Archiv der Kategorie: Zeitschriften

Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 5. Meinungen zu Elsevier

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Meinungen über die Verhandlungen und den fehlenden Zugriff auf Elsevier- und Cell-Zeitschriften
Die Frage hierzu lautete „Elsevier hat den Zugang zu seinen Zeitschriften (darunter auch alle Cell Press-Titel) ab Juli 2018 eingestellt. Wie denken Sie darüber, dass die HRK gegenüber Elsevier hart geblieben ist und auf ihren Forderungen bestanden hat (Open Access, publikationsbasierte Kostenberechnung, Zugang zum kompletten Angebot, geringe Preissteigerung) ?“. Als Antworten war vorgegeben: „Richtig so. Es braucht Druck, damit Elsevier einlenkt.“, „Elsevier ist ein profitorientiertes Unternehmen und schadet der Wissenschaft nur.“, „No Deal is no Option: Die Verhandlungen sollen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden.“, „Es ist ein gravierender Wettbewerbsnachteil, keinen Zugriff auf die Zeitschriften zu haben.“, „Die HRK sollte von dem Dogma ‚publikationsbasierte Kosten‘ Abstand nehmen, damit die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können.“, „Das Geld für die Elsevier-Zeitschriften sollte man lieber in die Forschung investieren.“ „Ich brauche nun mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen.“, „Ich verzichte nun öfter darauf, Manuskripte für Elsevier-Zeitschriften zu schreiben/begutachten.“, „Man sollte wieder zu den bisherigen Abonnementsverträgen zurück, max. 3% Aufschlag pro Jahr und fertig“ und „Sonstiges (bitte angeben)“.
Als Antwortmöglichkeiten konnte stimme zu, teils/teils, stimme nicht zu angekreuzt werden.

Die allermeisten, nämlich zwei Drittel (66%) stimmten der Aussage zu „Ich brauche mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen“. 58% meinten, das richtig sei Druck aufzubauen, damit Elsevier einlenkt. Dies war gleichzeitig die Option mit den wenigsten Gegenstimmen (5%). Das Unterbrechen der Verhandlungen war aber keine mehrheitsfähige Option, denn 55% stimmten zu, dass „No Deal is No Option – Die Verhandlungen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden sollten“. 46% unterfütterten diese Einstellung noch mit dem starken Argument, dass der fehlende Zugriff „ein gravierender Wettbewerbsnachteil“ sei. Nur oder immerhin der Sechste war aber gegen die Wiederaufnahme von Verhandlungen und gleichviele sahen keinen Wettbewerbsnachteil. 43% stimmten der Aussage zu, dass „Elsevier als profitorientiertes Unternehmen der Wissenschaft nur schaden würde“ – dies war gleichzeitig die Option mit den zweitwenigsten Gegenstimmen. Nur jeder neunte(!) Wissenschaftler meinte, dass Elsevier der Wissenschaft nicht schaden würde. Die Frage wäre hier zu stellen, ob es sich hierbei um eine ambivalente Einstellung vieler Forscher handelte oder ob es zwei deutlich zu unterscheidende Lager gab.

Eine besonders große Ambivalenz löste die folgende Feststellung aus: „Verzichten Sie darauf, (weiter) für Elsevier-Zeitschriften zu schreiben bzw. für diese Artikel zu reviewen?“ Mehr als ein Viertel aller Antwortenden (29%) stimmten dem zu, zugleich wurde bei dieser Antwortoption die mit größte Ablehnung überhaupt verzeichnet. Nicht weniger als 40% wollten weiterhin für Elsevier-Zeitschriften Artikel bzw. Gutachten schreiben (hier wurde nicht zwischen den beiden differenziert). Aus persönlichen Berichten wissen wir, dass einige Wissenschaftler keinen Gutachten mehr für Elsevier schreiben, weil die Beschaffung der Artikel so frustrierend geworden ist (siehe „Ich brauche mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen“).

Immerhin 28% meinten, man solle das Geld lieber in die Forschung investieren, das durch die abbestellten Zeitschriftenabos eingespart wird. Dies wäre nicht nur ein überaus couragierter Paradigmenwechsel sondern auch eine ziemliche Abkehr vom bisherigen Publikationswesen. In Konsequenz wären keine kommerziellen Verlage mehr nötig und/oder lebenfähig, ihre Aufgaben (die sicherlich noch bestehen blieben) müssten von anderen (nicht-kommerziellen u/o staatlichen) Akteuren übernommen werden.

Am Wenigsten (16%) wollten „wieder zu den bisherigen Abonnementsverträgen zurück, max. 3% Aufschlag pro Jahr und fertig“. Mit 17% kaum mehr Antwortende haderten mit dem HRK-Postulat und fanden „Die HRK sollte von dem Dogma „publikationsbasierte Kosten“ Abstand nehmen, damit die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können“.

Unterschiedliche Gruppen bei den Meinungen

Mit Venn-Diagrammen wurde untersucht, ob es vielleicht unterschiedliche Gruppen bei den Wissenschaftlern gibt, die aka Verhandlungsgruppe und die aka Druckgruppe.

Wenn man sich die Wissenschaftler anschaut, die mehr Zeit für Literaturbeschaffung brauchen, Verhandlungen fordern und Wettbewerbsnachteile befürchten, so stellt man eine große Schnittmenge zwischen diesen drei Gruppen fest (Abb. oben).

Eine gleich große Schnittmenge zeigten die Antwortgruppen Es braucht Druck, Elsevier schadet und Verzicht auf Gutachten (Abb. oben), während die Schnittmenge zwischen Es braucht Druck und mehr Zeit für Literaturbeschaffung nicht so groß ist (Abb. unten).

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 4. Wissen über den Wiley-Vertrag

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Kenntnis zum Wiley-Vertrag
Die dazu gestellte Frage lautete „Die HRK hat im Frühjahr mit Wiley den ersten deutschlandweiten Vertrag abgeschlossen. Er gilt für die Jahre 2019-2021. Bitte geben Sie im Folgenden an, was Ihnen über diesen Vertrag bekannt ist.“ Es waren die folgenden sechs Aussagen (in der exakten Reihenfolge!) zum Vertrag vorgegeben mit den jeweiligen Antwortmöglichkeiten: wusste ich, teils/teils, wusste ich nicht.

  1. Die Universität Münster hat den Verhandlungsauftrag für Elsevier, SpringerNature und Wiley an die HRK abgegeben. Die Bibliothek sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Nur 27% wussten das.
  2. Das komplette Angebot von Wiley – 1.700 Zeitschriften – steht ab Volume 1 dauerhaft zur Verfügung. Nur 22% wussten das.
  3. Ihre Publikation in einer Wiley-Zeitschrift ist automatisch und ohne Mehrkosten Open Access (weltweit frei zugänglich). Nur 14% wussten das.
  4. Statt für eine Zeitschrift eine fixe Summe zu bezahlen, bemisst sich der Preis aber nun nach der Anzahl der Publikationen der Uni Münster in der Zeitschrift. So ergeben 5 Artikel in Cell einen Preis von 5*3.451€= 17.255€ für Cell für Münster. Nur 2% wussten das.
  5. Die Preissteigerung für die Jahre 2019-2021 beträgt über alle Einrichtungen durchschnittlich 3% im Jahr. Nur 4% wussten das.
  6. Wegen der publikationsbasierten Kostenberechnung müssen aber publikationsstarke Einrichtungen u.U. mit einer Preissteigerung von 100% und mehr rechnen. Nur 4% wussten das.

     

    In der obigen Abbildung sind die sechs Aussagen nach dem Grad des Nicht-Wissens von oben nach unten gerankt. Am Wenigsten wussten die Umfrageteilnehmer Bescheid über das neue Preismodell, 91% wussten nichts über die Umstellung der Bezahlung nach Artikeln sowie die daraus resultierenden, immensen Preissteigerungen für publikationsstarke Einrichtungen. Dieses Modell stellt in der Tat nichts weniger als einen Paradigmenwechsel dar und wird sowohl von den Verlagen als auch den wissenschaftlichen Einrichtungen ambivalent (um nicht zu dagen argwöhnisch) wahrgenommen. Von den Verlagen, weil es sich um ein (fast) vollkommen neues Geschäftsmodell handelt, dessen Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit nicht klar ist. Von den Einrichtungen, weil es nicht das Lesen von Artikeln „bestraft“, sondern das Publizieren. Zukünftig heißt es nicht: Wer viele Zeitschriften lesen will, muss auch viel bezahlen, sondern: Wer viel publizieren will, muss viel bezahlen. Dies wird von einigen Wissenschaftlern als kontraproduktiv eingeschätzt (pers. Komm.), da die Produktion von Forschungsartikeln als Motor angesehen wird, der den Wissenschaftsbetrieb erst zum Laufen bringt.
    Dass die über alle Einrichtungen gemittelte, durchschnittliche(!) Preissteigerung nur 3% beträgt, wussten 86% nicht – aber ok, das ist Faktenwissen, das vermutlich auch viele direkt Beteiligte nicht auf dem Schirm haben.
    Verwundernswerter ist hingegen schon, dass knapp drei Viertel (74%) angaben, nichts über die Open Access-Komponente des Vertrags zu wissen. Dabei ist dies doch eine der beiden zentralen Verhandlungspunkte (der andere ist das Geschäftsmodell, s.o.), und der Treiber hinter diesem neuen Vertrag: Es soll ja nicht nur preislich kalkulierbarer sondern das Publikationsmodell soll auf Publication first (und damit Open Access first) umgedreht werden.
    Am Kenntnisse besassen die Wissenschaftler über den Verhandlungsführer, mit 27% wussten über ein Viertel, dass die Universitäten die Verhandlung an die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) abgegeben hatte. Dass die Mehrheit (57%) davon aber keine Ahnung hat, dass die Bibliotheken nicht mit am Verhandlungstisch sitzen, merkt man als Bibliothek allerdings des Öfteren, wenn man von Wissenschaftlerseite gebeten wird, Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen.
    Fast der Hälfte der Umfrageteilnehmer (48%) dünkte aber irgendwie, dass ein Ergebnis der Verhandlungen nur sein kann, dass alle Zeitschriften eines Verlags zur Verfügung stehen sollen: 22% wussten das fest und stattliche 26% gaben mit teils/teils an, dass ihnen so etwas schon geschwant hatte.

    Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Alter
    Die obige Abbildung zeigt das Wissen um die einzelnen Konditionen des Wiley-Vertrags nach Altergruppen. Mehrere Dinge sind hier interessant. Es sticht z.B. sofort ins Auge, dass, je älter der Umfrageteilnehmer ist, desto mehr Wissen er hat (oder angab zu haben). Dann ist die Diskrepanz zwischen den ganz jungen (20-29) und den ganz alten (>60) Wissenschaftlern auffallend groß. Während die Junior Scientists insgesamt nur 43% Kenntnisse angaben, waren dies bei den Senior Scientists 110%. Die Junior Scientists waren auch die Einzigen, die Null Ahnung bezüglich der beiden Preissteigerungs-Konditionen angaben. Hier wäre es einmal interessant zu wissen, wer in dieser Altergruppe vertreten ist (Doktoranden, Assistenzärzte, Jungprofessoren?) und wieso diese so schlecht über den Wiley-Vertrag (und vielleicht auch über das Publikationswesen als Ganzes) Bescheid wussten. Möglicherweise wird diese Altergruppe nur schlecht durch die üblichen Informationskanäle erreicht, was für die Einrichtung spezieller Schulungen für die Junior Scientists sprechen würde.

    Relativ natürlich erscheint der sukzessive Anstieg des Wissens über die Verhandlungsführung durch die HRK (rote Balken) mit dem Alter. Bei den Junior Scientists lag dieser Wert bei (kümmerlichen) 18%, stieg aber bei den etwas Älteren von 25% auf bis zu 33% bei den Senior Scientists. Schaut man sich dagegen die Kenntnisse über die Verfügbarkeit des kompletten Wiley-Bestandes an, so lag dieser zwar ebenfalls mit 12% bei den Jüngsten am Niedrigsten, und mit 18-24% bei den mittleren Altergruppen 50%-100% höher, erlebte aber bei den Senior Scientists mit 43% eine regelrechte Wissensexplosion (was allerdings auch an dem mit 21 Teilnehmern relativ kleinen Kollektiv liegen mochte).

    Eine passende Hypothese wäre also, dass mit zunehmendem Alter das Wissen um die Funktionalität des Publikationswesens auch zunimmt, da man mehr publiziert hat. Dies lässt sich leicht überprüfen, da das Publikationsverhalten der Antwortenden durch die Frage 3 bekannt ist.

    Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Publikationsverhalten
    Stellt man die Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Publikationsverhalten dar, d.h. nach denjenigen, die bereits einmal Open Access publiziert bzw. die noch nicht publiziert haben, dann zeigt sich, dass das aufsummierte Wissen über den Wiley-Vertrag bei den Open Access-Autoren 78% beträgt, bei den Nicht-Autoren hingegen nur 52% (Abb. oben) – eine klare Bestätigung der obigen Hypothese.

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 3. Budget und Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Budget für Open Access-Publikationen
Die Frage zu dieser Thematik lautete „Aus welchen Mitteln haben Sie bisher Ihre(n) Open Access-Artikel bezahlt?“. Es waren mehrfache Antworten möglich. Über die Hälfte aller Antwortenden (57%) bezahlte ihre Open Access-Publikationen aus dem eigenen Budget bzw. eingeworbenen Drittmitteln. 44% benutzte die Budgettöpfe der Einrichtung, an der sie tätig waren. Immerhin jeder Fünfte (20%) nahm den Publikationsfonds in Anspruch, angesichts der geringen Kenntnis ein kleines Wunder. Nur 7% bezahlten die APC aus privaten Mitteln (was auch immer das für Töpfe waren). Mehr als jede sechste Veröffentlichung war kostenfrei – entweder durch ein Waiver einer kostenpflichtigen Open Access-Zeitschrift oder durch Benutzung einer kostenfreien Open Access-Publikationsmöglichkeit (die nach einer Präsentation der ULB Münster (PDF) für die Hälfte aller Veröffentlichungen verantwortlich sind).

Das obige Venn-Diagramm zeigt die Überlappung zwischen den drei häufigsten Antworten. 33%, also genau ein Drittel, bezahlten ihre APCs alleine aus dem eigenen Budget, fast ein Viertel (23%) alleine aus dem Budget ihrer Einrichtung und immerhin 6% alleine aus dem Publikationsfonds der ULB. 29% benutzten mehr als einen Finanzierungsweg.

Budget für Open Access-Publikationen nach Alter
Kategorisiert man die für Open Access-Publikationen aufgewendete Budgettypen nach Altersgruppe (s. Abb. oben), dann zeigen sich zwei interessante Befunde: Zum einen – was nicht überraschend ist – steigt die Bezahlung durch eigene Mittel mit dem Alter von 30% bei den Jüngsten bis 47% bei der Altersgruppe 50 bis 59 (rote Balken). Lediglich bei den ältesten Forscher sank dieser Prozentsatz wieder. Eine Vermutung könnte darin liegen, dass Senior Scientists nicht mehr abhängig von Impact Faktoren oder dem Ruf einer Zeitschrift sind und auch in kleineren – kostenlosen – Zeitschriften publizieren, vielleicht, um diese zu unterstützen (s.u. für einen entsprechenden Kommentar).
In diesen kostenlosen Zeitschriften müssen auch die „Junior Scientists“ publizieren, da sie noch keinen Zugriff auf eigene Mittel haben: Mit 22% zeigte sich hier der höchste „kostenlose Publikationsquote“ von allen Altersgruppen. Diese Quote sank bis auf 7% in der zweitältesten Altersgruppe (grüne Balken).

Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften
Die obige Abbildung stellt die Ergebnisse zur Frage dar „Von welchen Faktoren war/wäre Ihre Entscheidung für ein bestimmtes Open Access-Journal abhängig?“ Es waren mehrfache Antworten möglich. Mit weitem Abstand war der Impact Faktor das massgebliche Kriterium für die Auswahl einer Open Access-Zeitschrift. 84% kreuzten diese Auswahlmöglichkeit an. Mit deutlichem Abstand folgten der Ruf der Zeitschrift (62%) und das Peer Review (49%). Die Bekanntheit des Titels war nur für etwas mehr als ein Viertel (28%) ausschlaggebend, ebenso wie – erstaunlicherweise – die Höhe der APC (27%). Unter „Sonstiges“ wurden weitere Kriterien aufgeführt: Manuskript passt fachlich zum Journal (3x), kein kommerzieller publisher, open peer review, Qualität der Artikel, keine predatory publishers wie Frontiers oder MDPI, Reichweite/Zitierhäufigkeit, Aufwertung kleinerer Journals mit kleinem Impact.

Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften nach Alter
Kategorisiert man die Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften nach Altersgruppe (s. Abb. oben), dann zeigen sich zwei interessante Befunde: Zum einen – was nicht überraschend ist – bleibt der Impact Faktor über alle Alterrgruppen der bestimmende Nr.1-Grund für die Auswahl einer Open Access-Zeitschrift (rote Balken). Lediglich bei den Senior Scientists schwächte sich diese Dominanz leicht ab. Der gute Ruf einer Zeitschrift nahm im Laufe der Karriere etwas ab; während die Jungforscher noch zu 29% an dem guten Ruf einer Zeitschrift als Kriterium für eine Submission festhalten, waren dies bei den 50 bis 59-Jährigen nur noch 22% (blaue Balken). Auch hier schiessen die Oldies mit 26% etwas aus der Reihe. Summiert man den Wert für Impact Faktor und „guten Ruf“ auf, so wird der Trend deutlicher: Der addierte Wert ist bei den Junior Scientists mit 63% am Höchsten und sank mit dem Alter kontinuierlich um fast 10 Prozentpunkte auf 54% bei den Seniors ab.

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 2. Publikationsfonds

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Publikationsfonds der Universitätsbibliothek
Seit 2011 gibt es einen DFG-geförderten Publikationsfonds für die WWU, der von der Universitätsbibliothek gemanaged wird. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der WWU können für Open-Access-Veröffentlichungen eine Förderung aus diesem Fonds beantragen. Die Frage lautete nun: „Der Publikationsfonds der Universitätsbibliothek erstattet unter bestimmten Voraussetzungen (Article Processing Charge kleiner gleich 2.000€, reine Open Access-Zeitschrift) die Kosten von Open Access-Artikeln. Haben Sie bereits einmal einen Antrag auf Kostenübernahme beim Publikationsfonds gestellt?“ Wie die obige Abbildung zeigt, hatte etwas mehr als jeder Fünfte (21%) bereits einmal den Publikationsfonds in Anspruch genommen, drei Viertel (75%) noch nicht und 3% wussten es nicht.

Kenntnis über Publikationsfonds
Um der Kenntnis über den Fonds genauer auf den Grund zu geben, wurde folgende Anschlussfrage gestellt: „Wodurch haben Sie vom Publikationsfonds der Universitätsbibliothek erfahren?“. Es waren mehrfache Antworten möglich. 38% der Umfrageteilnehmer hatten von Kollegen über den Publikationsfonds erfahren (Abb. oben), 21% per Email-Newsletter der Zweigbibliothek, weitere 15% haben es auf der Homepage der Bibliothek gefunden und 6% durch einen Vortrag der ZB Med (vermutlich im Rahmen der Hausbesuche vor Ort in der Einrichtung). Am überraschendsten war, dass – trotz dieser vielfältigen Werbemassnahmen – 41% und damit die Mehrheit erst durch die Umfrage davon gehört haben. Alleine damit hat die Umfrage bereits ihren Zweck erfüllt, Aufmerksamkeit nicht nur für hochschulpolitische Weichenstellungen auf dem Zeitschriftenmarkt sondern auch für ZB Med-Dienstleistungen zu erzeugen.

Das obige Venn-Diagramm ((C) 2007 – 2019 Tim Hulsen) zeigt die Überlappung zwischen den drei häufigsten Antworten (Kenntnis vor der Umfrage, Homepage und Vorträge (= Hausbesuche) der ZB Med wurden gepoolt = 20%). 27%, also über ein Viertel, hatten über den Publikationsfonds nur über ihre Kollegen erfahren. Fast genau so viele (23%) hatten den Fonds nur über die Marketingkanäle der Bibliothk (Email-Newsletter, Homepage, Hausbesuche) kennengelernt, dabei war der freitägliche Newsletter mit 12% am Erfolgreichsten, gefolgt von den Hausbesuchen mit 7% (abweichende Prozentzahlen durch Rundungsfehler).

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 1. Teilnehmer und Open Access-Publikationen

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfonds der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen.

Unter Open Access versteht man den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen im Internet. Das bedeutet, dass jeder Interessierte weltweit kostenlos auf Fachliteratur und Materialien zugreifen können soll.

Teilnehmer
Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben).

Wissenschaft vs. Krankenversorgung/Lehre
Bei der letzten Umfrage wurde eine Ranking-Skala benutzt, um herauszufinden, in welchen Bereichen die Umfrageteilnehmer hauptsächlich arbeiteten. Dies erwies sich als suboptimal, so dass diesmal ein Schieberegler benutzt wurde, mit dem Wissenschaft vs. Krankenversorgung/Lehre mit bis zu 100% als Arbeitsbereiche angegeben werden konnten (bei einer maximalen Summe von 100%).

Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten, 27% zu mehr als 50% in der Krankenversorgung/Lehre. 9% arbeiteten 50:50 in den beiden Arbeitsbereichen. Diese 9% wurden zwecks Vereinfachung 50:50 auf beide Bereiche aufgeteilt, so dass am Ende 69% Wissenschaft vs. 31% Krankenversorgung/Lehre gegenüber stand. (36% gaben an, zu 100% in der Wissenschaft tätig zu sein, aber nur 2% zu 100% in der Krankenversorgung bzw. Lehre.) Die genaue Verteilung der Prozentzahlen finden Sie in der Abb. oben.

Open Access
Fast zwei Drittel (63%) gaben an, schon einmal einen Artikel als Open Access publiziert zu haben, 28% hatten dies nicht, 7% hatten dies vor und 2% wussten es nicht (Abb. oben).

Open Access per wissenschaftlicher Tätigkeit
Die naheliegende Hypothese, ob der Anteil an Teilnehmern, die schon einmal Open Access publiziert haben, mit zunehmender wissenschaftlicher Tätigkeit ansteigt, wird von der obigen Abbildung widerlegt. Es wurde der Prozentsatz der Teilnehmer in jeder der oben gebildeten arbiträren wissenschaftlichen Tätigkeitsgruppen gezählt, die schon einmal Open Access publiziert hatten. Lediglich bei der geringsten oder gar keinen wissenschaftlichen Tätigkeit wurde mit 23% ein deutlich niedrigerer Open Access-Publikationsanteil (OAP) verzeichnet. Bei alle anderen Tätigkeitsanteilen lag der OAP in einem engen Spektrum von 71% ± 11%.

Open Access per Altersgruppe
Die zweite Hypothese ist, ob der Anteil an Teilnehmern, die schon einmal Open Access publiziert haben, mit dem Alter ansteigt. Es wurde der Prozentsatz der Teilnehmer in jeder der abgefragten Altersgruppen gezählt, die schon einmal Open Access publiziert hatten. Die obige Abbildung scheint dies zu bestätigen. Es gibt eine lineare Korrelation mit dem Alter mit einem r2 von 0,92: Mit zunehmendem Alter steigt der Prozentsatz der Teilnehmer, die schon einmal Open Access publiziert haben. Dies ist allerdings kein Beweis für die Hypothese, es könnte ja auch durchaus sein (und ist sogar wahrscheinlich), dass generell die Publikationsaktivitäten mit dem Alter steigen.

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Bedeutung und Chancen des DEAL-Wiley-Vertrags für die Open-Access-Transformation

Bedeutung und Chancen des DEAL-Wiley-Vertrags für die Open-Access-Transformation

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Mit dem am 15. Januar 2019 unterzeichneten Wiley-Vertrag hat das Allianzprojekt DEAL wesentliche Projektziele erreicht:

  • die Verbesserung der Informationsversorgung für teilnehmende wissenschaftliche Einrichtungen durch Ausweitung des lesenden Zugriffs auf alle Zeitschriften des Verlags Wiley,
  • die Ausweitung der Open-Access-Publikationsmöglichkeiten in den Wiley-Hybrid- und Gold-Open-Access-Zeitschriften für die Autor_innen der teilnehmenden Einrichtungen.

Wir empfehlen allen teilnahmeberechtigten Einrichtungen (siehe „Welche Einrichtungen können teilnehmen?“ in den DEAL-Wiley-FAQ) die Unterzeichnung des Sign-Up-Letters und der Teilnahmeerklärung bis zum 18.04.2019. Der DEAL-Wiley-Vertrag markiert nicht nur den Einstieg in die großflächige Open-Access-Transformation in Deutschland, er bietet vor allem den Wissenschaftler_innen von teilnehmenden Einrichtungen deutliche Vorteile:

  • den lesenden Zugang zu ALLEN Zeitschriften des Wiley-Verlags,
  • die zusätzliche Möglichkeit des kostenfreien Open-Access-Publizierens in der überwiegenden Mehrzahl der Hybrid- sowie der Gold-Open-Access-Zeitschriften von Wiley,
  • erhöhte Sichtbarkeit und einfache Nachnutzbarkeit der Publikationen aus teilnehmenden Einrichtungen in Wiley-Zeitschriften unter Wahrung der Rechte der Autor_innen an ihren Artikeln,
  • kein Verwaltungsaufwand für artikelbezogene Open-Access-Publikationsgebühren für Autor_innen, da die Kosten für das Open-Access-Publizieren von den Bibliotheken der teilnehmenden Einrichtungen übernommen werden.

Der DEAL-Wiley-Vertrag ermöglicht eine deutliche Erhöhung des Open-Access-Anteils von Artikeln in Wiley-Hybridzeitschriften bei gleichzeitiger Förderung und Vereinfachung des Publizierens in Wiley-Gold-Open-Access-Zeitschriften. Er bietet weiterhin für die Bibliotheken die Chance, die Dysfunktionalitäten des Subskriptionssystems zu überwinden, in dem derzeit Autor_innen das Copyright an ihren Artikeln abgeben und Bibliotheken ihrem Auftrag der Informationsversorgung nicht mehr nachkommen können.

Der DEAL-Wiley-Vertrag verändert diese Situation. Gegen eine moderate Steigerung der bisherigen Subskriptionsausgaben für Bibliotheken und durch Einführung der MPDL Services GmbH als neuen intermediären Akteur wird der lesende Zugriff auf alle Zeitschriften sowie die Open-Access-Stellung der Zeitschriftenartikel von Autor_innen der teilnehmenden Einrichtungen ermöglicht.

Den Allianzprojekten DEAL und Nationaler Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE ist bewusst, dass sich gerade für Bibliotheken als einen der zentralen Akteure im wissenschaftlichen Publikationssystem mit dem Einstieg in die Transformation des Subskriptionssystems neue Herausforderungen ergeben, z.B. hinsichtlich der Kostenverteilung innerhalb ihrer Einrichtungen, des Reportings, oder neuer Geschäftsgänge bei den Open-Access-Publikationsfonds. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass mit dem Betreten eines dreijährigen Transformationskorridors diese Herausforderungen gemeistert werden können. DEAL und der Nationale Open-Access-Kontaktpunkt OA2020-DE werden die Bibliotheken der teilnehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen bei diesem Transformationsprozess durch entsprechende Hilfestellungen und Workshops begleiten und unterstützen.

Originalbeitrag hier.

Vertragsverlängerung zwischen Norwegen und Elsevier gescheitert

Die Kommission „Direktoratet for IKT“, von der norwegischen Regierung beauftragt, hat vor einer Woche die Gespräche mit Elsevier für gescheitert erklärt. Es gäbe bei Elsevier keinerlei Ansätze zur Modifikation des Publikationsmodells hin zu präferierten „Open Access“ und „Open Publishing“.

Gewünscht war von der norwegischen Kommission die Änderung von der Bezahlung, um einen Artikel lesen zu können hin zu einem Publikationsmodell, welches die Bezahlung vorsah, um einen Artikel zu veröffentlichen. Dieses Open Publishing sollte bis 2024 sicherstellen, dass norwegische Forschungsleistungen bis 2024 grundsätzlich im Sinne von „Open Access“ von jedem ohne Zugangsschranken gelesen werden kann.

Pressemitteilung: Norwegian research institutions have decided not to renew their agreement with Elsevier

Nach Schweden folgt nun Norwegen in der Ablehnung einer Verlängerung des Vertrages mit Elsevier.

In Deutschland verhandelt das Projekt Deal u.a. mit Elsevier.  Mitte Januar erreichte Deal einen Vertragsabschluss für ein bundesweites Publish&Read-Modell mit dem Verlag Wiley.

Originalmeldung von Olver Weiner auf medinfo

Logo © Projekt DEAL c/o Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.

New England Journal of Medicine bereits ab 1945 verfügbar: 37.075 Artikel zusätzlich

Die Zweigbibliothek konnte jetzt endlich das Archiv der Zeitschrift New England Journal of Medicine (NEJM) erwerben. Ab sofort steht NEJM ab dem Volume 232 aus dem Jahr 1945 zur Verfügung (statt erst ab Vol. 322 / 1990) – das sind 37.075 Artikel zusätzlich. Damit wird ein einmaliger Blick in die Geschichte der Medizin möglich. Die Artikel in NEJM wurden 2017 insgesamt 332.830-mal zitiert.


Der aktuelle Impact Faktor von NEJM beträgt 79,3 – das ist Rekord.


NEJM is known for many firsts in medicine, including the first to publish a full description of spinal disk rupture (1934), the first to document success in treating early childhood leukemia (1948), and some of the earliest descriptions of AIDS and its treatment, of aspirin and cholesterol-lowering agents in the prevention of heart disease, and of new molecular advances in the treatments of chronic leukemia and lung cancer (1979/1980). Today, NEJM is the most widely read, cited, and influential general medical periodical in the world. More than 600,000 people from nearly every country read NEJM in print and online each week. Each year, NEJM receives more than 16,000 research and other submissions for consideration for publication. Some 5% of original research submissions achieve publication by NEJM; more than half originate from outside the U.S.
Während eine individuelle Subskription ab 159 USD kostet, verlangt die herausgebende Massachusetts Medical Society mehr als 14.126 Euro für eine Campuslizenz.

Vertragsabschluss zwischen Projekt DEAL und Wiley

In einer Pressemitteilung der Hochschulrektorenkonferenz wird folgendes mitgeteilt:

  • Wiley und Projekt DEAL schließen zukunftsorientierte Partnerschaft für Deutschland zur Erprobung neuer Publikationsmodelle
  • Forscher sollen bessere Möglichkeiten haben, Forschungsergebnisse über die Zeitschriften von Wiley zu verbreiten
  • Teilnehmenden deutschen Institutionen wird weiterhin Zugang zu Wileys Portfolio an wissenschaftlichen Journals ermöglicht

Wiley gab „eine bundesweite Partnerschaftsvereinbarung mit dem Projekt DEAL bekannt, das fast 700 akademische Einrichtungen in Deutschland als Konsortium repräsentiert. Gegen eine jährliche Gebühr ermöglicht diese richtungsweisende geschlossene Dreijahresvereinbarung allen Projekt DEAL-Institutionen den Zugang zu den wissenschaftlichen Journals von Wiley zurück bis ins Jahr 1997. Forscher an Projekt DEAL-Institutionen können Artikel als „Open Access“ in Wiley Zeitschriften veröffentlichen. Die Partnerschaft wird Institutionen und Forschern helfen, Open Science zu fördern, Entdeckungen zu machen sowie Wissen zu entwickeln und zu verbreiten.

Um die allgemeine Förderung der wissenschaftlichen Forschung zu unterstützen, starten Wiley und Projekt DEAL im Rahmen der Partnerschaft gemeinsam drei wichtige neue Initiativen.

  • Erstens ein neues Flaggschiff unter den Open-Access-Journals: Eine interdisziplinäre Zeitschrift wird führende Wissenschaftserkenntnisse aus der globalen Forschungsgemeinschaft veröffentlichen und als einzigartiges Forum für die Entwicklung neuer Open-Access-Publikationsmodelle dienen.
  • Zweitens werden Wiley und Projekt DEAL eine Gruppe zu Open-Science and Author Service Development einrichten, die sich auf die Innovation und Beschleunigung neuer Publikationskonzepte konzentriert.
  • Drittens werden die Partner ein neues jährliches Symposium für deutsche Nachwuchswissenschaftler ins Leben rufen, das zukunftsweisende Ideen für die Forschungskommunikation erarbeiten soll.“

Ebenfalls in besagter Pressemitteilung findet sich eine kurze Beschreibung des Projekt Deal:

„Das Projekt DEAL wurde von der Allianz der deutschen Wissenschafts­organisationen ins Leben gerufen, die die überwiegende Mehrheit der wichtigsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland repräsentiert. Das Konsortium umfasst fast 700 überwiegend öffentlich finanzierte, akademische Einrichtungen in Deutschland, wie Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Staats- und Regionalbibliotheken. Im Rahmen des Projekts sollen nationale Lizenzvereinbarungen für das gesamte Portfolio an elektronischen Zeitschriften großer akademischer Verlage umgesetzt werden. Weitere Informationen unter www.projekt-deal.de

 

Logo © Projekt DEAL c/o Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.

25 Jahre ZB Med: Einige Zahlen…

Jahr für Jahr steigende Nutzerzahlen, regelmäßig erste Plätze beim Hochschulranking des CHE – die Zweigbibliothek Medizin (ZB Med) der Universitä­t­­s­- und Landesbibliothek Münster blickt auf 25 erfolgreiche Jahre ihres Bestehens zurück, in denen sie Millionen Literaturwünsche von zehntausenden Angehörigen der Medizinischen Fakultät, UKM-Beschäftigten und interessierten Bürgern erfüllt hat.

Ausleihe
In dieser Zeit wurden insgesamt knapp 1,3 Mio. ­Bücher ausgeliehen. Studierende und Wissenschaftler brauchten sich keine Bücher mehr zu kaufen, sondern konnten sich voll und ganz auf den umfassenden Bestand der Bibliothek verlassen. Die ZB Med hat damit ihren Nutzern über 50 Mio. € eingespart.

Auskunft und Schulungen
Jedes Jahr beantworten die BibliotheksmitarbeiterInnen rund 20.000 Nutzerfragen. Auf diese Art und Weise sind seit 1993 über 477.000 Auskünfte gegeben worden. Das Auffinden verstellter Bücher oder ad-hoc-Suchen in Spezialdatenbanken sind nur zwei Beispiele für die vielen Herausforderungen an der Infotheke. 25 ­Generationen von Medizinstudierenden (100 Semesterkohorten) sind bisher in den Genuss von ­B­i­bliotheksschulungen gekommen – neben zahlreichen Ärzten, Forschern und Pflegekräften. Insgesamt wurden so bisher 28.332 Teilnehmer in 2.736 Kursen geschult wie z.B. „Einführung in die ­Bibliotheksbenutzung“, „Effektive ­Literatursuche mit PubMed“, „Evidenz-­basierte Medizin für Dummies“ oder „Korrektes Zitieren und Plagiatvermeidung“. Wenn Sie keine Zeit haben, in die Bibliothek zu kom­men, machen die ZB Med-Mitarbeiter auch gerne Hausbesuche bei Ihnen.

Besucher
Die Nutzung der Bibliothek nimmt seit Jahren stetig zu. Während 1994 noch 111.500 Besucher verzeichnet wurden, so kamen 2017 bereits 196.500. Was ist das Geheimnis ständig steigender Nutzerzahlen? Die Benutzer fühlen sich in der Bibliothek offensichtlich sehr wohl. Die Bibliothek ist klein, man kennt sich. Nach sechs Jahren Studium ist einem alles sehr vertraut. Lange Öffnungszeiten, viele Arbeitsplätze und freundliche MitarbeiterInnen kommen dazu. Verbesserungsvorschläge werden mit dem Satz eingeleitet: „Weil ich in der Bibliothek mehr als zu Hause bin, wünsche ich mir, dass es auch mein zweites Zuhause wäre.“ Der hervorragende Nutzerkontakt und ständige Verbesserungen sind Teil der Bibliotheks-DNA. So wurden im Laufe der Zeit mehr Arbeitsplätze eingerichtet (aus ursprünglich 150 wurden 350, eine Erweiterung auf 450 ist in Planung), ein Bistro kam hinzu sowie Gruppen- und Einzelarbeitsplätze. Die Öffnungszeiten wurden erst vor kurzem auf 112 Stunden erweitert (Mo-So 8-24 Uhr) und eine Tischtennisplatte wurde aufgestellt. Ein Beirat, in dem alle Nutzergruppen vertreten sind, berät und unterstützt die ZB Med seit über 10 Jahren bei diesen Veränderungen.

Fernleihe und Rapidoc
Wie kommt man an Literatur, die nicht in Münster vorhanden ist? Die Fernleihe besorgt Ihnen alle Aufsätze und Bücher, die irgendwo in einer deutschen Bibliothek stehen. Da dies jedoch 1-2 Wochen dauern kann, gründete die ZB Med 1999 einen Expresslieferdienst. Mit Rapidoc geht alles deutlich schneller. 75% der bestellten Artikel werden innerhalb von 7 Stunden ausgeliefert. Zurzeit gibt es an die 900 aktive Rapidoc-Kunden, davon 70 Doktoranden. Die Kosten der Artikel-Bestellungen werden von der Bibliothek übernommen – allerdings nur für Bedienstete und Doktoranden. Rapidoc ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte, wie die zahlreichen Zuschriften beweisen: „Vielen Dank für diesen wahnsinnig schnellen Service!“ (Oberarzt, Institut für Klinische Radiologie) „Many thanks. You provide an amazing professional work. Congratulations.“ (Oberarzt, Klinik für Parodontologie) „Sehr gut und extrem schnell!!!! Vielen Dank!“ (Stellvertretender Klinikdirektor, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie)

Online-Medien
In den Anfangsjahren diente die Bibliothek als Speicherort für die Zeitschriften der Institute und Kliniken. Viele Einrichtungen waren froh, ihre Bestände nun zentralisiert und professionell verwaltet zu wissen. Mit dem Aufkommen von e-Journals wurden gedruckte Zeitschriften immer seltener benutzt. Die ZB Med förderte diesen Trend durch ein immer umfangreicheres Angebot von e-Journals. Anfang 2007 war es dann soweit: Als eine der ersten Bibliotheken in Deutschland stellte die ZB Med ihren Bestand komplett auf elektronische Journale um. Die Nutzung elektronischer Zeitschriften beträgt Jahr für Jahr rund 1,2 Millionen Zugriffe – dies entspricht etwa 1.000 Artikel pro Wissenschaftler pro Jahr. Mehr kann man wohl kaum lesen. Jedes Jahr werden zudem rund 20 Mio. E-Book-Seiten heruntergeladen – das entspricht eine Seite alle 2,5 Sekunden. Die Bibliothek verfügt mit den aktuellen Titeln von ­Elsevier, Lippincott, MWV, Schattauer, Springer, ­Thieme u.a. Verlagen über ein umfangreiches Online-Ange­bot. Bis heute kamen so 225 Mio. Seiten aus Fachartikeln und Büchern zusammen. Dies entspricht einem Stapel von 22km Höhe. Aktuell hat man im Hochschulnetz der WWU ­Online-Zugriff auf über 5.000 medizinische Fachzeitschriften und 25.000 Fachbücher.

easystudium
Doch die Bibliothek verleiht nicht nur gedruckte ­Bücher: Der Service „easystudium“ versorgt alle Studierenden der Vorklinik mit Tablet-Computern, die vollgepackt sind mit E-Books und Anatomie-Apps. Die Tablets stehen bis zum Physikum zur Verfügung – das ist europaweit einmalig. So wurden bis heute insgesamt 200.374 E-Books und Apps an die easystudium-Teilnehmer ausgegeben.

NEJM und JAMA kosten die Fakultät 25.000 Euro pro Jahr


Dramatische Preisentwicklung bei JAMA und NEJM (zum Vergrößern auf Grafik klicken)

Preiserhöhungen sind nichts Neues in der Verlagsbranche. Die ZB Med hatte bereits wiederholt über deftige Preissprünge bei Zeitschriften wie Pediatrics, dem NEJM oder von vier Zeitschriften der inneren Medizin berichtet.

Ein besonders eklatantes Beispiel aus der Inneren Medizin ist zur Zeit die Preisentwicklung von JAMA und NEJM in der letzten Dekade (Abb. s.o.). Der Abonnementspreis von NEJM für die Universität Münster hat sich in dieser Zeit um 600% verteuert, der Preis für JAMA sogar um 1.700%.

Dabei kann man noch von Glück reden, denn NEJM wollte – als impaktstärkstes Journal in der Medizin – den Preis eigentlich auf 60.000 Euro anheben (und ich bin sicher, in den USA bezahlen einige Hochschulen diesen Preis). Da NEJM ein Monopol auf die Fachartikel besitzt, kann es jeden Preis verlangen, den der Markt hergibt. Ich bin gespannt, wann der Bogen überspannt ist, und ab welchem Punkt die Fakultäten nicht nejm sondern njet sagen werden.

Elf legale Wege an Elsevier-Artikel zu kommen, die nicht in Münster verfügbar sind

Angesichts des vorläufigen Stopps der DEAL-Verhandlungen mit Elsevier (Bericht und FAQ der Unibibliothek) wird die Frage immer kritischer: Wie kommt man an Artikel von Elsevier-Zeitschriften, die vor Ort nicht verfügbar sind? Aus lauter Verzweiflung greifen Wssenschaftler zu rechtlich umstrittenen Schattenbibliotheken, die den Download von Artikeln anbieten. Im Folgenden finden Sie elf legale Wege zu Artikeln, die in Münster nicht verfügbar sind.

Eine Anmerkung: Jede Zeitschrift ist ein Minimonopol. Ein bestimmter Artikel in Lancet wird nur dort publiziert, nirgendwo sonst. Man kann ihn also nur von Elsevier bekommen, von nirgendjemand sonst. Die Preise können also nach Belieben diktiert werden, es gibt keine Wahl. NEJM kostet Bibliotheken statt 300 Euro jetzt 12.000 Euro, JAMA genauso, Lancet genauso, Cell genauso… Diese Profitmaximierung (und das publish or perish) fährt die wissenschaftliche Kommunikation irgendwann gegen die Wand. 200 Institutionen haben gesagt: Wir wollen das nicht – auch auf Kosten einer Nutzungsunterbrechung.

1. Website des Verlags
Auf der Website des Verlags könnte der Artikel als „Hybrid-Open-Access“ immer noch zugänglich sein. Und auch wenn die Bibliothek das Abo gekündigt hat: manchmal vergessen Verlage schlicht und einfach, den Zugang abzuschalten.

2. Google Scholar
Eine Google– oder noch besser Google-Scholar-Suche fördert Artikel zur Oberfläche, die von Drittanbietern (oft den Autoren selber) ins Internet gestellt wurden.

3. PubMedCentral
In PubMed werden verschiedene Artikelversionen verlinkt, darunter der PubMedCentral-Version. PMC bietet 2.000 Zeitschriften nach einer Embargoperiode frei verfügbar an.

4. DOAI / oaDOI
Sie können die digitale Objektkennung (DOI) eines Artikels in den DOAI– und oaDOI-Dienst eingeben, um frei verfügbare Artikel zu lokalisieren. Dabei werden Preprint-Archive, Researchgate und institutionelle Repositorien durchsucht.

5. #icanhazpdf
Twitter-Nutzer können mit dem Hashtag #icanhazpdf und einem Link auf den Artikel anderen Nutzern Ihr Interesse für diesen Artikel anzeigen. Wenn jemand Zugriff hat, kann er Ihnen den Artikel zukommen lassen.

6. Reprint Requests
Eine weitere Option ist (wenn auch manchmal etwas zeitaufwendiger), den entsprechenden Autor zu kontaktieren und ihn um eine Kopie des Artikels zu bitten. Diese Praxis wird von allen großen Verlagen gebilligt.

7. Kollegen fragen, die einen Zugang haben
In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek finden Sie Institutionen, die auf eine bestimmte Zeitschrift noch Zugriff haben. Die MPG hat zB noch einen Elsevier-Vertrag bis Ende des Jahres. Diese Praxis ist rechtlich im Graubereich, nicht alle Verlage unterstützen dies.

8. Rapidoc
Über die Zweigbibliothek Medizin können Sie den Artikel via Fernleihexpressdienst Rapidoc erhalten.

9. Artikel oder Zeitschrift privat kaufen
Für einen schnellen (aber nicht kostenlosen!) Zugang zu einem Artikel, beißen Sie die Zähne aufeinander und zahlen für den Artikel. Einige Institutionen erstatten Ihnen diese Kosten. Elsevier-Artikel kosten typischerweise $31,50, Lancet Choice kommt mit einem Sparpreis von $49 für 5 Artikel und Cell Press bietet einen read-only Zugang zu allen Cell Press Journals* ab $3,99 an (6 Std, nur HTML). * Cancer Cell, Cell, Cell Chemical Biology, Cell Host & Microbe, Cell Metabolism, Cell Stem Cell, Cell Systems, Current Biology, Developmental Cell, Immunity, Molecular Cell, Neuron und Structure.

Private Abos zu Zeitschriften sind ebenfalls meist zu erhalten und kosten einen Bruchteil der Bibliothekslizenzen.

10. Plugin Kopernio installieren
Wenn Sie vor einer Paywall stehen: Der Browser-Plugin von Kopernio sucht nach lizenzierten aber auch frei verfügbaren PDFs. Gehen Sie zum Artikel und klicken Sie auf das grüne Kopernio-Symbol in der Browserleiste. Unterstützt werden u.a. PubMed, ScienceDirect, Web of Science und Google Scholar. Registrierung erforderlich (u.a. auch wegen der Zuordnung der richtigen Zeitschriftenlizenzen: Benutzen Sie „University of Munster“).

11. Eigene Artikel ins Netz stellen
Zugegebenermassen hilft Ihnen das nicht (zumindest nicht kurzfristig), aber Ihren Kollegen. Mittel- und langfristig könnte durch dieses Green Open Access die Abhängigkeit von Zeitschriftenmonopolen verringert werden. Cell Press erlaubt die Veröffentlichung von pre-refereeing Manuskripten, Elsevier sogar die von pre-print and post-print or publisher’s version/PDF.


Modifiziert nach Björn Brembs und Guus van den Brekel.

Foto: Jameek at photocase.de