Pflegearbeit in Privathaushalten. Eine Frage der Anerkennung. Sozialethische Analysen

DFG

Seit Beginn des Jahres 2016 läuft am ICS das durch die DFG geförderte Forschungsprojekt  Pflegearbeit in Privathaushalten. Eine Frage der Anerkennung. Sozialethische Analysen. Neben Institutsdirektorin Marianne Heimbach-Steins ist am ICS Dr. Christina Schwer als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Durchführung verantwortlich. Bereits seit Herbst 2013 wurde das Projekt am ICS vorbereitet.

In dem auf drei Jahre angelegten Projekt sollen strukturelle Bedingungen der Pflegearbeit von Angehörigen, migrantischen Care-Arbeiterinnen (live-ins) und ambulanten Pflegekräften in Privathaushalten untersucht werden. Die Situation der überwiegend weiblichen Pflegenden ist bei signifikanten Unterschieden zwischen den Gruppen typischerweise durch gravierende Abhängigkeiten, einen Mangel an Selbstbestimmung und sozialer Anerkennung gekennzeichnet. In einer gendersensiblen sozialethischen Analyse werden die Bedingungen häuslicher Pflegearbeit in Deutschland literaturbasiert erarbeitet und, anknüpfend an A. Honneths Theorie, anerkennungstheoretisch interpretiert. Dazu werden die Arbeits- und Lebensbedingungen der Pflegearbeit Leistenden auf strukturell bedingte Einschränkungen der Autonomie und Diskriminierungserfahrungen hin beleuchtet. Auf dieser Basis entwickeln wir eine (vorläufige) Kriteriologie struktureller Bedingungen für die Anerkennung von Pflegearbeit im Privathaushalt. Sie wird durch eine Reihe von Experten-Interviews und durch eine literaturbasierte vergleichende Analyse der Pflegeregime in Deutschland, Frankreich, Österreich und den Niederlanden angereichert und verfeinert. Es wird erforscht, inwiefern die institutionellen und ökonomischen Bedingungen, unter denen in den untersuchten Wohlfahrtsstaaten Pflegearbeit geleistet wird, den Mangel an Anerkennung evozieren oder perpetuieren, mit dem Ziel, sozialethisch fundierte Strategien zur Überwindung des Anerkennungsdefizits für Pflegearbeit Leistende bis hin zu konkreten Reformansätzen für die Pflegepolitik vorzulegen und auf der Ebene gesellschaftlicher Interaktion zu initiierende Veränderungsprozesse zu identifizieren. Das Projekt leistet damit einen genuin sozialethischen Beitrag zur Erforschung der pflegepolitischen Konsequenzen des zunehmenden Pflegebedarfs in der Gesellschaft des langen Lebens.

Das ICS führt das Projekt in Kooperation mit dem Nell-Breuning-Institut (NBI) der PTH St. Georgen in Franfurt durch (verant. Prof. Bernhard Emunds). Als erste projektbezogene Publikation ist eine Ausgabe des Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften (2016) zum Thema Pflegepolitik in Arbeit.

Weitere Informationen in der Forschungsdatenbank der DFG.

Weitere Informationen zur Projektgestaltung am NBI.