Sozialethische Ekklesiologie

  • Kritik von Innen

    Titel des Projekts: Kritik von innen. Modelle sozialen Wandels in der katholischen Kirche (Critique from inside. Patterns of social change in the Catholic Church)

    Bearbeiterinnen: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins; Dr. Julia Enxing (bis 07/2015); Denise Motzigkeit, M.Ed. (bis 09/2016)

    Finanzierung: Projekt C2-10 im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

    Laufzeit: seit April 2013

    Erläuterung des Projekts: Kritische Impulse aus dem Innenraum religiöser Praxis haben stets zu neuen Sozialformen und Ausdrucksgestalten des christlichen Glaubens im Rahmen der Kirche geführt (Schismen, Konfessionsbildungen, Orden und Reformbewegungen, theologische Aufbrüche etc.). Kritik ist in beträchtlichem Ausmaß aus der bewussten Rückkehr (retour aux sources) zu den Gründungsimpulsen der Glaubensgemeinschaft motiviert. Dennoch wäre es kurzschlüssig, Wirkweise und Gestalt innerkirchlicher Kritik allein aus dem innerreligiösen Kräftespiel zu erklären. Vielmehr sind Ausdrucksformen der Kritik in Relation zu Entwicklungen des jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen und mentalen Kontextes zu sehen: Innerreligiöse Kritik, so die Hypothese, lässt sich nur aus der Wechselwirkung zwischen „religiösem Erbe“ und sozialem Kontext bzw. zwischen dem Selbstverständnis einer Religionsgemeinschaft und den „Anleihen“, welche die Kritik von außerhalb des religiösen Feldes bezieht, verstehen. Das Forschungsvorhaben untersucht verschiedene Typen von Kritik und Protest in der katholischen Kirche anhand der Fokussierung auf innerkirchliche Gruppierungen wie „Wir sind Kirche“, die explizit Reformen hinsichtlich einer synodal verfassten Kirche fordern, und Neuen Geistlichen Gemeinschaften, deren innerkirchliche Impulse sich auf neue Formen der Evangelisierung und die Vermittlung von Glaubenswissen beziehen. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer sozialethischen Ekklesiologie, indem es die unterschiedlichen (kirchenpolitischen) Strömungen versucht zu relationieren und dabei die jeweils vertretenen Wertorientierungen in ihrer eigenen Ausdrucksgestalt würdigt.

    Schwerpunkt- bzw. projektbezogene Publikationen:

    Enxing, Julia / Motzigkeit, Denise (2015): Prüfet alles und behaltet das Gute: über das Ringen um das Katholisch. In: Herder Korrespondenz 69, 239–243.

    Enxing, Julia (2014): Guerilla Gardening – Grüner Protest: seine Bedeutung für Visionen und Widerstände in der Kirche. In: Journal of the European Society of Women in Theological Research 22: Resistance and Visions – Postcolonial, Post-secular and Queer Contributions to Theology and the Study of Religions. Leuven: Peeters, 119–137.

    Enxing, Julia (2015): Rez. zu Fendel, Peter / Kern, Benedikt / Ramminger, Michael (Hg.): Tun wir nicht, als sei alles in Ordnung! (EG 211): ein politisch-theologischer Kommentar zu Evangelii Gaudium. Münster: Edition ITP-Kompass, Bd. 17, 2014. In: Stimmen der Zeit 233.

     

  • Identitätspolitik katholischer Akteure im Bildungs- und Sozialbereich

    Titel des Projekts: Identitätspolitik katholischer Akteure im Bildungs- und Sozialbereich (Politics of identity of Catholic protagonists in the areas of education and health care institutions)

    Verantwortliche: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins; Prof. Dr. Judith Könemann (Institut für katholische Theologie und ihre Didaktik); Prof. Dr. Thomas Schüller (Institut für Kanonisches Recht); Denise Motzigkeit, M.Ed. (Institut für Christliche Sozialwissenschaften); in Kooperation mit Prof. Dr. Daniel Bogner (Fribourg/Schweiz); Prof. Dr. Antonius Liedhegener (Luzern/Schweiz); Prof. Dr. Albert-Peter Rethmann (Trier) und Prof. Dr. Fabian Wittreck (Institut für Öffentliches Recht und Politik Münster)

    Finanzierung: Eigenmittel; DFG (Projektmittel im Rahmen des Exzellenzclusters “Religion und Politik”)

    Laufzeit: seit 2012

    Erläuterung des Projekts: Katholische Einrichtungen im Bildungs- und Sozialbereich agieren in Deutschland unter (staatskirchen-)rechtlichen sowie sozial- und/oder bildungspolitischen Bedingungen und müssen ökonomisch tragfähig handeln. Als non-profit-Organisationen verfolgen konfessionelle Sozial- und Bildungseinrichtungen keine genuinen Gewinninteressen. Unter sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erfordert die Klärung ihrer Identität eine nähere Verhältnisbestimmung zwischen Staatsnähe, institutioneller Eigenständigkeit und ökonomischen „Sachzwängen“ respektive eine explizite Bestimmung des Selbstverständnisses als gesellschaftliche und kirchliche Akteure im Spannungsfeld von Zivilgesellschaft, Staat und Markt. Krankenhäuser und Schulen in konfessioneller Trägerschaft sind herausgefordert, sich in diesem Szenario zu positionieren. Zwar ist der ökonomische Druck bei den Schulen wesentlich geringer, jedoch ist hier das Verhältnis von politischem Einfluss (z. B. durch verbindliche Curricula) und eigenständiger Profilbildung kritisch zu untersuchen. Das Projekt analysiert Wechselwirkungen von Auftrag und Selbstverständnis katholischer Einrichtungen – konkret: Schulen und Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft –  mit den gesellschaftlichen, ökonomischen und kirchlichen Rahmenbedingungen und Erwartungen, um die Frage nach der genuin konfessionellen Identität dieser Akteure zu profilieren: Sowohl die Trägerorganisationen (Kirche als Institution miteingeschlossen) als auch ökonomische Konkurrenzverhältnisse und gesellschaftspolitische Ansprüche nehmen Einfluss auf das Handeln der Akteure. Nicht zuletzt spielen die Erwartungen der Adressaten, „Klienten“ und Arbeitnehmer/innen eine maßgebliche Rolle in der Bestimmung der konfessionellen Identität.

    Schwerpunkt- bzw. projektbezogene Publikationen:

    Heimbach-Steins, Marianne/Schüller, Thomas/Wolf, Judith (Hg.): Katholische Krankenhäuser - Herausgeforderte Identität? Paderborn: Schöningh, 2017.

    Ein Sammelband zur katholischen Schule ist in Vorbereitung. 

     

  • Menschenrechtsrezeption der katholischen Kirche

    Titel des Projekts: Menschenrechte und Menschenrechtsrezeption in der katholischen Kirche (Human rights and their implementation within the Catholic Church)

    BearbeiterInnen: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins; Dr. Julia Enxing (bis 07/2015); Dr. Petr Štica (bis 10/2016); in Kooperation mit Prof. Dr. Daniel Bogner (bis 2013)

    Finanzierung: Eigenmittel; DFG Tagungsförderung; Projektmittel Exzellenzcluster “Religion und Politik”

    Laufzeit: seit 2013

    Erläuterung des Projekts: Die Enzyklika Pacem in terris (1963) und das Zweite Vatikanische Konzil sind Marksteine der späten Anerkennung der Menschenrechte in der katholischen Kirche. Bei allen positiven Entwicklungen in den letzten Pontifikaten, die es erlauben, die Kirche heute als „Menschenrechtsorganisation“ (D. Witschen) zu bezeichnen, sind jedoch sowohl im Hinblick auf die Beteiligung der katholischen Kirche (bzw. des Heiligen Stuhls als Völkerrechtssubjekt) an der weltweiten Menschenrechtspolitik als auch im kirchlichen Innenverhältnis gewichtige Defizite im Hinblick auf die volle Anerkennung von Universalität und Unteilbarkeit der Menschenrechte zu konstatieren. Fragen nach dem Stellenwert der Menschenrechte für die institutionelle Gestalt und die rechtliche Ordnung der Kirche sowie für die Kommunikation zwischen Gläubigen und Hierarchie werden in diesem Projekt verknüpft mit einer theologischen und historischen Erforschung der theoretischen und praktischen Potentiale, aber auch Blockaden der Aneignung und Bereicherung menschenrechtlichen Denkens und menschenrechtlicher Praxis im Kontext der katholischen Kirche. Das sozialethische Forschungsprojekt wird durch Einzelforschung der Beteiligten, interdisziplinäre Fachtagungen und die Entwicklung eines Netzwerkes menschenrechtsbezogener theologischer, historischer und gesellschaftswissenschaftlicher Forschung entwickelt. Es steht in enger Wechselwirkung mit dem Schwerpunkt „Religionsfreiheit und Religionspolitik“.

    Schwerpunkt- bzw. projektbezogene Publikationen:

    Heimbach-Steins, Marianne (Hg.): Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 55: Menschenrechte in der katholischen Kirche. Münster: Aschendorff 2014.

    Ein Sammelband zur Tagung "Menschenrechte in der katholischen Kirche - Systematische, historische und praktische Perspektiven" (21.23.03.2017, Rom) ist in Vorbereitung.