Teilprojekt C06

Entscheiden im politischen System der Bundesrepublik Deutschland

Das Teilprojekt C06 thematisiert, wie sich Praxis und Modi politischen Entscheidens in der Bundesrepublik von deren Gründung bis in die 1970er Jahre veränderten, wann und unter welchen Bedingungen die politischen Akteure Entscheidungsbedarf wahrnahmen und welchen Einfluss die sich wandelnden institutionellen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen hierauf besaßen.

Verhandelt werden diese Fragen am Beispiel von zwei Politikfeldern, nämlich jenem der Atompolitik (Unterprojekt A; Bearbeiterin: Svenja Schnepel) und dem der Bildungspolitik (Unterprojekt B; Bearbeiter: Matthias Glomb), durch die zwei zentrale Achsen politischen Entscheidens in der Bundesrepublik in den Blick genommen werden. Während Fragen der Atompolitik vor allem im bundespolitischen Dreieck von Bundeskanzleramt und Kabinett, zuständigen Fachministerien (inklusive der unterstellten Behörden bzw. der dort geschaffenen Institutionen wie der Deutschen Atomkommission) und Bundestag erörtert wurden, organisierte sich die Bildungspolitik entsprechend der im Grundgesetz festgeschriebenen Kulturhoheit der Länder prinzipiell auf der föderalen Ebene. Von besonderem Interesse sind auf diesem Politikfeld die seit den 1950er Jahren verstärkt entstehenden Koordinierungsgremien und Beratungsinstanzen (Kultusministerkonferenz, Bund-Länder-Kommission, Deutscher Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen, Deutscher Bildungsrat).

Indem das Projekt den Zeitraum zwischen Gründung der Bundesrepublik und den 1970er Jahren untersucht, geraten außerdem unterschiedliche Phasen in den Blick, in denen sich die Praxis politischen Entscheidens angesichts sich wandelnder Rahmenbedingungen und Herausforderungen erkennbar veränderten: Vom Übergang von der nationalsozialistischen Diktatur zum demokratisch-parlamentarischen System der Bunderepublik, über sich neu herausbildende Formen, Verfahren und Begründungen des (politischen) Entscheidens seit den 1960er Jahren hin zum Aufstieg der elektronischen Informationsverarbeitung sowie einer starken konzeptionellen und personellen Einbindung von wissenschaftlichen Methoden und Kompetenzen aus den Technik- und Sozialwissenschaft in den 1970er Jahren. Vor diesem Hintergrund stellt sich das Projekt auch die Frage, wie Deliberationsprozesse im Spannungsfeld von Politik und Expertenwissen sowie von gesellschaftlichen Erwartungen und Partizipationsdruck vollzogen und rezipiert wurden.

Teilprojektleitung

Prof. Dr. Thomas Großbölting
Historisches Seminar
Domplatz 20-22
Zimmer 136
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24322
Fax: +49 251 83-24382
thomas.grossboelting@uni-muenster.de

Wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen

Svenja Schnepel
SFB 1150 „Kulturen des Entscheidens“
Domplatz 6
Zimmer 204
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-28332
schnepel.sv@web.de

Matthias Glomb
SFB 1150 „Kulturen des Entscheidens“
Domplatz 6
Zimmer 204
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-28332
m_glom01@uni-muenster.de

Publikationen

Thomas Großbölting

  • (Hrsg., zusammen mit Rüdiger SCHMIDT) Gedachte Stadt – Gebaute Stadt: Urbanität in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz 1945 – 1990, Köln 2015.
  • (zusammen mit Christoph LORKE) Vereinigungsgesellschaft. Deutschland seit 1990, in: Deutschland nach 1990. Wege in die Vereinigungsgesellschaft, hrsg. von dies., Stuttgart 2017, S. 9-32.
  • Kulturelle Vielfalt als gesellschaftlicher Leitbegriff und politische Praxis? Nation und „Volksgemeinschaft“ im 19. und 20. Jahrhundert, in: Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten. Chancen und Herausforderungen kultureller Pluralität in Deutschland, hrsg. von der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2018, S. 103-119.
  • Von der „Krise der Volksparteien“ zum Aufstieg der AfD? Fragen und Hypothesen zur Transformation des politischen Systems in Deutschland, in: Massenparteien im 20. Jahrhundert. Christ- und Sozialdemokraten, Kommunisten und Faschisten in Deutschland und Italien, hrsg. von ders., Stefano Cavazza und Christian Jansen, Stuttgart 2018, S. 257-267.
  • Einleitung: Politisches Entscheiden in Ost und West, in: Entscheiden im Kalten Krieg. Orte, Praktiken und Ressourcen in Ost und West, hrsg. von ders. und Stefan Lehr, Göttingen 2019 (zum Druck angenommen).

Matthias Glomb

  • Verwissenschaftlichte Politik? Planung und Entscheidung in der bundesrepublikanischen Bildungspolitik der sechziger und frühen siebziger Jahre, in: Kulturen des Entscheidens. Narrative – Praktiken – Ressourcen (Kulturen des Entscheidens, 1), hrsg. von Ulrich Pfister, Göttingen 2019, S. 371-384.
  • Politisches Planen und Entscheiden im bundesrepublikanischen Bildungsföderalismus der langen sechziger Jahre: Die Gründung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung, in: Entscheiden im Kalten Krieg. Orte, Praktiken und Ressourcen in Ost und West, hrsg. von Thomas Großbölting und Stefan Lehr, Göttingen 2019 (zum Druck angenommen).

Markus Goldbeck

  • (zusammen mit Ines ELLERTMANN) Politisches Entscheiden im Kalten Krieg: Narrative, Orte und Ressourcen des Entscheidens, 28.09.2017-29.09.2017 Münster, in: H-Soz-Kult, 27.01.2018, www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7518 (01.07.2018).

Svenja Schnepel

  • Atomwaffenträgersysteme für die Bundeswehr? Demokratisches Entscheiden zwischen Politik und Experten, in: Entscheiden im Kalten Krieg. Orte, Praktiken und Ressourcen in Ost und West, hrsg. von Thomas Großbölting und Stefan Lehr, Göttingen 2019 (zum Druck angenommen).
  • Das Bundeskanzleramt der langen 1960er Jahre – Von Planungseuphorie zu Partizipationskonzepten im Maschinenraum der Macht, in: Entscheiden im Kalten Krieg. Orte, Praktiken und Ressourcen in Ost und West, hrsg. von Thomas Großbölting und Stefan Lehr, Göttingen 2019 (zum Druck angenommen).