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Gewaltverzicht religiöser Traditionen
Das Projekt "Gewaltverzicht religiöser Traditionen. Der moderne Katholizismus im Spannungsfeld von Distinktion und Integration" wird im Rahmen des Exzellenz-Clusters "Religion und Politik" an der Universität Münster durchgeführt von Prof. Dr. Dr. Karl Gabriel, Dr. Christian Spieß und Katja Winkler (alle Institut für Christliche Sozialwissenschaften/Uni Münster). Antragsteller ist außerdem Dr. Hermann-Josef Große Kracht (jetzt TU Darmstadt). Es geht in dem Projekt zum einen um die Erforschung des Wegs, der die katholische Kirche mit dem II. Vatikanischen Konzil zur Anerkennung und zu einer konsequenten Verteidigung universeller Menschenrechte, einschließlich und insbesondere der Religionsfreiheit, geführt hat. Zum anderen sollen mehr oder weniger verallgemeinerbare Schlüsse aus diesem besonderen Lernprozess gezogen werden, so dass im günstigsten Fall allgemeine Aussagen über den Verlauf von Lernprozessen religiöser Kollektive gemacht werden können. [mehr]
"Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit?" Internationale Fachtagung vom 11.-13. März 2009
Von Mittwoch, 11. März 2009 (14:00 Uhr), bis Freitag, 13. März 2009 (12:00 Uhr), wird an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster im Rahmen des Exzellenzcluster-Projekts „Gewaltverzicht religiöser Traditionen“ (Prof. DDr. Karl Gabriel, Dr. Christian Spieß, Katja Winkler) die Tagung „Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit?“ durchgeführt (Tagungsprogramm zum Downloaden). Im Mittelpunkt dieser Tagung wird der schwierige und vielschichtige Prozess stehen, der zur Anerkennung der Religionsfreiheit durch die katholische Kirche auf dem II. Vatikanischen Konzil geführt hat. Nachdem die Kirche vor allem seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Demokratie und Freiheitsrechte verworfen, verurteilt und entschieden bekämpft hat, ist sie mit dem II. Vatikanum zu einer entschiedenen Fürsprecherin der Demokratie und der Freiheitsrechte – einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit – geworden. Wie konnte es zu diesem bemerkenswerten Wandel kommen? [mehr]
Projekt: Ausländische Priester in Deutschland
Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Beschäftigung mit den Konzepten der Vorbereitung der ausländischen Priester auf ihren Einsatz dar. Ende Januar 2009 schließt das Projekt ab; dann werden die Forscher ihre Ergebnisse den Bischöfen, den Gemeinden und der interessierten Öffentlichkeit präsentieren. Untersucht werden diejenigen Priester, die nicht in deutschen Diözesen inkardiniert, aber in deutschen Diözesen tätig sind. Erste Schätzungen belaufen sich auf ca. 800. An alle diese Priester soll ein Fragebogen verschickt werden, mit dessen Hilfe Daten erhoben werden sollen: Herkunftsland und Alter der Priester, Gründe und Motive für ihr Tätigwerden in Deutschland, organisatorische Rahmenbedingungen ihres Aufenthalts (z. B. Aufgaben, Finanzierung und evtl. Befristung ihres Aufenthalts), die Einbindung der Seelsorger in das kirchliche Leben in Deutschland (z. B. die Zusammenarbeit in der Gemeinde und eigene theologische Schwerpunkte) und die Bewertung ihrer Lebenssituation (z. B. die Einschätzung der eigenen Lebensumstände und das Ausmaß ihrer Integration). In die Erstellung des Fragebogens werden die besonderen Anliegen der Personaldezernenten der Bistümer einfließen. Von der Auswertung erhofft sich das Team ein erheblich klareres Bild von der Situation ausländischer Priester in Deutschland. Zu einem späteren Zeitpunkt des Projekts sollen Prozesse des Zusammenlebens und –arbeitens in bis zu zehn ausgewählten deutschen Gemeinden vor Ort untersucht werden. Hierzu werden die Forscher in den Gemeinden Interviews mit den Priestern, aber auch mit verschiedenen Aktiven in den Gemeinden durchführen, an Sitzungen und Treffen teilnehmen und versuchen, einen (notwendig begrenzten) Einblick in den Alltag der Gemeinde zu gewinnen. Kriterien für die Auswahl der Gemeinden sind u.a. ihre Zugehörigkeit zu (regional differenzierten) verschiedenen Diözesen, dörfliche oder städtische Lage und die Nationalität der Priester. Auf diese Weise sollen Faktoren ermittelt werden, die die Prozesse des Zusammenlebens und –arbeitens zwischen Gemeinden und ausländischen Priestern beeinflussen. Auf dieser Basis sollen Handlungsempfehlungen für die Diözesen und die Gemeinden entwickelt werden, die solche Prozesse verbessern helfen können. Kontakt: Projekt „Ausländische Priester“, Institut für Christliche Sozialwissenschaften, Hüfferstraße 27, 48149 Münster, Tel. 0251/8332646 oder 8332640, E-Mail: projekt.priester@uni-muenster.de.
3 - DFG-Projekt: Bibelverständnis in Deutschland
Unter der Leitung der Professoren DDr. Karl Gabriel (Institut für Christliche Sozialwissenschaften) und Dr. Martin Ebner (Seminar für Exegese des NT der Universität Münster) hat eine Arbeitsgruppe (PD DDr. Helmut Geller, Dipl.Theol. Christian Schramm, Dipl. Theol. Johanna Erzberger MA) eine Untersuchung zu "Bibelverständnis und Bibelzugang" durchgeführt. Das Projekt wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ist abgeschlossen.
Ziel des Projektes war es herauszufinden, in welchen Situationen Menschen heute biblischen Texten begegnen, welches (Vor-) Verständnis sie von der Bibel mitbringen und wie sie biblische Texte interpretieren, also kurz welchen Zugang zu und Umgang mit biblischen Texten sie haben und welche Relevanz sie diesen Texten zusprechen. Um herauszufinden, ob Vorverständnisse und Textauslegung milieuspezifisch variieren, wurden ca. 15 Gruppendiskussionen in entsprechenden Milieus durchgeführt, die anschließend mittels rekonstruktiver Auswertungen analysiert wurden. Zielsetzung war ferner die Rekonstruktion unterschiedlicher Typen von "Alltagsexegesen". Für jede Gruppe wurde ermittelt, nach welcher Hermeneutik sie an die Texte herangehen, um daraufhin Möglichkeiten zu erkunden, ob sich Anknüpfungspunkte zu gegenwärtigen Methoden der wissenschaftlichen Exegese finden lassen. [mehr]
5 - DFG-Projekt: Ambulante Pflege zwischen Familie, Staat und Markt
Unter Leitung der Professoren DDr. Karl Gabriel (Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) und Dr. Eckart Pankoke (Fachgruppe Soziologie an der Universität GH Essen) führt eine Arbeitsgruppe (PD DDr. Helmut Geller, Stefan Leibold, Sigrid Bathke) die Untersuchung „Ambulante Pflege zwischen Familie, Staat und Markt" durch. Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.
Durch die Einführung der Pflegeversicherung im Jahre 1995 haben sich die Finanzierungsbedingungen für Pflegeeinrichtungen entscheidend verändert. Das Kostenerstattungs- oder Verlustabdeckungsprinzip wurde ersetzt durch wettbewerbsfördernde Ausschreibungsverfahren und vertragsförmig vereinbarte Leistungsentgelte. Der Pflegebereich hat sich von einer anbieterorientierten Bedarfs- zu einer nachfrageorientierten Marktwirtschaft entwickelt, in der alle Anbieter gleich gestellt sind. Die Umstellung sollte die Konkurrenz auf dem Markt erhöhen und so die Leistungsfähigkeit steigern. Erstrebt wird damit gleichzeitig eine Kostensenkung.
Aufgabe der Untersuchung ist es zu erkunden, wie sich der Ökonomisierungsdruck auf das Selbstverständnis von Einrichtungen der ambulanten Pflege, die konkrete Pflege und die Beurteilung durch die Klienten auswirkt. Ziel des Projektes sind also nicht Evaluierungen oder Zertifizierungen der beteiligten Pflegestationen. Vielmehr soll ermittelt werden, wie sie in Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen ihre Konzepte entwickeln und wie sie diese Konzepte in die Pflegepraxis umsetzen. So sollen Perspektiven sichtbar werden, unter denen die Beteiligten Pflege organisieren und wahrnehmen, in Kontexte einordnen und bewerten.
Um dieses Ziel zu erreichen soll die Untersuchung in drei Erhebungsschritten durchgeführt werden.
Zuerst sollen die Leiter/innen der Pflegestationen in unterschiedlicher Trägerschaft ihre Einrichtung vorstellen, Stärken und Schwächen der Pflegeversicherung aus ihrer Sicht reflektieren und die Auswirkungen der Pflegeversicherung auf das Selbstverständnis und die Arbeitsweise der Einrichtung erörtern.
Im zweiten Untersuchungsschritt sollen Pfleger/innen ihren Pflegealltag darstellen und erörtern, welche Kriterien sie bei der Aufstellung von Pflegeplänen berücksichtigen, wie sie diese Pläne in ihre Pflegepraxis umsetzen und welche Probleme aus ihrer Sicht dabei auftreten.
Im dritten Untersuchungsschritt sollen Klienten der Einrichtung oder deren Angehörige mittels eines standardisierten Fragebogens darüber befragt werden, wie sie ihren Alltag organisieren, welche Probleme bei der Integration der Pflege in ihre Lebenswelt auftreten, auf welche Weise sie Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen und wie sie die Pflege und deren Rahmenbedingungen insgesamt beurteilen.
Die Untersuchung soll in den Städten Münster und Essen durchgeführt werden. Insgesamt werden 20 Pflegestationen in verschiedener Trägerschaft einbezogen.
(Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2002)


