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Springer Nature und Projekt DEAL unterzeichnen weltweit umfangreichsten Open Access-Transformationsvertrag

Wie Springer Nature und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) stolz verkünden, handelt es sich bei dem Vertrag zwischen Springer Nature und der MPDL Services GmbH (im Namen der HRK und 750 akademischen Einrichtungen) um die bisher weltweit größte Open Access-Vereinbarung.

Welche Artikel fallen unter diesen Deal?

  1. Artikel in rund 1.300 Open Choice-Zeitschriften mit Publikationsdatum ab dem 1. Januar 2020. (für rund 70 Facharzt-Zeitschriften gelten Ausnahmeregelungen)
  2. Artikel in rund 600 Springer Nature-Open-Access-Zeitschriften (inkl. BioMed Central, Scientific Reports und Nature Communications) mit Publikationsdatum ab dem 1. August 2020.

Korrespondierende Autor/innen, die einer der 750 Einrichtungen angehören, können ihre Artikel in (1) und (2) Open Access publizieren, ohne eine Rechnung von Springer Nature zu erhalten.*

Was sind die weiteren Eckpunkte dieser Vereinbarung?

  • Auf die APC-Listenpreise aller Springer-Open und BMC-Titel wird ein Nachlass von 20% gewährt jedoch nicht auf Nature Communications und Scientific Reports.
  • Wissenschaftler und Studierende aus Deutschland erhalten umfangreichen Lesezugriff auf die Zeitschriften-Inhalte des Verlags (Dauerhafter Zugang zu den laufenden Jahrgängen des Vertragszeitraums aller rund 1.900 Springer-Zeitschriften)
  • Nicht enthaltene Zeitschriften sind die Nature- und Nature Branded-Zeitschriften sowie Magazine wie Scientific American und Spektrum der Wissenschaft.
  • Im Rahmen der Vereinbarung werden jährlich weit über 13.000 OA-Artikel von deutschen Forschern erwartet. Damit ist der Vertrag aktuell der weltweit größte seiner Art.
  • Die teilnehmenden Institutionen dauerhaften Zugriff auf die Zeitschriften-Inhalte von Springer, Palgrave, Adis und Macmillan. Es fällt eine „Publish and Read (PAR)“-Gebühr von an, die für jeden veröffentlichten Artikel erhoben und zentral abgerechnet wird, und die mit 2.750 € etwa gleich hoch wie bei Wiley ist.


* Wie beim Wiley-Vertrag heißt dies für die Finanzierung der Artikel vermutlich Folgendes:

  • Hybrid Open Access (ab 1.1.2020): Fungieren WWU-Angehörige in diesen hybriden Zeitschriften als ersteinreichende Autorinnen und Autoren (submitting corresponding author), erscheinen diese Artikel auf Wunsch als Open-Access- oder Nicht-Open Access-Publikation. Der Autor erhält keine Rechnung. Egal, ob der Artikel Open Access oder nicht Open Access ist: Es fallen die gleichen Kosten an! Diese werden über den Weg: Springer Nature -> Max Planck Gesellschaft -> Universität Münster -> Universitätsbibliothek -> Fachbereiche in Rechnung gestellt. Dabei erfolgt die Rechnungstellung nach den von der Lizenzkommission der WWU noch festzulegenden Verteilungsgrundsätzen.
  • Gold Open Access (ab August 2020): Der Vertrag beinhaltet eine Rabattierung von 20% gegenüber dem Listenpreis der Artikelbearbeitungsgebühr (APC) für ersteinreichende Autorinnen und Autoren (submitting corresponding author) in den ca. 600 Gold Open Access-Zeitschriften von Springer Nature (ohne Nature Communications und Scientific Reports). Nach den von der Lizenzkommission der WWU festgelegten Verteilungsgrundsätzen gilt hier: Artikel mit einer APC unter 2.000 € (brutto) werden über den OA Publikationsfonds der WWU abgerechnet. Dabei trägt die ULB ein Drittel und der betreffende Fachbereich zwei Drittel. Artikel mit einer APC über 2.000 € (brutto) werden den betreffenden Fachbereichen zu 100% in Rechnung gestellt.

Aktualisiert: 11 Wege an Zeitschriften-Artikel zu kommen, die in Münster nicht verfügbar sind

## jetzt mit Open Access Button und unpaywall ##

Der folgende Artikel beantwortet die Frage, wie man an Artikel von Zeitschriften kommt, die nicht vor Ort verfügbar sind.

1. Website des Verlags
Auf der Website des Verlags könnte der Artikel als „Hybrid-Open-Access“ immer noch zugänglich sein. Und auch wenn die Bibliothek das Abo gekündigt hat: manchmal vergessen Verlage schlicht und einfach, den Zugang abzuschalten.

2. Google Scholar
Eine Google– oder noch besser Google-Scholar-Suche fördert Artikel zur Oberfläche, die von Drittanbietern (oft den Autoren selber) ins Internet gestellt wurden.

3. PubMedCentral
In PubMed werden verschiedene Artikelversionen verlinkt, darunter der PubMedCentral-Version. PMC bietet 2.000 Zeitschriften nach einer Embargoperiode frei verfügbar an.

4. DOAI / oaDOI
Sie können die digitale Objektkennung (DOI) eines Artikels in den DOAI– und oaDOI-Dienst eingeben, um frei verfügbare Artikel zu lokalisieren. Dabei werden Preprint-Archive, Researchgate und institutionelle Repositorien durchsucht.

5. #icanhazpdf
Twitter-Nutzer können mit dem Hashtag #icanhazpdf und einem Link auf den Artikel anderen Nutzern Ihr Interesse für diesen Artikel anzeigen. Wenn jemand Zugriff hat, kann er Ihnen den Artikel zukommen lassen.

6. Reprint Requests / Open Access Button
Eine weitere Option ist (wenn auch manchmal etwas zeitaufwendiger), den entsprechenden Autor zu kontaktieren und ihn um eine Kopie des Artikels zu bitten. Diese Praxis wird von allen großen Verlagen gebilligt. Ein eleganter Weg, an Reprints zu kommen, ist der preisgekrönte Open Access Button.

7. Kollegen fragen, die einen Zugang haben
In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek finden Sie Institutionen, die auf eine bestimmte Zeitschrift noch Zugriff haben. Dann kann man einen Kollegen fragen, der dort arbeitet. Diese Praxis ist rechtlich im Graubereich, nicht alle Verlage unterstützen dies.

8. Rapidoc
Über die Zweigbibliothek Medizin können Sie den Artikel via Fernleihexpressdienst Rapidoc erhalten. Die Qualität ist manchmal bescheiden, da die Verlage uns zwingen, den Artikel einzuscannen. Wenn Sie eine bessere Abbildungsqualität benötigen, geben Sie dies bitte bei der Bestellung im Kommentarfeld an!

9. Artikel oder Zeitschrift privat kaufen
Für einen schnellen (aber nicht kostenlosen!) Zugang zu einem Artikel, beißen Sie die Zähne aufeinander und zahlen für den Artikel. Einige Institutionen erstatten Ihnen diese Kosten. Zeitschriften-Artikel kosten typischerweise zwischen 25 und 35 Euro, aber es gibt auch Sparpreise, wie z.B. Lancet Choice ($49 für 5 Artikel) oder Cell Press (read-only ab $3,99). Man kann die Zeitschrift auch privat abonnieren, was meist einen Bruchteil der Bibliothekslizenzen kostet.

10. Browser-Plugins
Wenn Sie vor einer Paywall stehen: Der Browser-Plugin von Kopernio sucht nach lizenzierten aber auch frei verfügbaren PDFs. Gehen Sie zum Artikel und klicken Sie auf das grüne Kopernio-Symbol in der Browserleiste. Unterstützt werden u.a. PubMed, ScienceDirect, Web of Science und Google Scholar. Registrierung erforderlich (u.a. auch wegen der Zuordnung der richtigen Zeitschriftenlizenzen: Benutzen Sie „University of Munster“). Eine Alternative ist unpaywall.

11. Eigene Artikel ins Netz stellen
Zugegebenermassen hilft Ihnen das nicht (zumindest nicht kurzfristig), aber Ihren Kollegen. Mittel- und langfristig könnte durch dieses Green Open Access die Abhängigkeit von Zeitschriftenmonopolen verringert werden. So erlaubt Cell Press z.B. die Veröffentlichung von pre-refereeing Manuskripten, Elsevier sogar die von pre-print and post-print or publisher’s version/PDF.


Modifiziert nach Björn Brembs und Guus van den Brekel.

Foto: Jameek at photocase.de

BLACK FRIDAY IN DER BIBLIOTHEK: 100% AUF ALLES*

Die Zweigbibliothek Medizin lässt sich nicht lumpen und beteiligt sich am Black Friday! Am höchsten Feiertag von Homo sapiens consumens lassen wir es krachen und haben die folgenden Produkte für Angehörige der Medizinischen Fakultät drastisch reduziert !!

  • Ausleihe von Büchern – sonst bis zu 100 Euro Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Ausleihe von iPads – sonst bis zu 30 Euro/Monat Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Benutzung von Arbeitsplätzen und Scannernsonst bis zu 1.000 Euro/Jahr Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Fachliche Auskünftesonst bis zu 45 Euro/Std. Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Online-Zugang zu zehntausenden Zeitschriften und Büchersonst bis zu 15.000 Euro Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Rapidoc-Schnellieferung von Zeitschriftenartikeln – sonst bis zu 30 Euro Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Recherchen in UpToDatesonst bis zu 500 Euro Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • Schulungen, z.B. für Doktoranden – sonst bis zu 1.500 Euro/Tag Listenpreis 100% reduziert, jetzt NULL EURO
  • und und und …

Greifen Sie zu solange der Vorrat reicht! Ab Montag (CyberMonday?) kostet alles wieder soviel wie vorher!!


* ausser Tiernahrung, Open Access-Produkten, Kaffee und Mahngebühren

Die Lizenz zum Gelddrucken: In wenigen Jahren wird NEJM 25.000 Euro kosten


NEJM wird jedes Jahr um ziemlich genau 1.333 Euro teurer (zum Vergrößern auf Grafik klicken)

Preiserhöhungen sind nichts Neues in der Verlagsbranche. Die ZB Med hatte bereits wiederholt über deftige Preissprünge bei Zeitschriften wie Pediatrics, dem NEJM oder von vier Zeitschriften der inneren Medizin berichtet.

Ein besonders eklatantes Beispiel aus der Inneren Medizin ist zur Zeit die Preisentwicklung von NEJM. Der Abonnementspreis von NEJM für die Universität Münster stieg in neun Jahren um das Sechsfache (Abb. s.o.). Diese Entwicklung ist mit einer Korrelation von 0,98 ziemlich stringent, so dass der Preis für 2025 schon berechnet werden kann: knapp 25.000 Euro. Da NEJM ein Monopol auf die Fachartikel besitzt, kann es jeden Preis verlangen, den der Markt hergibt. Eine Unterscheidung der Abonnenten nach so genannten „Tiers“ ermöglicht innovative Abzocke Kostenmodelle.

Ich bin gespannt, wann der Bogen überspannt ist, und ab welchem Punkt die Fakultäten nicht mehr nejm sondern njet sagen werden. Angesichts dieser malignen Entwicklung auf dem Zeitschriftenmarkt sind nationale Initiativen wie DEAL mit Augenmerk auf Open Access und publikationsbasierten Kosten sinnvolle Alternativen.

„Die publikationsbasierte Finanzierung führt bei Unis, die viele Artikel publizieren, zu einer höheren finanziellen Belastung“

Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität und Bundesvorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbands im Tagesspiegel über die DEAL-Verhandlungen:

„Die angestrebte, publikationsbasierte Finanzierung der DEAL-Verträge führt bei Einrichtungen, die viele Artikel publizieren, zu einer deutlich höheren finanziellen Belastung als bei Einrichtungen, die wenige oder gar keine Artikel publizieren“. Der Paradigmenwechsel könne nämlich nur gelingen, „wenn die Kosten für die DEAL-Verträge nicht steigen und die Finanzierung der Verträge auf einer dauerhaften und tragfähigen Kostenbeteiligung aller am DEAL-Projekt partizipierenden Einrichtungen beruht“.

Allein aus den Haushalten der Universitätsbibliotheken könnten die hohen Mehrkosten nicht finanziert werden. Jürgen Christof, Direktor der Universitätsbibliothek der Technischen Universität (TU) sieht stattdessen die Politik in der Pflicht, das Thema müsse auf Landes- und Bundesebene besprochen werden. Es brauche eine faire und gut durchdachte Regelung. „Sonst besteht die Gefahr, dass forschungsstarke Einrichtungen mittelfristig aus einem DEAL-Vertrag aussteigen.“ Und das wäre das Worst-Case-Szenario.

Weitere Infos: Stellungnahme der großen Unis „U15“ (Was sind die U15)

Bild: Krockenmitte at Photocase

Elf Wege an Zeitschriften-Artikel zu kommen, die nicht in Münster verfügbar sind

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Der folgende Artikel beantwortet die Frage, wie man an Artikel von Zeitschriften kommt, die nicht vor Ort verfügbar sind.

1. Website des Verlags
Auf der Website des Verlags könnte der Artikel als „Hybrid-Open-Access“ immer noch zugänglich sein. Und auch wenn die Bibliothek das Abo gekündigt hat: manchmal vergessen Verlage schlicht und einfach, den Zugang abzuschalten.

2. Google Scholar
Eine Google– oder noch besser Google-Scholar-Suche fördert Artikel zur Oberfläche, die von Drittanbietern (oft den Autoren selber) ins Internet gestellt wurden.

3. PubMedCentral
In PubMed werden verschiedene Artikelversionen verlinkt, darunter der PubMedCentral-Version. PMC bietet 2.000 Zeitschriften nach einer Embargoperiode frei verfügbar an.

4. DOAI / oaDOI
Sie können die digitale Objektkennung (DOI) eines Artikels in den DOAI– und oaDOI-Dienst eingeben, um frei verfügbare Artikel zu lokalisieren. Dabei werden Preprint-Archive, Researchgate und institutionelle Repositorien durchsucht.

5. #icanhazpdf
Twitter-Nutzer können mit dem Hashtag #icanhazpdf und einem Link auf den Artikel anderen Nutzern Ihr Interesse für diesen Artikel anzeigen. Wenn jemand Zugriff hat, kann er Ihnen den Artikel zukommen lassen.

6. Reprint Requests
Eine weitere Option ist (wenn auch manchmal etwas zeitaufwendiger), den entsprechenden Autor zu kontaktieren und ihn um eine Kopie des Artikels zu bitten. Diese Praxis wird von allen großen Verlagen gebilligt.

7. Kollegen fragen, die einen Zugang haben
In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek finden Sie Institutionen, die auf eine bestimmte Zeitschrift noch Zugriff haben. Dann kann man einen Kollegen fragen, der dort arbeitet. Diese Praxis ist rechtlich im Graubereich, nicht alle Verlage unterstützen dies.

8. Rapidoc
Über die Zweigbibliothek Medizin können Sie den Artikel via Fernleihexpressdienst Rapidoc erhalten. Die Qualität ist manchmal bescheiden, da die Verlage uns zwingen, den Artikel einzuscannen. Wenn Sie eine bessere Abbildungsqualität benötigen, geben Sie dies bitte bei der Bestellung im Kommentarfeld an!

9. Artikel oder Zeitschrift privat kaufen
Für einen schnellen (aber nicht kostenlosen!) Zugang zu einem Artikel, beißen Sie die Zähne aufeinander und zahlen für den Artikel. Einige Institutionen erstatten Ihnen diese Kosten. Zeitschriften-Artikel kosten typischerweise zwischen 25 und 35 Euro, aber es gibt auch Sparpreise, wie z.B. Lancet Choice ($49 für 5 Artikel) oder Cell Press (read-only ab $3,99). Man kann die Zeitschrift auch privat abonnieren, was meist einen Bruchteil der Bibliothekslizenzen kostet.

10. Plugin Kopernio installieren
Wenn Sie vor einer Paywall stehen: Der Browser-Plugin von Kopernio sucht nach lizenzierten aber auch frei verfügbaren PDFs. Gehen Sie zum Artikel und klicken Sie auf das grüne Kopernio-Symbol in der Browserleiste. Unterstützt werden u.a. PubMed, ScienceDirect, Web of Science und Google Scholar. Registrierung erforderlich (u.a. auch wegen der Zuordnung der richtigen Zeitschriftenlizenzen: Benutzen Sie „University of Munster“).

11. Eigene Artikel ins Netz stellen
Zugegebenermassen hilft Ihnen das nicht (zumindest nicht kurzfristig), aber Ihren Kollegen. Mittel- und langfristig könnte durch dieses Green Open Access die Abhängigkeit von Zeitschriftenmonopolen verringert werden. So erlaubt Cell Press z.B. die Veröffentlichung von pre-refereeing Manuskripten, Elsevier sogar die von pre-print and post-print or publisher’s version/PDF.


Modifiziert nach Björn Brembs und Guus van den Brekel.

Foto: Jameek at photocase.de

433 Wissenschaftler betrügen mit „Citation Pushing“

Wie Forschung und Lehre und die Süddeutsche Zeitung (SZ plus, nur mit Abo) berichten, hat der Elsevier-Verlag mit statistischen Methoden 433 Wissenschaftler ausfindig gemacht, die ihre Gutachtertätigkeit dazu missbrauchten, Zitate auf ihre eigenen Arbeiten in die Manuskripte einzuschmuggeln (When Peer Reviewers Go Rogue – Estimated Prevalence of Citation Manipulation by Reviewers Based on the Citation Patterns of 69,000 Reviewers. ISSI 2019, 2-5 September 2019, Rome, Italy https://www.issi2019.org/, 6 Sep 2019).

Über eine Million Artikel in Elsevier-Journalen aus den Jahren 2015 bis 2017 und deren rund 500.000 Gutachter wurden analysiert. Abzüglich der Gutachter, die weniger als fünf Artikel begutachtet oder publiziert hatten, untersuchten die Studienautoren rund 55.000 zitierte Wissenschaftler und Wissenschaftler. In der Studie untersuchten sie, wie häufig die von den Gutachtern vorgeschlagenen Verweise Eigenzitate des Reviewers waren. Statistisch verdächtig waren demnach 0,79 Prozent der Gutachter.

Elsevier erwägt verschiedene Konsequenzen, wie zB das Sperren der beschuldigten Referees.

Foto: Adobe Indesign Clipart

Studie zu Open-Access-Aktivitäten der Medizinischen Fakultät publiziert

Wie das Blog medinfo heute mitteilte, ist die Studie zu den Open-Access-Aktivitäten der Medizinischen Fakultät nun publiziert worden: Forscher inmitten von Open Access und DEAL-Verhandlungen. Teil 1: Open-Access-Aktivitäten. Die Studie wurde bei der Open Access-Zeitschrift Medizin-Bibliothek-Information veröffentlicht, Autor ist Dr. Oliver Obst, der Leiter der ZB Med.

Zusammenfassung
Ziel: In dieser Studie sollte zum einen untersucht werden, inwieweit die Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Universität Münster Open Access publizieren, und ob sie über die Open-Access-Aktivitäten der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Bescheid wissen (Teil 1). Zum andern sollte ihr Wissen und ihre Meinung über die DEAL-Verhandlungen die Wege der Ersatzbeschaffung von nicht zugänglichen Zeitschriften-Artikeln abgefragt werden (Teil 2).
Methode: Online-Umfrage mittels Surveymonkey unter allen Wissenschaftler der medizinischen Fakultät via eines Email-Verteilers des Dekanats. Der Fragebogen bestand aus 14 Fragen, für Teil 1 wurden die ersten 7 Fragen ausgewertet.
Ergebnisse: 384 Fragebögen konnten ausgewertet werden. 63% hatten bereits mindestens einmal Open Access publiziert. 61% wussten über den Publikationsfonds der ULB vor der Umfrage Bescheid, 38% wurden durch Kollegen auf ihn aufmerksam gemacht und 35% durch Aktivitäten der Bibliothek (Mehrfachnennungen). 21% aller Antwortenden hatten bereits einmal einen Antrag beim Fonds gestellt; von denen, die von ihm wussten, waren dies mit 35% deutlich mehr. Hauptsächliche Finanzierungsquelle für Open-Access-Publikationen waren jedoch eigene Fördermittel (57%) oder solche der Institution (44%). Hauptausschlaggebend für die Publikation in einer Open-Access-Zeitschrift war deren Impact Faktor (84%), gefolgt von ihrem guten Ruf (62%).
Fazit: Etwa zwei Drittel der Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Universität Münster wussten gut Bescheid über die Bewertung von Open-Access-Zeitschriften, nutzten die Möglichkeit dort zu publizieren, kannten Fördermöglichkeiten und hatten offensichtlich keine Probleme, die Article Processing Charges (APC) zu bezahlen. Dabei stellte sich ein deutlicher Unterschied zwischen Senior und Junior Scientists heraus: Ältere, etablierte Wissenschaftler waren nicht so sehr auf Impact-starke, karrierefördernde Journals angewiesen; sie konnten es sich leisten, in kleineren, unbekannten Zeitschriften zu publizieren; sie hatten mehr Open-Access-Erfahrungen als die Nachwuchsforscher und wussten besser Bescheid über die Fördertöpfe in der Bibliothek.

Die Studie ist frei zugänglich unter https://www.egms.de/static/en/journals/mbi/2019-19/mbi000441.shtml.

Fotonachweis: andreykr at fotolia.com

Open Access-Publikation in Wiley-Zeitschriften

Wir berichteten bereits über den Deutschlandweiten Vertrag mit Wiley, dem drittgrößten Publisher weltweit. Die meisten wissen, dass dieser Vertrag gegen eine jährliche Gebühr den Zugang zu rund 1.700 Journals von Wiley ermöglicht. Diese Gebühr (die Publish&Read Fee heißt) entspricht theoretisch* dem Betrag, der 2018 in Deutschland für alle Wiley-Zeitschriften bezahlt wurde. Deutlich weniger ist vielen bekannt, dass Forscher ihre Artikel als Open Access in Wiley Zeitschriften veröffentlichen können (siehe auch den entsprechenden ULB-Artikel).

Dadurch ergeben sich folgende Veränderungen für die Universität Münster:

  • Hybrid Open Access: Ab dem 1.7.2019 gilt: Fungieren WWU-Angehörige in diesen hybriden Zeitschriften als ersteinreichende Autorinnen und Autoren (submitting corresponding author), erscheinen diese Artikel auf Wunsch als Open-Access- oder Nicht-Open Access-Publikation. Der Autor erhält (erstmal) keine Rechnung. Egal, ob der Artikel Open Access oder nicht Open Access ist: Es fallen die gleichen Kosten an, die über den folgenden Weg in in Rechnung gestellt werden: Wiley -> Max Planck Gesellschaft -> Universität Münster -> Universitätsbibliothek -> Fachbereiche. Dabei erfolgt die Rechnungstellung nach den von der Lizenzkommission der WWU festgelegten Verteilungsgrundsätzen.
  • Gold Open Access: Der Vertrag beinhaltet eine Rabattierung von 20% gegenüber dem Listenpreis der Artikelbearbeitungsgebühr (APC) für ersteinreichende Autorinnen und Autoren (submitting corresponding author) in den ca. 110 Gold Open Access-Zeitschriften von Wiley. Nach den von der Lizenzkommission der WWU festgelegten Verteilungsgrundsätze gilt: Artikel mit einer APC unter 2.000 € (brutto) werden über den OA Publikationsfonds der WWU abgerechnet. Dabei trägt die ULB ein Drittel und der betreffende Fachbereich zwei Drittel. Artikel mit einer APC über 2.000 € (brutto) werden den betreffenden Fachbereichen zu 100% in Rechnung gestellt.


* Da nicht nach Subskriptionen sondern nach Publikationen bezahlt wird, werden publikationsstarke Institutionen (große, naturwiss./med. Unis) stärker zur Kasse gebeten als publikationsschwache (kleine, geisteswiss. Unis und Fachhochschulen).

Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 7. Kommentare

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Verteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfonds der Universitätsbibliothek und den Deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zu mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

25 der 384 Antwortenden nutzten die Gelegenheit, sich eine Informationsveranstaltung zu Elsevier, DEAL und/oder Open Access an Ihrer Einrichtung zu wünschen. Die Bibliothek hat Kontakt mit den genannten Einrichtungen aufgenommen und die ersten Termine vereinbart.

25 der 384 Antwortenden nutzten die Gelegenheit, der Bibliothek am Schluss noch etwas mit auf den Weg zu geben. Diese aufschlussreichen Kommentare finden Sie zusammen mit den Antworten der Bibliothek im Folgenden:

Kommentar Antwort der Bibliothek
Danke! Gern geschehen!
Das Geld für die Zeitschriften sollte in die Bibliotheken gesteckt werden, die diese Aufgabe objektiver übernehmen könnten: Zukunft Bibliothek! Danke für Ihr Vertrauen in die Innovationskraft und Objektivität von Bibliotheken!
Der Zugriff auf möglichst viele Artikel ist anzustreben. Es ist ärgerlich, wenn man sich einen Artikel einkauft nur um im Nachgang zu erkennen, dass er für die Fragestellung doch nicht geeignet ist. Ich denke genau darum geht es der HRK: Zugriff auf alle Journals der genannten Verlage, Eindämmung der ewigen Kostensteigerungen.
Die Auseinandersetzungen mit Elsevier dauern zu lange, der Nicht-Zugriff auf die Zeitschriften beeinträchtigt die Arbeit. Ja, das ist traurig. Ich verstehe auch nicht genau, wer da gerade auf der Bremse steht. Aber es sollte sich lohnen, für das oben genannte Ziel eine Durststrecke in Kauf zu nehmen.
Frontiers reduziert die Kosten auf Anfrage auf eine Summe von 2000 Euro inklusive Tax. Das ist ein guter Hinweis, danke!
Get a deal with Elsevier soon! Yes, we’ll try. Please tell Elsevier too.
Ich bin bereits emertiert. Publiziere aber noch. Trotzdem sollte meine Ansicht wenig Gewicht haben. Die Aktiven sollten ihre Anliegen robust vertreten. Etwas anderes: IF ist für die meisten tatsächlichen Anwendungen total ungeeignet, die auch nicht im Sinne seiner Erfinder sind. Seine Bedeutung MUSS sinken. But, what else is new? Ja, da legen Sie den Finger in die Wunde: Der Impact Faktor und Minimonopole haben dazu geführt, dass jeder verlag jede Summe für seine Titel verlangen kann. NEJM denkt über 60.000 Euro nach, das ist doch Irrsinn!
Ich bin erst seit einem Jahr an der Universität Münster tätig, meine Erfahrungen mit eigenen Publikationen beziehen sich auf die Zeit an der Universität Würzburg danke für den Hinweis
Ich wünsche mir einen Newsletter, der auf die uns verfügbaren Möglichkeiten hinweist, danke! Ich nehme Sie sofort in unseren Newsletter auf, versprochen!
Ihr seid super! Danke für Euren Einsatz für uns Wissenschaftler und die Freiheit und Zugänglichkeit unserer Ergebnisse! Gern geschehen!
Ist die Nutzung von Sci-hub eigentlich legal? Das kann ich nicht sagen.
Kein Zugang zu den Zeitschriften von ELSEVIER ist eine Katastrophe – ganz einfach!!! Ja, sehe ich auch so (mit allen Einschränkungen, die heir schon genannt wurden).
Macht weiter so! 🙂 Machen wir.
Man könnte Preprint Server wie das BioRxiv fördern. In der Medizin kann man auch seit Neuestem medRxiv benutzen.
Nach meiner Überzeugung sind die großen Verlage (Elsevier, Wiley, SpringerNature) langfristig überflüssig, nur handelt in der Wissenschaft(spolitik) niemand danach. Publizieren geht ohne Kosten. Allerdings sind Idealismus, Kreativität und Ausdauer notwendig — sind das nicht klassische Attribute des Wissenschaftlers? Ich verstehe nicht, dass die Wissenschaftspolitik nach wie vor diese Verlage schmiert und sich auf Verhandlungen einlässt. Der Vertrag mit Wiley ist gut und schön und die Konditionen für große Teile der Wissenschaft werden besser, aber so gewinnt am Ende Wiley und die Wissenschaft verliert. Ich verstehe auch nicht, warum die zb med nicht intensiv alternative Modelle wie Open Journal Systems unterstützt. Geht es der zb med vielleicht nicht wirklich um niedrige Kosten, sondern darum, ein hohes Budget verwalten zu können? Wenn Sie mit zb med die kleine Zweigbibliothek Medizin Münster meinen, dann muss ich Sie enttäuschen: Wir sind zu klein für OJS und schauen nur nach unserem Budget, damit wir Ihnen Ihre Zeitschriften kaufen können. Wenn Sie aber die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin meinen (zbmed.de), dann kann ich Sie beruhigen: Mit dem ejournal-Portal egms.de sind die schon sehr gut im Geschäft! Wenn Sie eine Zeitschrift publizieren wollen, hilft ansonsten die ULB Münster, auch mit OJS…
RAPIDOC wäre eine gute Alternative, wenn der Artikel nicht schwarz weiß wäre und die Druckqualität deutlich verbessert würde. (vermutlich passiert das durch das Faxen); in der erhaltenen Qualität des Papers, ist der Dienst überflüssig Wir würden ja gerne die Original-PDF liefern, aber das verbieten die Verlage (die Ihre Profite verteidigen wollen). Meits reicht ja schwarz/weiss, aber wenn Sie mal eine bessere Qualität brauchen, sollten Sie bei zukünftigen Bestellungen im Bemerkungsfeld „Farbkopie“ angeben, dann besorgen wir Ihnen diese (kostet dann auch mehr, aber das ist es uns wert).
Rapidoc: Are you aware that a lot of articles are printed in colour for a reason? Please send us the articles in colour. Try to interpret a mutlicolour stained image in black and white! see above
Richtung und wichtig dass Elsevier abgeblitzt ist. Ich wünsche mir eine ähnlich starke Linie vor allem gegenüber Springer/Nature. Danke für die Info, das gebe ich gerne so weiter
Sie sind super !!! Danke, Sie auch!!
Standhaft bleiben! Elsevier im vertretbaren Maße nicht mehr zitieren! Danke für Ihre (standhafte) Meinung!
Supply and demand norms should be followed. When there is a large demand for literature on which research is based on, it is the duty of all suppliers to provide it as leniently as possible. Please tell the publishers
Vielen Dank für Rapidoc! Das ist ein tolles Angebot, das mir schon oft geholfen hat. Bitteschön, das hören wir gerne!
Vom Elsevier-Problem abgesehen, meist sehr gute Versorgung mit Veröffentlichungen. Rapidoc kommt manchmal mit Kopien sehr schlechter Qualität (Problem bei Bildern, vor allem bei radiologischen Veröffentlichungen) Danke. Zur Rapidoc-Qualität siehe oben.
Was ist iTunes?? Der Shop von Apple. Mit einem iTunes-Gutschein kann man dort Apps, Bücher, Musik, Filme und Serien kaufen.
Zur Umfrage an sich: – Frage Prozentsatz Forschung/Lehre unintuitiv. Ist das ein Balken (je weiter links desto mehr Forschung) oder eine Waage (je weiter rechts desto mehr Forschung)? Meine Angabe soll 95% Forschung heißen, ob sie das tut, ich weiß es nicht. – In einer Frage zum Wiley-Vertrag geben Sie die neuen Lesekosten für „Cell“ abhängig von der Publikationsanzahl an.Cell wird aber doch nicht von Wiley publiziert?! – Sie scheinen anzunehmen dass jeder der publiziert (im Sinne von „Autor ist“) auch in die Entscheidung, wo publiziert wird (und ob und wie das mit Kosten zusammenhängt) einbezogen wird. Das wäre, gelinde gesagt, naiv. Oder meinen Sie mit „selbst publizieren“ nur diejenigen die die auch Mittelverwaltungszugriff haben (also Juniorprof aufwärts, in etwa)? – In allen Forschungsgruppen an denen ich bisher gearbeitet habe sprechen >30% der wissMA kein Deutsch. Wenn es die Umfrage nicht auf Englisch gibt (und die Einladungsmail zweisprachig gesendet wird) nehmen Sie keine gute Stichprobe der Forscher in Münster. Danke für Ihr ausführliches Feedback, das wir sehr ernst nehmen. Zur Umfrage: Ja, die Art der Fragestellung hat einigen Probleme bereitet. Wir machen das demnächst wieder intuitiver. Ihre Angaben sind aber korrekt rübergekommen. Zu Cell: Das war nur ein Beispiel für die publikationsbasierte Bepreisung, zugegebenermassen ein schlechtes, aber mir fiel auf die Schnelle keine bekannte Wiley-Zeitschrift ein 😉 Zur Frage der Autorschaft: Ja, Sie haben vollkommen recht: Es war wirklich naiv von mir, jeden für einen Autor zu halten, der vorne auf einem Paper drauf steht. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich selber fast ausschliesslich alleine publiziere. Es wäre klarer für die „Nebenautoren“ (so will ich sie einmal nennen) gewesen, nach Submitting oder Corresponding Authorship zu fragen, dann hätten sie sich nicht angesprochen gefühlt. Zur Sprache: Tatsächlich ist eine rein deutschsprachige Umfrage nicht repräsentativ für die Medizinische Fakultät. Das wird aber auch nicht behauptet. Es ging um ein schnelles und kurzes Meinungsbild zu den DEAL-Verhandlungen, dafür reicht mir die Rückmeldung von 70% der Forscher aus (wie Sie oben sehen, haben tatsächlich auch etliche die Umfrage auf englisch ausgefüllt). Interessant wäre natürlich den Grund für Ihre Vermutung zu erfahren, wieso die englischsprachigen Forscher eine andere Einstellung als die deutschsprachigen haben sollten. BTW: Letztens hat die Bibliothek eine englischsprachige Umfrage gemacht. Da kam der Kommentar: Wieso Englisch? Wir leben doch in Deutschland! :-/

Weitere Beiträge und Ergebnisse

Foto: Lukiyanov at Shutterstock

Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 6. Alternative Zugänge zu Literatur

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Verteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zu mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Beschaffung von Zeitschriftenartikeln ohne Uni-Lizenz
Die 11. Frage lautete: „Wie besorgen Sie sich Zeitschriftenartikel, für die die Uni Münster keinen Zugang hat?“ (mehrere Antworten möglich). Mit 57% gaben die Allermeisten an, bei Kollegen nachzufragen, die einen Zugang zu der Zeitschrift besaßen, dicht gefolgt von 52%, die direkt beim Autor nachfragten (Abb. oben). Über das Wissenschaftler-Portal ResearchGate versorgten sich immerhin 46% mit Artikeln. 40% benutzten den Expresslieferdienst Rapidoc, der gleiche Prozentsatz Google Scholar. 37% gaben an, dass der Artikel frei verfügbar auf der Webseite der Zeitschrift zu finden war. Nur eine verschwindende Minorität kaufte sich Artikel (4%), fragte bei der Zeitschrift an (3%) oder twitterte den Artikelwunsch mit dem Hashtag #icanhazpdf (2%). Mit 41% war der Prozentsatz derjenigen, die gleich ganz auf den Artikel verzichteten, erschreckend hoch.

Immerhin jeder Achte (12%) gab nur eine einzige Möglichkeit an, sich am Ort nicht vorhandene Zeitschriftenaufsätze zu besorgen (Abb. oben). Fast 1/4 (23%) benutzte den Münsteraner Expresslieferdienst Rapidoc als einzigen Beschaffungsweg, genauso viele verzichteten dann aber auf den Artikel. Jeder Siebte fragte ausnahmslos bei Kollegen an, die einen Zugang besaßen.

Beschaffung von Zeitschriftenartikeln nach Open Access-Publikationstätigkeit
Unter denjenigen, die schon einmal Open Access publiziert hatten, waren mehr, die beim Autor anfragten, mehr, die bei Kollegen mit Zugriff anfragten, mehr, die bei ResearchGate guckten, mehr, die Rapidoc nutzten und mehr, die frei verfügbare Artikel auf der Webseite der Zeitschrift fanden. Mit anderen Worten: Open Access-Autoren waren umtriebiger und breiter aufgestellt, was die Beschaffung von Artikeln abseits der Uni-Lizenz anging.

Beschaffung von Zeitschriftenartikeln nach Alter
Zwei Arten der alternativen Ersatzbeschaffung von Zeitschriftenartikeln nehmen mit dem Alter zu: die Anfrage beim Autor (von 38% bei den 20-29jährigen auf 62% bei den über 60jährigen) und der Fernleihdienst Rapidoc (von 22% auf 48%) (Abb. oben, links). Beides sind eher traditionelle Wege der Ersatzbeschaffung, die bereits seit Dekaden angeboten werden und (offensichtlich noch immer) funktionieren. Dem stehen drei Beschaffungswege gegenüber, die mit dem Alter abnahmen: auf der Webseite des Journals frei verfügbare Artikel (von 42% bei den 20-29jährigen auf 19% bei den über 60jährigen), Artikel, die über Google Scholar gefunden wurden (von 40% auf 19%) und Artikel im Wissenschaftler-Netzwerk ResearchGate (von 53% auf 14%) (Abb. oben, rechts). Alles drei sind eher die typischen Herangehensweisen von Digital Natives, nicht-lizenziertes Material zu finden.

Von den meist genutzten Zugangswegen (Nutzung > 5%) war nur die Anfrage bei Kollegen bei allen Altersgruppen in etwa gleich stark vertreten. Das frustrierende „Ich verzichte dann oft auf den Artikel“ war mit 38%-48% bei allen Altersgruppen gleich stark ausgeprägt mit der Ausnahme der 40-49jährigen, die das deutlich seltener meinten (32%). Vielleicht waren diese nur hartnäckiger als die Jüngeren (zu unbekümmert) und Älteren (zu abgeklärt)?

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medRxiv – Das neue Preprintarchiv für die Medizin

Nach dem bekannten Preprintserver arXiv für die Physik hatte das Cold Spring Harbor Laboratory 2013 das Preprintarchiv BioRxiv für die Biologie gegründet. Preprintarchive fördern die schnelle Verbreitung von Forschungsergebnissen ohne Peer-Review. In der (Hochenergie)Physik ist diese Art der (Vor)Publikation schon seit einer ganzen Weile Mainstream, und auch der biologische Ableger wurde ein Erfolg.

Seit Anfang Juni diesen Jahres hat das Labor nun ein Preprintarchiv für die Medizin aus der Taufe gehoben. medRxiv soll ein Sammelbecken für klinische Studien werden, die nicht von BioRxiv abgedeckt wurden. Nature berichtete und nannte auch die Bedenken:

BioRxiv’s success prompted some clinical scientists to push for such a site because the biology repository accepts preprints in only certain fields of medical science. But some researchers are concerned that releasing unvetted clinical research could be risky, if patients or doctors act on what could end up being inaccurate information. The organizations behind the new server, named medRxiv, have been working on the project since 2017 and say they have built in safeguards to address those concerns. They will require authors to provide details of ethical approvals for their studies and consent from patients, and to disclose all funding sources. Preprints will be screened by an external clinical scientist and an experienced clinical editor supported by the developing organizations — Cold Spring Harbour Laboratory in New York, the publisher BMJ in London and Yale University in New Haven, Connecticut.

Eine Publikation in einem Preprintarchiv verhindert in der Regel keine (Zweit)Publikation in einem peer-review-Journal. Die Ingelfinger Rule greift hier nicht.