Theologische Fächer am Exzellenzcluster

Beitrag im „Jahrbuch Politische Theologie“ zum interdisziplinären Austausch

Buchcover des Jahrbuchs Politische Theologie

Buchcover

© LIT Verlag

Über den interdisziplinären Austausch am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ während der ersten Förderphase berichtet ein Beitrag im diesjährigen „Jahrbuch Politische Theologie“. Die Autoren Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Dr. Holger Arning und Viola van Melis geben einen Überblick über die Zusammenarbeit von Vertreterinnen und Vertretern 20 verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen zwischen 2007 und 2012. Besonderes Augenmerk legt der Beitrag, der in der Jahrbuch-Rubrik „Institute & Projekte“ erschienen ist, auf den Austausch der theologischen Fächer mit anderen Fachrichtungen wie der Geschichts- und Rechtswissenschaft, Soziologie und Philosophie.

„Die Theologinnen und Theologen des Exzellenzclusters bringen eine große Bandbreite von Themen und Zugängen in die Arbeit ein und profitieren ihrerseits vom Fächeraustausch“, schreibt Sozialethikerin Prof. Heimbach-Steins. „Für alle Projekte des Forschungsverbundes gilt: Sie profitieren von den gemeinsamen Diskussionsplattformen, auf denen die jeweiligen Fachperspektiven vonseiten anderer Wissenschaften angefragt, Begriffsinstrumentarien und Semantiken diskutiert und methodische Zugänge expliziert werden, die in rein disziplinären Arbeitszusammenhängen oft selbstverständlich erscheinen und deshalb unbefragt bleiben.“ Die Anfragen aus anderen Fächern könnten so zum Vehikel der eigenen Forschung erhoben werden. Als Beispiel nennt die Wissenschaftlerinihr Forschungsprojekt A16 Das Ethos der Religionsfreiheit. Politisch-Ethische und theologische Dimensionen. Darin wurde untersucht, wie die gegenwärtige Rechtsprechung den Religionsbegriff konturiert und welche Konsequenzen die Theologie daraus für ihre Beteiligung an öffentlichen Diskursen über Religion ziehen sollte. „Staatskirchenrechtler, Religions- und Politikwissenschaftler konnten das theologische Blickfeld dabei hilfreich erweitern“, unterstreicht die katholische Theologin.

Regelmäßige Tagungen und Workshops am Exzellenzcluster bieten nach Einschätzung der Autoren gute Möglichkeiten für „dichte interdisziplinäre Kommunikationen zwischen Cluster-Mitgliedern und Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern“. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Veranstaltungen über die jeweiligen Projekte in einen kontinuierlich geführten wissenschaftlichen Austausch eingebettet seien. Exemplarisch sei eine Tagung des Soziologen Prof. Dr. Detlef Pollack, des katholischen Theologen Prof. Dr. Karl Gabriel und der Soziologin Dr. habil. Christel Gärtner, auf der die Säkularisierungsthese als Masterthese der Religionsforschung Disziplinen übergreifend kritisch diskutiert wurde. Historiker, Soziologen und Theologen überprüften die Theorie anhand von Fallbeispielen aus neun Jahrhunderten und untersuchten Tendenzen der Differenzierung und Entdifferenzierung von Religion und Politik.

Auch an einem Studientag mit dem Verfassungsrechtler Prof. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde über das Thema „Religion – Recht – Demokratie“ tauschten Theologinnen und Theologen sich konzentriert mit Vertretern der Politik-, Rechts- und Geschichtswissenschaften aus, wie die Autoren hervorheben. „Zur Sprache kamen das Spannungsverhältnis von Politik, Recht und Religion in der Moderne und die Lage von Kirche und Katholizismus. Solche Ereignisse am Exzellenzcluster zeigen, wie stark die Wissenschaftseinrichtung mit religionspolitisch brisanten Gegenwartsfragen befasst ist.“

Beiträge von Franz-Xaver Kaufmann und Mouhanad Khorchide

Das breite Fächer- und Methodenspektrum des Exzellenzclusters trage dazu bei, „eine verkürzte Sicht auf die alle Zeiten durchziehenden Ambivalenzen des Verhältnisses von Religion und Politik zu erweitern und dessen Vielschichtigkeit im kulturellen Gedächtnis zu verankern“, heißt es im Beitrag. Über das Forschungskonzept der zweiten Förderphase von 2012 bis 2017 informiert die Website des Exzellenzclusters unter Forschung.

Der Doppelband 6/7 des „Jahrbuchs Politische Theologie“ fragt nach dem Kirchenverständnis der „Neuen Politischen Theologie“. Er trägt den Titel „Extra ecclesiam...: Zur Institution und Kritik von Kirche“. Soziologe Prof. Dr. Franz-Xaver Kaufmann, der dem wissenschaftlichen Beirat des Exzellenzclusters angehört, erläutert in einem Beitrag „Das Programm einer Politischen Theologie von J.B. Metz“. Der Münsteraner Theologe Prof. Dr. Johann Baptist Metz schreibt selbst über die „Präsenz der Kirche in der Gesellschaft“. Der islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide vom Exzellenzcluster vergleicht in seinem Beitrag „Die christliche Kirche und die muslimische Umma“.

Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins leitet in der zweiten Förderphase des Exzellenzclusters das Projekt C2-10 Kritik von innen. Modelle sozialen Wandels in der katholischen Kirche. Viola van Melis leitet das Zentrum für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbundes, Dr. Holger Arning war dort bis 2011 tätig und ist Mitarbeiter am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der WWU Münster. (bhe)

Hinweis: Henning Klingen, Peter Zeillinger, Michael Hölzl (Hg.): Extra ecclesiam...: Zur Institution und Kritik von Kirche. (Jahrbuch Politische Theologie 6). Münster 2013. 392 S., 39,90 Euro, ISBN 978-3-643-50431-9

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