"Ein starkes Gutwilligkeits-Milieu"

Umfrage: Münsteraner toleranter gegenüber fremden Religionen als der Durchschnitt

News Ansichtssache Muenster Barometer

Alexander Yendell und Prof. Dr. Detlef Pollack (v.l.)

© bhe
Die Menschen in Münster sind toleranter gegenüber fremden Religionen als der Durchschnitt der Deutschen. Das belegt das Münster-Barometer 2010, eine repräsentative Erhebung des Instituts für Soziologie, des Lehrstuhls für Religionssoziologie und des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU). Rund zwei Drittel der Münsteraner fordern demnach gleiche Rechte für alle religiösen Gruppen, wie die Soziologen Prof. Dr. Detlef Pollack und Alexander Yendell in einem Beitrag für die Cluster-Website www.religion-und-politik.de darlegen. Damit liegt die Stadt elf Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von knapp 55 Prozent („Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“).

Anfuehrungszeichen

Der Beitrag:

Münster gilt als eine der lebenswertesten Städte Deutschlands. Zu Recht, wie eine kürzlich erstellte Studie feststellte: Münsteraner sind toleranter gegenüber fremden Religionen und religiösen Gruppierungen als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das belegen die neuesten Ergebnisse des Münster-Barometers, einer repräsentativen Erhebung, für die der Lehrstuhl für Religionssoziologie und der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) im April im Auftrag der Westfälischen Nachrichten erstmals Fragen zur Akzeptanz religiöser Vielfalt stellte. Rund zwei Drittel (65,4%) der Münsteraner fordern demnach gleiche Rechte für alle religiösen Gruppen. Damit liegen die Münsteraner etwa elf Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt. In Deutschland insgesamt betrug die Zustimmung zu derselben Frage bei der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ (ALLBUS) im Jahr 2008 nur 54,9 Prozent.

Für das Münster-Barometer befragt die Forschungsgruppe „Befragungen, Evaluationen, Methodenberatung und Analysen“ (BEMA) des Instituts für Soziologie der WWU unter Leitung von Hanns Wienold und Marko Heyse Münsteraner Bürger halbjährlich zu kommunal-politischen und allgemeinen Themen.

Fast die Gesamtheit der Münsteraner Bevölkerung ist nach den neuesten Ergebnissen davon überzeugt, man müsse alle Religionen respektieren (95,1%). Auch diese Zustimmungsquote liegt um etwa zehn Prozentpunkte höher als in Gesamtdeutschland (83,7%). Es überrascht daher wenig, dass mit 72,6 Prozent die überwiegende Mehrheit der Münsteraner in der zunehmenden religiösen Vielfalt eine kulturelle Bereicherung sieht. Dementsprechend befürworten über zwei Drittel der Münsteraner (70,8%) den Bau von Moscheen. Nur rund ein Viertel (24,5%) spricht sich für ein Minarettverbot aus. Eine vergleichbare Studie des Instituts TNS Emnid in diesem Jahr ergab, dass deutschlandweit 38 Prozent der Bevölkerung ein Minarettverbot befürworten, in Ostdeutschland sogar 44 Prozent. Eine weitere Studie von infratest dimap im Dezember 2009 ergab eine ähnlich hohe Quote wie in Ostdeutschland für Nordrhein-Westfalen: 43 Prozent der Bevölkerung in NRW sind gegen den Bau von Minaretten.

Trotz des hohen Maßes an religiöser Toleranz sehen nicht wenige in Münster ein beachtliches Konfliktpotential in der zunehmenden religiösen Vielfalt. 68,8 Prozent betrachten die zunehmende Vielfalt von religiösen Gruppen in unserer Gesellschaft als eine Ursache für Konflikte, und immerhin 56,6 Prozent machen als Ursache von Konflikten sogar die zunehmende Anzahl von Muslimen aus. Die hohe Toleranzbereitschaft der Münsteraner Bevölkerung geht also nicht mit einem niedrigen Problembewusstsein einher. Vielmehr wird man den Respekt und die Toleranz, die die Münsteraner fremden Religionen entgegenbringen, auch als eine bewusste Art des Umgangs mit den wahrgenommenen Problemen interpretieren müssen.

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