Evangelisch-Theologische Fakultät
der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster

Promotionsordnung
für den Doktor der Theologie (Dr. theol.)
und den Doktor der Theologie ehrenhalber (D. theol.)



A. Doktor der Theologie
I. Zulassung zur Promotion
II. Prüfungsverfahren
III. Vollzug der Promotion
IV. Gebühren
V. Umwandlung des Licentiaten-Grades
VI. Entziehung des Doktorgrades
B. Doktor der Theologie ehrenhalber


A. Doktor der Theologie

§ 1


  1. Der Grad eines Doktors der Theologie wird verliehen auf Grund einer wissenschaftlichen Arbeit (Dissertation) und einer mündlichen Prüfung (Rigorosum).

  2. Die Dissertation muß eine selbständige und wissenschaftlich beachtenswerte Leistung darstellen. Die mündliche Prüfung muß feststellen, daß der Bewerber über eine allseitige theologische Bildung und vor allem über selbständige Urteilskraft verfügt.

I. Zulassung zur Promotion

§ 2


  1. Die Zulassung zur Promotion setzt ein ordnungsgemäßes Studium der Theologie voraus. Der Bewerber hat ein mindestens achtsemestriges Studium der Theologie nachzuweisen davon mindestens sechs Semester nach der letzten Sprachprüfung. Er soll mindestens sechs Semester an einer deutschsprachigen Theologischen Fakultät, davon mindestens zwei Semester an der Universität Münster, studiert haben.

  2. Die Fakultät kann in begründeten Fällen von den Bestimmungen des Absatzes 1 befreien.

§ 3

Das Gesuch um Zulassung zur Promotion ist schriftlich an den Dekan zu richten.
Dem Gesuch sind beizufügen:

  1. Lebenslauf des Bewerbers, der vor allein seinen Bildungsgang schildert;
  2. Nachweis der Zugehörigkeit zu einer Im Weltkirchenrat vertretenen Konfession (in besonders gelagerten Fällen entscheidet die Fakultät);
  3. Reifezeugnis und Zeugnisse der sprachlichen Ergänzungeprüfungen;
  4. Zeugnisse über das Studium, gegebenenfalls über die erst theologische Prüfung oder die Magister-Urkunde;
  5. polizeiliches Führungszeugnis, wenn seit der Exmatrikulation mehr als drei Monate verflossen sind und der Bewerber nicht im öffentlichen oder kirchlichen Dienst steht;
  6. Erklärung darüber, ob und mit welchem Erfolg der Bewerber sich bereits anderen Prüfungen zur Erlangung akademischer Grade unterzogen hat und ob die Dissertation bereits einer anderen Fakultät oder einem Mitglied einer solchen vorgelegen hat;
  7. Erklärung darüber, daß der Bewerber sich bei der Anfertigung der Dissertation keiner unerlaubten Hilfe bedient hat;
  8. die Dissertation, die in deutscher Sprache abgefaßt sein soll;
  9. andere wissenschaftliche Veröffentlichungen des Bewerbers;
  10. Quittung über die Einzahlung der Promotionsgebühr.

§ 4

  1. Der Bewerber kam seine Meldung zurückziehen, solange über die Dissertation noch kein Gutachten vorliegt.

  2. Bei späterer Zurückziehung der Bewerbung gilt die Prüfung als nicht bestanden. In diesem Fall verbleibt die Dissertation mit dem (oder den) Gutachten bei den Akten der Fakultät.

II. Prüfungsverfahren

§ 5

  1. wenn der Bewerber auf Grund des Gesuches und der beigefügten Unterlagen durch die Fakultät zur Promotion zugelassen wurde, bestimmt die Fakultät für die Dissertation zwei Gutachter. Als erster Gutachter soll das Mitglied der Fakultät bestimmt werden, das den Bewerber als Doktoranden angenommen hat.

  2. Bei Dissertationen, die Grenzgebiete zweier Fakultäten behandeln, kann der zweite Gutachter auch einer anderen Fakultät angehören.

  3. Außer Lehrstuhlinhabern sind auch die übrigen Hochschullehrer Dozenten jedoch nur, wenn sie mindestens vier Semester gelesen haben berechtigt, Dissertationen anzuregen, zu betreuen und zu begutachten. Wird ein solches Mitglied der Fakultät zum ersten Gutachter bestimmt, hat es im Promotionsverfahren die gleichen Rechte wie Lehrstuhlinhaber. Das zweite Gutachten muß in diesem Falle von einem Lehrstuhlinhaber erstattet werden.

  4. Auch ein entpflichteter Professor kann durch die Fakultät zum Gutachter bestimmt werden und hat dann im Promotionsverfahren die gleichen Rechte wie ein Mitglied des Prüfungsausschusses.

§ 6

Jeder Gutachter gibt ein schriftliches Gutachten über die Dissertation ab. Er beantragt Annahme oder Ablehnung der Arbeit. Im ersteren Falle schlägt er zugleich die Bewertung der Arbeit vor.

Als Noten gelten: rite (bestanden), cum laude (gut), magna cum laude (sehr gut), summa cum laude (mit Auszeichnung).

§ 7

  1. Die Dissertation wird mit beiden Gutachten in der engeren Fakultät in Umlauf gesetzt. Jedes Mitglied hat das Recht, ein eigenes Gutachten einzureichen. Nach Umlauf wird auf einer ordentlichen Fakultätssitzung über Annahme oder Ablehnung der Dissertation entschieden.

  2. Es können nur solche Dissertationen angenommen werden, die, abgesehen von kleineren Korrekturen, von der Fakultät als druckreif bezeichnet werden. Wird dieses Urteil nicht abgegeben, hat der Bewerber die Dissertation vor der Annahme durch die Fakultät umzuarbeiten.

  3. Bei der Annahme legt die Fakultät zugleich die endgültige Note für die Dissertation fest.

§ 8

Wird eine Dissertation abgelehnt, gilt die Prüfung als nicht bestanden. Die Dissertation bleibt mit allen Gutachten bei den Akten der Fakultät.

§ 9

  1. Wird die Dissertation angenommen, bestimmt die Fakultät für die mündliche Prüfung einen Prüfungsausschuß. Diesem gehören stets der Dekan oder sein Stellvertreter als Vorsitzender und beide Gutachter an. Die weiteren Mitglieder werden (unter Berücksichtigung von § 5 Abs. 3 und 4) so bestimmt, daß im allgemeinen jedes Fach durch einen Ordinarius vertreten ist. Bei mehrfacher Besetzung eines Faches kann der Bewerber Wünsche äußern, denen die Fakultät nach Möglichkeit entspricht.

  2. Der Prüfungsausschuß bestimmt den Termin der mündlichen Prüfung.

  3. Der Dekan lädt den Bewerber zur Prüfung. Bleibt dieser ohne ausreichende Begründung fern, gilt die Prüfung als nicht bestanden.

§ 10

Die Prüfung erstreckt sich auf folgende Disziplinen:

Altes Testament, Neues Testament, Kirchen und Dogmengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie oder Religionspädagogik.

Die Gesamtdauer der Prüfung beträgt 2½ Stunden, davon entfallen auf das Gebiet, dem die Dissertation gewidmet ist, 50 Minuten.

§ 11

Nach beendeter mündlicher Prüfung stellt der Ausschuß die Gesamtnote des Rigorosums fest. Diese sowie die Note für die Dissertation werden dem Bewerber sogleich mitgeteilt.

§ 12

  1. War die Dissertation noch nicht völlig druckreif (vgl. § 7 (2)). wird sie dem Bewerber zur Umarbeitung innerhalb einer bestimmten Frist zurückgegeben.

  2. Über die Druckreife entscheiden dann der Dekan und die beiden Gutachter.

§ 13

Ist die mündliche Prüfung nicht bestanden, kann sie erst nach Ablauf eines Jahres wiederholt werden. Eine weitere Wiederholung ist nicht möglich.

§ 14

  1. Nach bestandener Prüfung hat der Bewerber seine Dissertation in der Form drucken zu lassen, in der sie von der Fakultät als druckreif erklärt worden ist und innerhalb eines Jahres nach dem Rigorosum 75 Exemplare an die Fakultät einzureichen.

  2. Ist der Druck aus technischen Gründen innerhalb eines Jahres nicht möglich, kann die Fakultät die Zeit verlängern.

  3. Versäumt der Bewerber diese Frist, verliert er alle durch die Prüfung erworbenen Rechte unter Verfall der Promotionsgebühr.

  4. Bei größerem Umfang der Dissertation kann die Fakultät auf Antrag die Einreichung von Teildrucken, die mindestens drei Druckbogen umfassen müssen, zulassen. In diesem Fall hat der Bewerber jedoch der Fakultät sechs Exemplare der vollständigen Dissertation abzuliefern.

  5. Erscheint die Dissertation in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, als selbständige Monographie oder in einer wissenschaftlichen Schriftenreihe, so kann die Fakultät auf Antrag die Anzahl der abzuliefernden Exemplare auf 25 herabsetzen.

  6. Bedingt die Drucklegung nach Ziffer 5 eine Umarbeitung der Dissertation, bedarf diese der Genehmigung durch den Dekan und den ersten Gutachter. Dasselbe gilt für den Fall, daß der Bewerber vor der Drucklegung an der Dissertation weitergearbeitet hat und diese in einer überarbeiteten Form gedruckt wird.

III. Vollzug der Promotion

§ 15

  1. Die Promotion kann erst vollzogen werden, wenn der Bewerber die Bedingungen des § 14 erfüllt hat.

  2. Die Fakultät kann auf Antrag des Bewerbers den Vollzug der Promotion vor Erfüllung des § 14 nur genehmigen, wenn eine Verlagebescheinigung vorgelegt wird, aus der hervorgeht, daß der Druck der Dissertation innerhalb einer bestimmten Frist gesichert ist.

§ 16

  1. Der Vollzug der Promotion geschieht in feierlicher Form durch den Dekan. Der Promovend hält eine öffentliche Vorlesung, deren Thema die Fakultät genehmigen muß. Werden mehrere Promovender gleichzeitig promoviert bestimmt die Fakultät, wer von ihnen die Vorlesung hält Der Promovend legt eine öffentliche Verpflichtung folgenden Wortlauts abt Promitto ao spondeo me doctrinam evangelicam constanter profesourum atque vitam theologo christano dignam acturum. Auf diese Verpflichtung kann in begründeten Ausnahmefällen verzichtet werden. Danach wird dem Promovenden durch den Dekan das mit dem Fakultätssiegel versehene Doktordiplom ausgehändigt.
  1. Als Tag der Promotion wird das Datum der öffentlichen Promotion eingesetzt. Das Datum der mündlichen Prüfung wird im Diplom genannt.

  2. Erst mit dem Empfang des Diploms erhält der Bewerber das recht zur Führung des Doktorgraden.

IV. Gebühren

§ 17

  1. Für die Erhebung der Promotionsgebühr gelten die hierzu erlassenen Bestimmungen.

  2. Die Fakultät kann für wissenschaftlich besonders befähigte Studenten bei nachgewiesener Bedürftigkeit den Antrag auf ganzen oder teilweisen Erlaß der Gebühren stellen.

V. Umwandlung des Licentiaten-Grades

§ 18

Auf Antrag kann die Fakultät den vor 1944 bei ihr erworbenen Grad eines Lic. theol. in den eines Dr. theol. umwandeln. Der Antragsteller erhält gegen die Entrichtung einer nach den geltenden Bestimmungen zu erhebenden Gebühr ein neues Diplom ausgestellt.

VI. Entziehung des Doktorgrades

§ 19

Der Doktorgrad kann gemäß § 4 des Gesetzes über die Führung akademischer Grade vom 7.6.1939 (RGB1. I S. 985) wieder entzogen werden,

  1. wenn sich nachträglich herausstellt, daß er durch Täuschen erworben worden ist oder wenn wesentliche Voraussetzungen für die Verleihung irrigerweise als gegeben angenommen worden sind;
  2. wenn sich nachträglich herausstellt, daß der Inhaber der Verleihung eines akademischen Grades unwürdig war;
  3. wenn sich der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung eines akademischen Grades unwürdig erwiesen hat.

B. Doktor der Theologie ehrenhalber

§ 20

  1. Die Fakultät kann für hervorragende wissenschaftliche Leistungen oder ausgezeichnete, besonders kirchliche Verdienste die Würde eines Doktors der Theologie ehrenhalber verleihen.

  2. Der Fakultätsbeschluß muß mit 4/5 Mehrheit der Mitglieder der engeren Fakultät gefaßt sein.

§ 21

Die Fakultät bestimmt die jeweilige Form des Vollzugs der Promotion.

§ 22

Für die Entziehung des Grades des D. theol. gilt § 19 sinngemäß.



§ 23

Diese von der Evangelisch-Theologischen Fakultät beschlossene Promotionsordnung tritt mit dem Tage ihrer Genehmigung durch den Kultusminister in Kraft.

Münster/ Westf., den 8. Juni 1965


Die Evangelisch-Theologiache Fakultät
der Westfälischen Wilhelms-Universität
Der Dekan