Über Griechen, Römer, Ägypter, Juden und Christen

Tagung untersucht Identität und Normativität am Beispiel des antiken Alexandria

Plakat der Tagung „Nomos  zwischen Identität und Normativität“

Plakat

Mit der Identitätsfindung verschiedener Bevölkerungsgruppen in der antiken Kulturhauptstadt Alexandria befasst sich eine interdisziplinäre Tagung am Exzellenzcluster „Religion und Politik“. „Damals lebten Griechen, Römer, Ägypter, Juden und später auch Christen zusammen in der Stadt. Das führte notwendigerweise zu Abgrenzungs- und Annäherungsprozessen der verschiedenen Gruppen von- beziehungsweise zueinander“, erläutern die evangelischen Theologen Prof. Dr. Hermut Löhr und PD Dr. J. Cornelis de Vos vom Exzellenzcluster. Die Konferenz „Nomos zwischen Identität und Normativität“ untersucht die Abgrenzungs- und Annäherungsprozesse der verschiedenen Gruppen anhand von Fallstudien am Beispiel Alexandrias im 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Sie konzentriert sich dabei auf das normative Netzwerk als Prozess der Identitäts- und Normativitätsfindung der einzelnen Gruppen, das maßgeblich auf der griechischen Übersetzung des Pentateuchs, der Septuaginta, basiert. Dabei handelt es sich um die ersten fünf Bücher des Alten Testamentes, die in der protestantischen Tradition auch als „Fünf Bücher Mose“ und in der jüdischen Tradition als Tora bezeichnet werden.

Der Amsterdamer Alttestamentler Dr. Michaël N. van der Meer hält im Rahmen der Tagung einen öffentlichen Abendvortrag unter dem Titel „Nomos in the Septuagint“ („Nomos in der Septuaginta“). Er ist am Donnerstag, 26. März, um 18.15 Uhr im Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters an der Johannisstraße 4, Raum JO1, zu hören. Die Tagung findet vom 26. bis 28. März im Liudgerhaus am Überwasserkirchplatz 3 statt. Sie ist Teil des Forschungsprojektes A2-10 Der jüdische Nomos zwischen Normativität und Identität am Beispiel Alexandrias im 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus, das Prof. Löhr und PD Dr. de Vos am Exzellenzcluster leiten.

Um den Zusammenhang von Identität und Normativität genauer zu verstehen, fragen die Teilnehmer der Tagung nach Ähnlichkeiten, Unterschieden und Berührungen der Normendiskurse und -netzwerke der unterschiedlichen Gruppen in Alexandria. Aspekte wie kulturelle Vielfalt, Inklusion versus Exklusion und die Wechselwirkung zwischen religiösen, ethnischen und kulturellen Prägungen dieser Gruppen, ausdifferenziert nach den Graden Assimilation (völlige Anpassung), Akkulturation (Annäherung), Transkulturation (wechselseitige Durchdringung von Elementen der eigenen und der anderen Kultur) und Hybridität sowie mögliche Krisenbedingtheit normativer Veränderungen interessieren dabei besonders. Zu Wort kommen Vertreter verschiedener Fächer: evangelische und katholische Theologie, Judaistik, Archäologie, Religions-, Rechts- und Geschichtswissenschaft. (exc/bhe)

Tagung „Nomos zwischen Identität und Normativität“, 26. bis 28. März 2015
Liudgerhaus
Überwasserkirchplatz 3
48143 Münster

Öffentlicher Abendvortrag „Nomos in the Septuagint“ („Nomos in der Septuaginta“), 26. März 2015, 18.15 bis 19.45 Uhr
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters
Raum JO1
Johannisstraße 4
48143 Münster

Programm

Donnerstag, 26. März

13:45-14:00 Begrüßung Hermut Löhr und J. Cornelis de Vos, Münster
Einführung
14:00-14:45 Literary Sources from and about Alexandria in the 1st-3rd Century C.E.: Which Sources Do We Have, and What Do They Tell about Normativity and Identity? J. Cornelis de Vos, Münster
14:45-15:30 Der Pharos und andere architektonische Leuchttürme: Monumente und Identität im kaiserzeitlichen Alexandria Balbina Bäbler Nesselrath, Göttingen
16:00-16:45 Die orientalische Spätantike als Ort der Neuverhandlung von Identität: Religion, Politik und Sprache Johannes Niehoff-Panagiotidis, Berlin
16:45-17:30 The „Entire Torah“ and Its Parts: Structuring the Law in Alexandria and Beyond Hermut Löhr, Münster
18:15-19:45 Öffentlicher Abendvortrag: Nomos in the Septuagint Michaël N. van der Meer, Amsterdam

Freitag, 27. März

Das pagane Alexandria
08:45-09:30 Foundation Myths and Social Identity in Greco-Roman Alexandria Rudolf Strootman, Utrecht
09:30-10:15 Die Acta Alexandrinorum: Pagane Märtyrer in Alexandria Joachim Hengstl, Marburg
10:45-11:30 Alexandrinische Festkultur Andrea Jördens, Heidelberg
Das jüdische Alexandria: Philo von Alexandria
11:30-12:15 Philo on the Law of Moses: Assimilation, Acculturation, and Transculturation of Jewish and Pagan Inhabitants of Alexandria John W. Martens, St. Paul, Minnesota
14:30-15:15 Stoic Ethics in Philo’s Construction of Jewish Law Maren N. Niehoff, Jerusalem
15:15-16:00 Der Staatsmann als „Zusatz zum Herrn“ (Jos. 28-31): Zum Verhältnis von Staatsmann und Gesetz bei Philo Friederike Oertelt, Neuendettelsau
16:30-17:15 The Risk of Immanence: The Philosophical Conceptualisation of the Jewish Law in the Works of Philo of Alexandria Carlos Lévy, Paris
17:15-18:00 How Do Apologetics Fit into the Questions of Identity Formation and Undergirding of Normativity? A Durhkeimian Perspective on Philo Anders Klostergaard Petersen, Aarhus

Samstag, 28. März

Das christliche Alexandria
08:45-09:30 Identitätsstiftende Krise: Der frühchristliche Normativitäts- und Identitätsdiskurs im Schatten des Diasporaaufstandes am Beispiel von Kerygma Petri und dem Barnabasbrief Markus Lang, Wien
09:30-10:15 Antinomism? Programmatic Aberrant Behaviour and Taboo Breaking in the Early Church and Gnosticism Marco Frenschkowski, Leipzig
10:45-11:30 Nomos und Naturrecht bei Origenes Alfons Fürst, Münster
11:30-12:00 Abschluss