Entzündete Herzkranzgefäße: Wie lässt sich mit medizinischer Bildgebung ein Herzinfarkt-Risiko abschätzen?

Cells in Motion – der Audiopodcast | Folge 5

Fotos

Dr. Thomas Vogl (rechts) ist Immunologe und untersucht im gemeinsamen Projekt mit Radiochemiker Dr. Andreas Faust und Bildgebungsexperte Dr. Sven Hermann die Entzündung von Herzkranzgefäßen, hier im Bild gelb leuchtend dargestellt.
© SFB 656 - Frieda Berg
  • Als Bildgebungsverfahren kommt die molekulare Bildgebung zum Einsatz. Dr. Andreas Faust (links) entwickelt in der Radiochemie neue Spürstoffe.
    © SFB 656 - Peter Leßmann
  • Damit die Tracersubstanz, der Spürstoff, im Organismus sichtbar gemacht werden kann, koppelt Felix Busch eine schwache Dosis einer radioaktiven Substanz daran.
    © SFB 656 - Peter Leßmann
  • Der Spürstoff wird in den Organismus gegeben und bindet sich dort an seine Zielmoleküle, die in der entzündeten Gefäßwand sind. Mit dem Positronen-Emissions-Tomographen kann die schwach radioaktive Strahlung des Tracers detektiert werden.
    © SFB 656 - Elisabeth Deiters-Keul
  • Durch die Weiterentwicklung des Spürstoffs erhofft sich das Team um Dr. Sven Hermann, Dr. Andreas Faust und Dr. Thomas Vogl (v. l. n. r.), das Risiko einschätzen zu können, ob eine entzündete Gefäßwand aufzureißen droht.
    © SFB 656 - Frieda Berg

Das Herz hält unser Blut in Bewegung und versorgt die Organe über das Herz-Kreislauf-System mit lebensnotwendigen Nährstoffen. Sind Blutgefäße jedoch durch Ablagerungen – sogenannte Plaques – verengt, dann ist die Durchblutung beeinträchtigt. Diese Erkrankung der Herzkranzgefäße nennt sich Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung") und ist die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt. Entscheidend für das akute Herzinfarktrisiko eines Patienten ist nicht, wie stark ein Herzkranzgefäß verengt ist, sondern wie stark die Gefäßwand entzündet ist. Denn die Entzündung führt dazu, dass die erkrankte Gefäßwand irgendwann aufreißt. In der Folge bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verstopft. Die Durchblutung ist unterbrochen und es kommt zum akuten Infarkt.

Um solche Entzündungherde in den Gefäßwänden zukünftig sichtbar machen, entwickeln Immunologe Dr. Thomas Vogl, Chemiker Dr. Andreas Faust und Nuklearmediziner Dr. Sven Hermann in einem Projekt des Sonderforschungsbereichs 656 "Molekulare kardiovaskuläre Bildgebung" neue Spürstoffe – sogenannte Tracer – für die Molekulare Bildgebung. Raucher und Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten oder anderen bekannten Risikofaktoren erleiden häufiger einen Herzinfarkt als andere. Ziel der neuen bildgebenden Verfahren ist es, bei Menschen, die zu dieser Gruppe mit hohem Infarktrisiko gehören, herauszufinden, ob die Erkrankung in ihrem konkreten Fall wirklich vorhanden ist – wie hoch also ihr individuelles Risiko ist. Bei Patienten, bei denen eine Arteriosklerose bereits bekannt ist, könnte mit den neuen Verfahren überprüft werden, ob ein akutes Risiko für einen Infarkt besteht.