Die Idee der Münster Dialogues geht auf das historische Erbe der „Stadt des Westfälischen Friedens“ zurück – Münster als Symbol für Verständigung und Kooperation. Die neue Dialogreihe soll als jährliches Forum den niederländisch-deutschen Austausch zu sicherheits- und außenpolitischen Zukunftsfragen fördern.
The Münster Dialogues #2
Bootstrapping European Security and Economic Strategic Autonomy: Dutch and German Perspectives
In light of the rapidly evolving European security environment, the ZNS Centre for Dutch Studies at the University of Münster together with the Europe Center at the German Council on Foreign Relations (DGAP) was pleased to invite you to a high-level, binational policy conference in Berlin which was building upon the success of the first edition of The Münster Dialogues in March 2025.
Together with 50 to 60 highly influential and inspiring experts – from politics, diplomacy, business, and the military, as well as from think tanks, academia, and the media – we facilitated a German-Dutch exchange of experiences and ideas about how Germany, the Netherlands, and their European and international partners can create a new foundation for our shared European future.
This time focused on the economic transformation that must lay the foundation for Europe’s new security architecture. Can bootstrapping European security and economic strategic autonomy succeed in the face of the fading output legitimacy of established democratic governments and a Commission that oscillates between ambitionand hesitancy? Can Europe reclaim its political standing in a geopolitical world in which
the United States and China seem to shape all future fault lines?
THE MÜNSTER DIALOGUES #1
EUROPA ZWISCHEN NATO UND STRATEGISCHER AUTONOMIE
Am 13. und 14. März 2025 fand in Berlin die erste Ausgabe der „Münster Dialogues“ statt – eine neue deutsch-niederländische Plattform für strategische Gespräche über die Zukunft der europäischen Sicherheit. Veranstaltet wurde das Format vom Zentrum für Niederlande-Studien (ZNS) der Universität Münster in Kooperation mit der Botschaftdes Königreichs der Niederlande in Berlin.
Unter dem Titel „European Security between NATO and Strategic Autonomy: Dutch and German Perspectives“ diskutierten rund 50 hochrangige
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Thinktanks, Medien und Verwaltung über aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen.
Im Vorwort zum begleitenden Diskussionspapier betonte Jacco Pekelder, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, den europäischen Charakter des Projekts. Die Idee der Münster Dialogues gehe auf das historische Erbe der „Stadt des Westfälischen Friedens“ zurück – Münster
als Symbol für Verständigung und Kooperation. Die neue Dialogreihe solle als jährliches Forum den niederländisch-deutschen Austausch zu sicherheits- und außenpolitischen Zukunftsfragen fördern. Pekelder erinnerte daran, dass die Diskussion um „Europäische Souveränität“ seit Macrons Sorbonne-Rede 2017 zunehmend an Bedeutung gewonnen habe. Die jüngsten Krisen – von der Pandemie über den Krieg in der Ukraine bis zur Neuordnung der transatlantischen Beziehungen – hätten gezeigt, wie dringend Europa eine gemeinsame sicherheitspolitische Strategie brauche. Deutschland und die Niederlande, so Pekelder, seien aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen und politischen Verflechtung besonders prädestiniert, diesen Prozess gemeinsam zu gestalten.
Nach einem Eröffnungsdinner in der niederländischen Botschaft begann am 14. März die Konferenz im AXICA-Konferenzzentrum am Pariser Platz. Moderiert wurde sie von Dr. Linn Selle (Landesvertretung NRW). Nach Begrüßungen durch Jacco Pekelder und Hester Somsen, der niederländischen Botschafterin in Deutschland, hielt der ehemalige niederländische Außenhandelsminister Tom de Bruijn die Keynote „NATO and European Security: Current Strengths and Future Challenges“. In drei thematischen Panels wurden dann unterschiedliche
Aspekte europäischer Sicherheit beleuchtet:
› European Political Strategies and Military Capabilities – mit Anna van Zoest (Atlantic Commission, Den Haag), Nicolai von Ondarza (SWP Berlin), Jörg Noll (Netherlands Defence Academy)und Gesine Weber (German Marshall Fund, Paris)
› Economic Strength, Industrial Base, and Innovative Powers – u. a. mit Sander Tordoir (Centre for European Reform), Nils Redeker (Jacques Delors Centre), Yoshua Witteveen (niederländisches Außenministerium) und Otto Fricke (Vorsitzender der deutsch-niederländischen Parlamentariergruppe im Bundestag)
› Political Volatility, Societal Resilience and Migration – mit René Cuperus (Clingendael Institut), Timo Graf (Zentrum für Militärgeschichte der Bundeswehr), Remco Andersen (de Volkskrant) und Thu Nguyen (Jacques Delors Centre)
In den lebhaften Diskussionen zeigte sich, wie unterschiedlich und zugleich komplementär deutsche und niederländische Perspektiven auf die europäische Sicherheitsarchitektur sind. Gesine Weber betonte in ihrem Beitrag die oft unterschätzte Tiefe der deutsch-niederländischen militärischen Integration: Beide Länder seien ein Musterbeispiel gelungener europäischer Verteidigungskooperation – diese könne als Modell für die künftige EU-Sicherheitsarchitektur dienen. Gleichzeitig, so Weber, müssten beide Staaten ihre strategische Haltung zur transatlantischen Partnerschaft überdenken: „Deutschland und die Niederlande teilen ein ähnliches strategisches Zielbild, auch wenn ihre Wege dahin unterschiedlich sind. Jetzt gilt es, mehr gemeinsame Ambition zu entwickeln – auch für ein stärkeres Europa, das selbst Verantwortung übernimmt.“
Aus wirtschaftlicher Sicht wurde deutlich, dass ökonomische Widerstandsfähigkeit, industrielle Innovationskraft und technologische Souveränität die Grundlagen europäischer Sicherheit bilden. Die Diskussionen griffen die zentralen Thesen des Draghi-Reports (2024) und der Zeitenwende-Debatte auf – mit der Frage, wie Europa seine Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig global wettbewerbsfähig bleiben kann.
In den sozialen Medien wurde die Veranstaltung einhellig positiv aufgenommen. Das Duitsland Instituut Amsterdam bezeichnete sie als „inspirierendes neues Format für den strategischen Austausch“ und die niederländische Botschaft hob hervor: „Samen sterk – we stand stronger together.“ Teilnehmende Studierende des Masterstudiengangs Niederlande-Deutschland-Studien zeigten sich beeindruckt von der Möglichkeit, direkt mit hochrangigen Expert:innen ins Gespräch zu kommen – ein lebendiges Beispiel für wissenschaftlich fundierten Praxisdialog.
Mit dem Münster Dialogue #1 wurde ein starkes Signal für die deutsch-niederländische Zusammenarbeit gesetzt. Die Veranstalter:innen planen, die Reihe künftig jährlich fortzuführen – als offenes Forum, in dem Denker:innen und Entscheider:innen beider Länder gemeinsam über Europas
Rolle zwischen NATO, strategischer Autonomie und globaler Verantwortung beraten