilnahme am Schulleben vor allem die eigenen Erfahrungen im Unterrichten.
Die Studierenden führen eigenständige Unterrichtselemente, Einzelstunden und schließlich ein obligatorisches Unterrichtsvorhaben (5-15 Unterrichtsstunden) durch, immer unter Begleitung und in Verantwortung von Lehrkräften. Sie werden an die Situation des eigenen Unterrichtens schrittweise herangeführt, etwa durch unterstützende Lehrtätigkeiten (Tandemlösungen) oder die Gestaltung von Unterrichtselementen (z.B. Unterrichtseinstieg, Anleitung von Übungsphasen, Ergebnissicherung).

Unterrichtsvorhaben sind bewertungsfrei. Sie die nen anhand erster fachlicher, didaktischer und methodischer Fragestellungen der Heranführung an die eigene Unterrichtspraxis. Die Studierenden können sich dabei in der Lehrerrolle ausprobieren und die eigenen Erfahrungen reflektieren.

Die Studierenden bringen aus dem Studium (insbes. Peer-Learning-Modul) fachdidaktische Kenntnisse zur Unterrichtsplanung mit.
Die Unterrichtsvorhaben werden vorrangig durch die Lehrkräfte in der Schule begleitet; im Rahmen des Besuchs der Fachleitung erfolgt eine fokussierte Reflexion.

Begleitung der Studierenden als Mentorin oder Mentor

Die Studierenden entwickeln ihre fragende Grundhaltung des Forschenden Lernens in Schule, Hochschule und ZfsL. Die Mentorinnen und Mentoren in der Schule unterstützen die Studierenden.


Im Schulalltag:

  • öffnen sie den Unterricht für die Studierenden
  • übergeben sie innerhalb des Unterrichts erste kleinere Aufgaben
  • binden sie die Studierenden zunehmend mehr mit ein
  • tauschen sie Erfahrungen miteinander aus
  • stehen sie für Fragen zur Verfügung

Bei Unterrichtsvorhaben:

  • unterstützen sie Planung und Durchführung
  • geben sie Impulse für mögliche Unterrichtsvorhaben
  • klären sie leitende (theologische, fachdidaktische, methodische) Fragen im Vorfeld
  • geben sie Feedback
  • reflektieren sie gemeinsam

Bei Studienprojekten:

  • stellen sie gemeinsam neugierig Fragen, für die im Alltag wenig Zeit bleibt
  • geben sie Impulse für Beobachtungsschwerpunkte
  • unterstützen sie bei der organisatorischen und praktischen Umsetzung