Hohe Ehre für Cluster-Wissenschaftler

Althistoriker Prof. Dr. Peter Funke ist neuer DFG-Vizepräsident

Prof Funke

Prof. Dr. Peter Funke

© Julia Holtkötter

Der neue Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kommt aus Münster und ist Mitglied des Exzellenzclusters „Religion und Politik“: Der münstersche Althistoriker Prof. Dr. Peter Funke wurde heute von der Mitgliederversammlung der DFG in Berlin in das Leitungsgremium von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation gewählt. Dort übernimmt er im Bereich Geisteswissenschaften das Vizepräsidentenamt von der Frankfurter Frühneuzeithistorikerin Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte, die nach sechsjähriger Amtszeit turnusgemäß ausscheidet.

In seinem neuen Amt will sich Peter Funke vor allem in die Diskussion um die „Zukunft der Geistes- und Sozialwissenschaften, ihre Positionierung in der Forschungslandschaft und ihre Stärkung vor allem im Bereich der Grundlagenforschung“ einbringen. Auch „Internationalität“ ist dem neuen Vizepräsidenten ein besonderes Anliegen, was die „Vielsprachigkeit der Geistes- und Sozialwissenschaften“ ebenso einschließt wie die so genannten „Kleinen Fächer“, die in ihrer Eigenständigkeit zunehmend unter hochschulpolitischen Druck geraten und deren international führende Stellung damit verloren zu gehen droht.

Die Rolle und Verantwortung der Geisteswissenschaften

„Es ist auch für die Universität Münster eine große Ehre, wenn einer ihrer Wissenschaftler auf eine solch herausragende Position gewählt wird“, freute sich Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der WWU Münster, über die Wahl des Althistorikers. Prof. Funke sei ein ausgewiesener Fachwissenschaftler und ein herausragender Wissenschaftsmanager, der sich in zahlreichen Gremien der Universität unermüdlich engagiere und vor allem seinen Sachverstand in die Wissenschaftsorganisationen einbringe.

DFG-Präsident Prof. Dr. Matthias Kleiner begrüßte den neuen Vizepräsidenten als „ausgewiesenen Wissenschaftler und hervorragenden Kenner der DFG“. Peter Funke habe sich in verschiedensten Funktionen als Verfechter der Selbstverwaltung der Wissenschaft einen Namen gemacht. „Aber auch außerhalb der Fachkreise hat Peter Funke viel zur Rolle und Verantwortung der Wissenschaft und besonders der Geisteswissenschaften zu sagen“, unterstrich Matthias Kleiner. „Wir freuen uns, dass wir diese erfahrene und angesehene Persönlichkeit für das Präsidium gewinnen konnten.“

Peter Funke ist Professor für Alte Geschichte und Direktor des Seminars für Alte Geschichte und des Instituts für Epigraphik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo er auch die Forschungsstelle „Historische Landeskunde des antiken Griechenlands“ leitet. Geboren 1950 in Rheine, studierte er von 1969 bis 1974 Geschichte und Germanistik in Münster. Von dort wechselte er an die Universität zu Köln, wo er 1978 promoviert wurde und sich 1985 auch habilitierte. Seine erste Professur hatte der Althistoriker danach an der Universität/Gesamthochschule Siegen inne, bevor er 1988 nach Münster berufen wurde.

Engagement in Forschung und wissenschaftlicher Selbstverwaltung

In seinen Forschungen befasst sich Peter Funke vor allem mit der Geschichte der griechischen Staatenwelt von der mykenischen bis zur römischen Zeit sowie mit der historischen Geografie und Landeskunde der antiken Welt. Auch der antiken Verfassungsgeschichte und dem Verhältnis von Religion und Herrschaft in der Antike gilt sein Augenmerk. Zu Letzterem untersucht Peter Funke in dem in der Exzellenzinitiative geförderten münsterschen Exzellenzcluster „Religion und Politik“ die Rolle von Kulten und Heiligtümern in antiken Staatsverträgen.

Parallel zu seiner Forschungstätigkeit engagiert sich Peter Funke seit langem in der wissenschaftlichen Selbstverwaltung sowie in der Forschungs- und Studienförderung. Unter anderem war er Prorektor für Lehre und studentische Angelegenheiten an der Universität Münster sowie Vorsitzender der „Gemeinsamen Studienreformkommission des Landes Nordrhein-Westfalen“ und der Arbeitsgruppe „Neue Medien in der Hochschullehre“ der Hochschulrektorenkonferenz. Seit 1993 ist Peter Funke Vertrauensdozent des Cusanus-Werkes, dessen Beirat er leitet. Von 2004 bis 2008 stand er an der Spitze des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, der auf den Historikertagen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft immer wieder eng zusammenbringt.

In der DFG war Peter Funke von 1996 bis 2004 Fachgutachter für Alte Geschichte und stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses Altertumswissenschaften, 2004 bis 2005 dann Sprecher des Fachkollegiums „Alte Kulturen“. Engen Kontakt zu Wissenschaftlern aller Disziplinen hält er seit 1995 auch als DFG-Vertrauensdozent an der Universität Münster. Seit 2005 gehörte er schließlich dem Senat und Hauptausschuss sowie dem Senatsausschuss „Perspektiven der Forschung“ an.

Hintergrund:

Neben der Wahl des neuen Vizepräsidenten Funke wurden in Berlin vier Mitglieder des zehnköpfigen DFG-Präsidiums für eine zweite Amtsperiode von drei Jahren wiedergewählt:

  • Physiker Prof. Dr. Konrad Samwer, der sich in seiner ersten Amtszeit vor allem mit dem Thema „Europa“ und den Senatskommissionen der DFG befasst hat
  • Ingenieurwissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter, der seit 2007 den Senatsausschuss „Perspektiven der Forschung“ geleitet hat
  • Chemiker Prof. Dr. Ferdi Schüth, der vor allem als Leiter der Arbeitsgruppe zur Formulierung und Umsetzung der viel beachteten „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ der DFG Akzente gesetzt hat
  • Informatikerin Prof. Dr. Dorothea Wagner, die sich besonders der Themen „Wissenschaftlicher Nachwuchs“ und „Erkenntnistransfer“ angenommen hat

Zusammen mit dem im vergangenen Jahr für eine zweite Amtszeit bis 2012 wiedergewählten Präsidenten Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, dem neuen Vizepräsidenten Prof. Dr. Peter Funke und den vier wiedergewählten Vizepräsidenten gehören als weitere Vizepräsidenten die Entwicklungsgenetikerin Prof. Dr. Elisabeth Knust, der Mediziner Prof. Dr. Jürgen Schölmerich sowie die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Windbichler dem Präsidium an. Der Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, Dr. Arend Oetker, ist ständiger Gast. Das Präsidium ist verantwortlich für die Führung der laufenden Geschäfte, die von der Geschäftsstelle der DFG unter der Leitung von Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek erledigt werden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland. Organisiert ist die DFG als privatrechtlicher Verein. Ihre Mitglieder sind forschungsintensive Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Verbände sowie die Akademien der Wissenschaften. Die DFG erhält ihre finanziellen Mittel zum größten Teil von Bund und Ländern. Pro Jahr verteilt die DFG rund zwei Milliarden Euro in wettbewerblichen Verfahren. (upm/DFG/bhe)