Aktuelles aus dem Institut für Slavistik

Neuerscheinung

Die Ausgabe 2 (2025) der Zeitschrift Schnittstelle Germanistik. Forum für Deutsche Sprache, Literatur und Kultur des mittleren und östlichen Europas ist dem Thema „Westsplaining“ gewidmet.

Zwei Institutsangehörige sind in dem Themenheft mit Beiträgen vertreten:

Agata Czaja: Polnischer Postkolonialismus als Instrument der politischen Rechten? Eine Analyse ausgewählter Aspekte 

Irina Wutsdorff: Selbstverliebte Selbstkritik oder: Zu blinden Flecken westlicher Kritik am ,Westen‘ 

Ikonen – Merkmal russischer Identität zwischen Tradition, Religion und Politik

Interview mit den Slavistinnen Irina Wutsdorff und Daniela Amodio
© Exzellenzcluster „Religion und Politik“/Richard Sliwka

In der Interviewreihe „Forschungen am Exzellenzcluster ‚Religion und Politik‘“ sprachen Irina Wutsdorff und Daniela Amodio über ihre wissenschaftliche Arbeit zur Bezugnahme russischer Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts auf die traditionelle Ikonenmalerei. Ikonen sind ursprünglich Kult- und Heiligenbilder der Ostkirchen. Sie wurden jedoch von den sogenannten Slavophilen, Anhänger einer russischen philosophisch-politischen Ideologie im 19. Jahrhundert, die die Eigenständigkeit Russlands gegenüber Westeuropa betont, zu Sinnbildern eben dieser eigenen Tradition erhoben. Somit unterschieden sich die Ikonen von der westeuropäischen und westkirchlichen Bildtradition.

In ihrem Forschungsprojekt „Zwischen religiöser Tradition und ästhetischer Innovation. Die A-Mimetik der Ikone in der russischen Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts“ untersuchen die Slavistinnen Irina Wutsdorff und Daniela Amodio das Spannungsfeld der Bezugnahme auf die Ikonen-Tradition. In einem Video und in einem schriftlichen Interview erläutern sie ihre Forschungen.

"Die Slavistik durchlebt einen beschleunigten Wandel"

Vier Jahre Ukraine-Krieg – ein Interview über die Folgen für die Wissenschaft
Prof. Dr. Regina Elsner, Prof. Dr. Ricarda Vulpius und Prof. Dr. Christina Clasmeier (v. l. n. r.) tauschten sich in der Johannisstraße über die Folgen des Ukrainekriegs für die Wissenschaft aus.
© Uni MS - Linus Peikenkamp

Am 24. Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. Seitdem leidet nicht nur die Bevölkerung unter den täglichen Angriffen, auch die Wissenschaft ist vom Krieg betroffen – in der Ukraine, Russland und Deutschland. Die Osteuropa-Expertinnen Jun.-Prof. Dr. Christina Clasmeier (Institut für Slavistik), Prof. Dr. Regina Elsner (Ökumenisches Institut) und Prof. Dr. Ricarda Vulpius (Historisches Seminar) schildern in der aktuellen Ausgabe der Unizeitung "wissen|leben" die Konsequenzen für ihre Arbeit, die Veränderungen in ihren Fächern sowie innere und äußere Konfliktlinien.

Das ausführliche Interview findet sich hier: https://www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=15228

Neuerscheinung: Dmytro Čyževs’kyj and Prague – Perspectives of Intellectual Entanglement

Thematic Block in: Slovo a smysl. Word & Sense 46 XXII (2025), 13-120. (open access)  
Guest Editor: Irina Wutsdorff    
Hier können Sie es finden. 

The thematic block ‘Dmytro Čyževs’kyj and Prague: Perspectives of Intellectual Entanglement’ with contributions by Renate Lachmann (Konstanz), Josef Vojvodík (Praha),Irina Wutsdorff (Münster), Roman Mnich (Warszawa), Patrick Flack (Fribourg) and Maxim Demin (Bochum)goes back to a workshop with this title that took place at the Masaryk Institute and Archive of the CAS in Prague from 18–20 January 2024.

The workshop focussed on Dmytro Čyževs’kyj and his stay in Prague (1924–1932) as an example of intellectual entanglement in 20th century Central Europe. When living in Prague, Čyževs’kyj was simultaneously involved in the Ukrainian and Russian émigré communities. He taught at the Mykhailo Drahomanov Ukrainian Pedagogical Institute as well as in the Ukrainian Free University and was a member of the Ukrainian Historical-Philological Society. At the same time, he participated in the work of the Prague Linguistic Circle and the Philosophical Society at the Russian Free University. Interwar Prague was a place of intercultural intellectual exchange and entanglement, where several traditions of thinking came together or were confronted with each other — a configuration which was true for differing political positions as well.

Taking Čyževs’kyj’s involvement in intersecting communities in interwar-Prague as a starting point, the workshop combined literary theoretical and literary-historical as well as philosophical and philosophical-historical approaches to this phenomenon of intellectual entanglement.

Neuerscheinung: Valentin Peschanskyi – Die tote Frau als Ikone. Zur Verbindung von Tod, Weiblichkeit und (Heiligen-)Bild bei Fedor Dostoevskij, Vasilij Perov, Ivan Turgenev und Evgenij Bauėr.

© Brill | Fink

Abstract: Die zum Reflexionsbild erstarrte Frauenleiche ist ein zentrales Motiv der europäischen Kunst, das sein russisches Kulturspezifikum durch die Verbindung mit der orthodoxen Ikone erhält. Die Studie untersucht die Transformationen lebendiger Frauenfiguren zu toten Bildkörpern und geht deren Funktions- und Bedeutungsvielfalt nach. Die hier betrachteten (Bewegt-)Bilder und Texte stellen den weiblichen Leichnam als (Heiligen-)Bild in vielschichtige ästhetisch produktive Spannungsfelder: zwischen Kult und Kunst, Dies- und Jenseits, Form und Zerfall, Ethik und Ästhetik. Insofern sie dabei auch das Verhältnis von Russland und (West-)Europa sowie zwischen Tradition und sich anbahnender Moderne verhandeln, problematisieren die Werke virulente Fragen der Zeit, Umbrüche und Krisen sowohl ästhetisch-poetologischer als auch religiöser, philosophischer, medialer, ethischer und sozialer Natur.

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Neuerscheinung

© Universitätsverlag Winter, Heidelberg

Marie-Sofia Trautmann, Verena Meyer, Rasmus Hahn:
Zehn Jahre Krieg: Ukrainische Tagebücher und Aufzeichnungen und der Einfluss des Kriegsgeschehens


In: Schnittstelle Germanistik. Forum für Deutsche Sprache, Literatur und Kultur des mittleren und östlichen Europas. Jahrgang 4, Ausgabe 1 (2024). Sondernummer zum Themenschwerpunkt Die Ukraine. Am Schnittpunkt europäischer Traditionen, hg. von Amy-Diana Colin und Steffen Höhne. S. 259-275.

Online können Sie hier auf die Ausgabe zugreifen. 

Der Artikel entstand im Rahmen des Seminars “Kriegstagebücher und -aufzeichnungen aus der Ukraine”, das im WiSe 2023/24 an der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Irina Wutsdorff stattfand.

Neuerscheinung: Central and Eastern European Literary Theory and the West

Central and Eastern European Literary Theory and the West
© De Gruyter

Wir möchten Sie auf die Erscheinung des Handbuchs zur Central and Eastern European Literary Theory and the West aufmerksam machen, das von Michał Mrugalski , Schamma Schahadat und Irina Wutsdorff herausgegen wurde. Das Handbuch ist vollständig im Open Access zugänglich.

Zum Inhalt

Literary theory flourished in Central and Eastern Europe throughout the twentieth century, but its relation to Western literary scholarship is complex. This book sheds light on the entangled histories of exchange and influence both within the region known as Central and Eastern Europe, and between the region and the West. The exchange of ideas between scholars in the East and West was facilitated by both personal and institutional relations, both official and informal encounters. For the longest time, however, intellectual exchange was thwarted by political tensions that led to large parts of Central and Eastern Europe being isolated from the West. A few literary theories nevertheless made it into Western scholarly discourses via exiled scholars. Some of these scholars, such as Mikhail Bakhtin, become widely known in the West and their thought was transposed onto new, Western cultural contexts; others, such as Ol’ga Freidenberg, were barely noticed outside of Russian and Poland. This volume draws attention to the schools, circles, and concepts that shaped the development of theory in Central and Eastern Europe as well as the histoire croisée – the history of translations, transformations, and migrations – that conditioned its relationship with the West.

Ukrainistik in der Bibliothek für Slavistik

Die Bibliothek des Instituts für Slavistik verfügt über eine umfangreiche Sammlung zur Ukrainistik: Belletristik ukrainischer Autor:innen, darunter vielfach auch Gegenwartsliteratur in Übersetzung, außerdem Werke zu Kultur und Geschichte der Ukraine. Zahlreiche Medien zu diesen Themen finden Sie im Bibliotheksraum 202 (Signaturen Af, Cf-Zf) sowie unter anderen Signaturen im gesamten Bibliotheksbestand (z.B. KH/KL 9990…). Diese Sammlung wird kontinuierlich erweitert. Eine Auswahl an Gegenwartsliteratur in Übersetzung finden Sie in einem eigens eingerichteten Regal im Bibliothekseingangsbereich:

- Juri Andruchowytsch: Moskoviada (Signatur: KH/KL 7420 M896D)

- Juri Andruchowytsch: Zwölf Ringe (Signatur: KH/KL 7420 Z98D)

- Stanislaw Assejew: In Isolation (Signatur: KH/KL 9999 A844 I35D)

- Yevgenia Belorusets: Glückliche Fälle (Signatur: KH/KL 9999 B452 G567D)

- Tanja Maljartschuk: Blauwal der Erinnerung (Signatur: KH/KL 9999 M251 B645D)

- Oksana Sabuschko: Museum der vergessenen Geheimnisse (Signatur: KH/KL 9990 Z12 M986D)

- Sofija Yablonska: Der Charme von Marokko (Signatur: KH/KL 9990 J11 C482D)

- Serhij Zhadan: Antenne (Signatur: KH/KL 9990 Z17 A627D)

- Serhij Zhadan: Internat (Signatur: KH/KL 9990 Z17 I61D(2))

- uvm.

Stellungnahme zur völkerrechtswidrigen Aggression Russlands gegenüber der Ukraine

Wir sind zutiefst entsetzt und betroffen angesichts der völkerrechtswidrigen Aggression Russlands gegenüber der Ukraine und verurteilen diese aufs Schärfste.
Als Mitglied des Osteuropa-Kollegs NRW teilen wir dessen Stellungnahme.

Stellungnahme des Osteuropa-Kollegs NRW

Die Mitglieder des Osteuropa-Kollegs NRW verurteilen auf Schärfste den von der russischen Führung unter Präsident Putin angezettelten Krieg gegen die Ukraine, dessen Ziel ist, die territorialen Grenzen in Europa mit militärischer Gewalt zu verschieben. Nach dem Bruch des Völkerrechts und der verbrecherischen Krim-Annexion sowie der faktischen Besetzung von Teilen der Ostukraine im Jahr 2014, sind die Machthaber im Kreml jetzt erneut dabei, den souveränen Staat Ukraine anzugreifen. Verfangen in ihrer rückwärtsgewandten Utopie der neoimperialen Revanche bringen die Kremlherrscher dem ukrainischen Volk wieder Leid und Tod. Sie bringen auch die Menschen in Russland, die in Frieden mit den Nachbarvölkern leben möchten, um ihre Zukunft.
Das Osteuropa-Kolleg NRW setzt sich von seiner Gründung an für einen gleichberechtigten und friedlichen Dialog aller Völker Osteuropas in Kultur und Wissenschaft ein. Wir weisen die angeblich historischen Argumente des Kreml, mit denen der heutigen Ukraine das Recht auf eigenen Staatlichkeit abgesprochen wird, als Lüge und Geschichtsklitterung zurück.
Wir in NRW, besonders in der Stadt Bochum, die seit Jahrzehnten die Partnerstadt von Donezk ist, fühlen eine tiefe Verbundenheit mit den Menschen in der Ukraine und fordern Russland auf, jegliche militärische Gewalt gegenüber dem souveränen Staat Ukraine zu unterlassen. Wir stehen für eine friedliche und demokratische Entwicklung in Osteuropa ein und unterstützen alle Maßnahmen der europäischen Politik, den Frieden in dieser Region wiederherzustellen.